Prozessauftakt um millionenschweren Internetbetrug, das Landgericht rechnet mit dreissig Verhandlungstagen! Der Universitätschor beginnt die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum an der Wiege seines Bestehens. Im Leipziger Westen geht ein hochmoderner Wasserkocher ans Netz – und auf dem Südfriedhof wird am Nachmittag der Opfer des Volksaufstandes von 1953 gedacht.
Warmwasser wie aus der Thermoskanne
Ab heute geht’s heiß her! Die Leipziger Stadtwerke nehmen die nach eigenen Angaben größte Solarthermie-Anlage Deutschlands in Betrieb. Auf dem Gelände des Blockheizkraftwerks Leipzig-West wurden 13.200 Vakuumröhren-Kollektoren mit einer gesamten Kollektorfläche von 65.208 Quadratmetern installiert.
Das Prinzip der Anlage ist vergleichsweise einfach: Die Energie der Sonne erwärmt Wasser in speziellen Röhren. Diese sind durch ein Vakuum besonders gut isoliert und funktionieren ähnlich wie eine Thermoskanne, sodass nur wenig Wärme verloren geht. Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung wird das Wasser schneller oder langsamer durch die Anlage geleitet. Auf diese Weise kann es auf Temperaturen von bis zu rund 110 Grad erhitzt werden. Anschließend wird die Wärme direkt in das Leipziger Fernwärmenetz eingespeist. Der technische Betreiber „Ritter XL Solar“ gibt eine maximale Einspeisetemperatur von 108 °C an.
Neben der Energieerzeugung spielt auch die ökologische Gestaltung des Areals eine Rolle. Die Kollektoren werden mit einer geplanten Unterkante von 90 Zentimetern höher als üblich errichtet, damit Pflanzen und Tiere die Fläche weiterhin nutzen können. Vorgesehen sind Blühwiesen, Obstbäume, Hecken und Stauden sowie Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Zur Pflege des Geländes sollen zudem Schafe eingesetzt werden. Nach Angaben der Stadtwerke wird im Wesentlichen lediglich das Technikgebäude beziehungsweise die Pumpenhalle dauerhaft versiegelt.
Die Gesamtfläche des Areals umfasst 14 Hektar. Investiert wurden in Leipzigs funkelndsten Wasserkocher 40 Millionen Euro, 16 Millionen davon aus Fördermitteln.

Leipzig gedenkt der Opfer des 17. Juni 1953
Sie wollten Freiheit, doch Gewalt und Willkürjustiz begruben ihren Traum. Heute erinnern das Bürgerkomitee Leipzig e.V., die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), weitere Verfolgtenverbände und die Stadt Leipzig an die Opfer der Niederschlagung des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953. Anlässlich des 73. Jahrestages findet um 16 Uhr auf dem Leipziger Südfriedhof an der Grab- und Gedenkanlage für die Opfer der Gewaltherrschaft 1945–1989 eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung und Schweigeminute statt.
Die Gedenkrede hält der Präsident des Sächsischen Landtags, Alexander Dierks. Als Zeitzeugin berichtet Brigitte Dienst über ihre Erlebnisse während der Ereignisse des 17. Juni 1953; sie ist die Schwester des jüngsten Todesopfers des Aufstandes. Der Volksaufstand gilt als eines der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. In fast 700 Städten und Gemeinden der DDR gingen damals mehr als eine Million Menschen für Freiheit, Demokratie und Deutsche Einheit auf die Straße.
In Leipzig beteiligten sich am 17. Juni rund 27.000 Beschäftigte aus mehr als 80 Betrieben an Arbeitsniederlegungen; später demonstrierten über 40.000 Menschen. Die Proteste wurden durch das Eingreifen der sowjetischen Besatzungsmacht gewaltsam beendet. Allein im Bezirk Leipzig kamen neun Menschen ums Leben, darunter der 15-jährige Paul Ochsenbauer; mindestens 95 weitere wurden verletzt. Die Veranstalter sehen die Erinnerung an den Aufstand auch heute als wichtiges Zeichen für den Wert von Freiheit, Bürgerrechten und demokratischem Rechtsstaat.
Ein Jahrhundert Uni-Chor
In diesem Jahr feiert der Leipziger Universitätschor sein 100-jähriges Bestehen. Heute erinnert er dort, wo alles begann, an seine Gründung: Um 19 Uhr lädt der Chor in die Moschelesstraße 11 ein, wo sich am 17. Juni 1926 erstmals der „Madrigalkreis Leipziger Studenten“ traf. Die Regisseurinnen Teresa Martin und Marlene Pawlak gestalten unter dem Titel „Wie alles begann“ eine musikalisch-szenische Spurensuche zu den frühen Chorjahren mit Musik, Geschichten und Mitsingmomenten.
Als weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres folgt am 27. Juni um 19 Uhr ein großes Festkonzert in der Leipziger Thomaskirche. Daran wirken auch ehemalige Chormitglieder mit. Auf dem Programm stehen der 100. Psalm von Max Reger, die Jazz-Messe von Prof. David Timm sowie eine Uraufführung von Meike Senker. Gemeinsam mit der Staatskapelle Halle verbindet der Chor damit musikalische Vergangenheit und Gegenwart.
Zu Konzertbeginn überreicht die Sächsische Staatsregierung dem Leipziger Universitätschor die „Zelter-Plakette“, eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen für Laienchöre in Deutschland. Sie wird vom Bundespräsidenten gestiftet und an Chöre verliehen, die sich über mindestens 100 Jahre hinweg besondere Verdienste um die Chormusik und das kulturelle Leben erworben haben. Benannt ist die Auszeichnung nach dem Komponisten, Musikpädagogen und Chorleiter Carl Friedrich Zelter.
Karten kosten im Vorverkauf 20 Euro, ermäßigt 10 Euro, an der Abendkasse 25 Euro, ermäßigt 15 Euro. Weitere Termine und Servicehinweise stehen unter www.unichor.uni-leipzig.de.
Mammut-Prozess um Millionenbetrug
Vor der 15. Strafkammer des Landgerichts beginnt heute ein Verfahren wegen mutmaßlichen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs im großen Stil. Angeklagt ist eine am 07.10.1995 geborene Frau. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wirft ihr 685 tateinheitliche Fälle vor. Die Beschuldigte soll ab Januar 2019 als Mitarbeiterin des Brandproviders „PumaTS“ Betreibern von mindestens 425 Onlineanlagebetrugsplattformen gegen Bezahlung Technik bereitgestellt und betreut haben.
Nach Darstellung der Anklage wurde die von der Angeklagten vertriebene Technologie mit deren Wissen für serienmäßige Betrugstaten innerhalb und außerhalb der EU genutzt. Geschädigte sollen über Onlineplattformen und Callcenter dazu gebracht worden sein, ihr Geld vermeintlich gewinnbringend anzulegen. Tatsächlich soll es der Tätergruppierung jedoch darum gegangen sein, möglichst hohe Einzahlungen, meist auf Auslandskonten, zu erreichen. Das Geld sei anschließend über ein komplexes, weltweit installiertes Geldwäschenetzwerk dem Zugriff der Geschädigten entzogen und innerhalb der Gruppierung verteilt worden.
Bei den 685 in der Anklage genannten Geschädigten soll ein Gesamtschaden von 40.305.760,39 Euro entstanden sein. Die Angeklagte soll aus den Taten schätzungsweise 460.000 USD, umgerechnet 368.000 EUR, erlangt haben. Das Landgericht hat für das Verfahren 29 Folgetermine angekündigt. Über den Prozess berichtet unser Reporter Lucas Böhme.
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