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Ein Stahl-Gigant erhebt sich – kann dabei aber kaum beobachtet werden. Ein Pop-Gigant hingegen füllt zwei Abende die Parkbühne. Weniger schön sind die Preiserhöhungen im ÖPNV und an der kommunalen Musikschule. Vor der Sommerpause lädt das Capa-Haus heute noch mal zu einer Ausstellung ein. Und weil Strafverfolgung keinen Urlaub kennt, steht heute ein mutmaßlicher Hundequäler vor Gericht.

ÖPNV gibt Tariferhöhungen keine Pause

Auf wenig ist so sehr Verlass, wie auf die allsommerliche Preiserhöhung im ÖPNV. Ab Samstag, 1. August, treten im gesamten Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) neue Fahrpreise in Kraft. Von der Steigerung sind damit nicht nur die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) betroffen, sondern ebenso S-Bahnen, Regionalzüge sowie aller anderen Verkehrsunternehmen im Verbund.

Nach Angaben des MDV sind gestiegene Kosten für Personal, Energie, Kraftstoffe, Material und Fremdleistungen der Grund für die Preiserhöhung. Gleichzeitig wird das Tarifsystem vereinfacht, indem einzelne Ticketangebote entfallen oder vereinheitlicht werden.

In Leipzig kostet die Einzelfahrt künftig 3,80 Euro statt bislang 3,60 Euro, die Kurzstrecke steigt von 2,40 auf 2,50 Euro und die Einzelfahrt für Kinder von 1,60 auf 1,70 Euro. Die 24-Stunden-Karte Plus für eine Person erhöht sich von 9,70 auf 10,00 Euro, für zwei Personen von 14,80 auf 15,20 Euro. Die Wochenkarte kostet künftig 40,40 statt 37,30 Euro. Die Monatskarte steigt von 109,90 auf 119,90 Euro.

Nach Angaben des MDV erhöhen sich die Fahrpreise in Leipzig durchschnittlich um 5,0 Prozent, in Halle um 3,2 Prozent und in den Landkreisen des Verkehrsverbundes im Durchschnitt um 5,56 Prozent. Für viele Fahrgäste wichtig: Bereits gekaufte Fahrscheine zum bisherigen Tarif bleiben bis zum 31. Dezember 2026 gültig. Das gilt unter anderem für Einzelfahrkarten, Kurzstreckentickets, 4-Fahrten-Karten und weitere bereits erworbene Fahrausweise, sodass vorhandene Tickets nicht umgetauscht oder kurzfristig aufgebraucht werden müssen.

Änderungen gibt es auch beim Angebot: Die 24-Stunden-Karte Plus wird künftig verbundweit einheitlich angeboten und ermöglicht die kostenlose Mitnahme von bis zu drei Kindern. Mehrere Sondervarianten entfallen, außerdem wird die 4-Fahrten-Karte in vielen Regionen des MDV abgeschafft und bleibt nur noch in wenigen Stadtverkehren erhältlich.

Unverändert bleibt dagegen das Deutschlandticket. Es kostet weiterhin 63 Euro im Monat, da der Preis bundesweit festgelegt wird und unabhängig vom MDV-Tarif ist. Und auch das Bildungsticket für Schülerinnen und Schüler kostet noch immer 15 Euro im Monat und bleibt damit derzeit preisstabil.

Eine Übersicht mit dem gesamten Netzplan des MDV, allen Angaben zu den Tarifzonen, Fragen der Fahrradmitnahme usw. gibt es HIER ONLINE als PDF zum Downloaden und Ausdrucken.

Die Ticketpreise für Bus und Bahn ziehen am 1. August wieder an. Foto Benjamin Weinkauf

Klang kostet

Teurer wird’s nicht nur bei Bus und Bimmel, sondern auch bei Bach. Die Gebühren der städtischen Musikschule „Johann Sebastian Bach“ steigen zum Monatswechsel und betreffen somit das Schuljahr 2026/27. So verteuert sich der wöchentliche Einzelunterricht (45 Minuten) für Schülerinnen und Schüler bis 18 Jahren von derzeit 862,20 Euro im Jahr auf 984 Euro.

Aber nicht nur die Unterrichtsentgelte werden angepasst, sondern auch die Gebührenstruktur selbst wird grundlegend überarbeitet. Künftig gelten differenziertere Tarife für Schülerinnen und Schüler sowie Erwachsene. Gleichzeitig werden Familien-, Mehrfächer-, Renten- und Ehrenamtsermäßigungen eingeführt beziehungsweise ausgeweitet.

Die bisherigen Sozialermäßigungen, etwa für Inhaber des Leipzig-Passes, sowie die Geschwisterermäßigungen bleiben bestehen. Neu ist außerdem ein einmaliges Aufnahmeentgelt von 15 Euro für neue Unterrichtsverträge. Darüber hinaus regelt die Entgeltordnung die Nutzung von Instrumenten, Rückerstattungen und den Umgang mit Unterrichtsausfällen neu.

Die Musikschule begründet die Anpassung damit, dass die Entgelte seit dem 1. Januar 2018 unverändert geblieben seien und die inzwischen deutlich gestiegenen Kosten eine Überarbeitung erforderlich machten. Zugleich verweist sie darauf, dass musikalische Bildung durch die erweiterten Ermäßigungen weiterhin möglichst vielen Menschen offenstehen solle.

An der Musikschule werden etwa 7.800 Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit unterrichtet. Sie wurde 1951 als Volksmusikschule gegründet und trägt seit 1985 den Namen „Johann Sebastian Bach“. Heute recht prominente Schüler hatte unter anderem die Fachrichtung „Tanzmusik“. So zum Beispiel den heutigen Musical-Komponisten und Prinzen-Sänger Tobias Künzel oder den beliebten TV-Sportmoderator Michael Drevenstedt.

Eine ausführliche Tariftabelle mit allen Sparten, Ausnahmen, Unterrichts- und Leihgebühren gibt es HIER ONLINE als umfassende Übersicht.

Ein Musikhistoriker schrieb Beethoven einst den Satz zu: „Man darf den Wert des Nützlichen nicht nach seinen Kosten bemessen.“ Da soll es zwar um ein Buch gegangen sein, aber gute Literatur ist ja von einer guten Musik nicht wirklich weit entfernt.

Ein Gigant hebt ab

Der Stahlkoloss von Sellerhausen – 800 Tonnen schwer liegt er, einem überdimensionalen grauen Walgerippe gleich, in der gleißenden Sonne zwischen den Wohnhäusern der Wurzner Straße und der Kleingartensparte „Freundschaft“. Direkt auf der Großbaustelle eines wichtigen Eisenbahnknotens für Ost-West- und Nord-Süd-Strecken des Regionalverkehrs und des Bundesnetzes.

Seit einem Jahr haben Gartenpieper und vor allem Anwohnerinnen und Anwohner den Lärm der Baustelle tapfer ertragen. Heute werden sie für die nervenaufreibende Zeit mit einem besonderen Schauspiel belohnt: Die DB InfraGO AG wird ab Mittag die vormontierte Stahlfachwerkbrücke mit einem selbstfahrenden Schwerlastfahrzeug an ihren endgültigen Standort östlich des Haltepunkts Leipzig-Sellerhausen im Umfeld der Wurzener Straße bewegen.

Die neue Brücke wird als Stahlfachwerkkonstruktion mit Stahlverbundfahrbahn errichtet und kommt im Gegensatz zum Vorgängerbauwerk ohne Mittelstützen zwischen den darunterliegenden Gleisen aus. Der Überbau wurde weitgehend neben seiner künftigen Lage montiert. Bereits im April traf ein erster Fertigteilträger ein, im Juni folgten nächtliche Schwerlasttransporte mit weiteren Teilen.

Für den heutigen Einhub kommt ein „Self-Propelled Modular Transporter“ zum Einsatz. Das aus mehreren selbstfahrenden und computergesteuerten Achsmodulen bestehende Fahrzeug kann extreme Lasten aufnehmen, hydraulisch anheben und mit hoher Genauigkeit bewegen. Es fährt unter den vormontierten Überbau, übernimmt ihn und setzt die Brücke anschließend auf den vorbereiteten Auflagern ab.

Mit dieser Technik lässt sich der besonders kritische Teil der Arbeiten auf ein begrenztes Zeitfenster minimieren. Eine langwierige Montage unmittelbar über den befahrenen Strecken und damit verbundene längere Sperrungen werden so vermieden. Die Inbetriebnahme des neuen Kreuzungsbauwerks ist für Ende 2026 vorgesehen, Restarbeiten sollen bis Anfang 2027 folgen.

Für Freaks und Fans solcher Spezialarbeiten ist die Baustelle leider schlecht gelegen. Die wirklich perfekte Aussicht bleibt jenen vorbehalten, die im letzten Jahr am meisten unter dem Lärm der Baustelle gelitten haben. Allerdings kündigte die Bahn auf LZ-Anfrage an, nach erfolgter Installation des Stahlriesen Drohnenbilder der spektakulären Aktion zu veröffentlichen.

Präzisionsarbeit! Spezialtechnik solle heute die Konstruktion passgenau einbauen. Foto: Benjamin Weinkauf

Hundsgemein: Angeklagter soll Tier mißhandelt haben

Am Leipziger Amtsgericht begann heute um neun Uhr der Prozess gegen einen 44 Jahre alten Mann, dem die Staatsanwaltschaft ein Vergehen nach dem Tierschutzgesetz vorwirft. Demnach soll er im vergangenen Jahr einen Chihuahua so brutal misshandelt haben, dass dem Tier nach Gerichtsangaben die Augäpfel entfernt werden mussten.

Für den Fall einer Verurteilung sieht das Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor.

Chihuahuas sind auch bei Prominenten beliebt. Hotel-Erbin Paris Hilton prägte mit ihrer Hündin Tinkerbell den Kult um die „Handtaschenhündchen“. Aber auch hartgesottene Vertreter der Showbranche entdeckten ihre Liebe für die quirligen Winzlinge. Skandal-Rocker Ozzy Osbourne („Black Sabbath“) präsentierte seine Chihuahuas in einer Familiendoku über sich und die Seinen. Den Prozess beobachtet unser Reporter Lucas Böhme.

Chihuahuas sind nicht jedermanns Sache und gelten als die kleinste Hunderasse der Welt. Foto: HG-Fotografie/Pixabay

Matthias Reim im Doppelpack

Von den einen ausgelacht, von den anderen angehimmelt – ein bisschen geht es ihm wie den Chihuahuas. Und bei manchem Spott haben sie auch den anhaltenden Erfolg gemeinsam! Mit einer Jubiläumstour erinnert Matthias Reim an den Beginn seiner musikalischen Laufbahn.

Am Samstag und Sonntag können Sie sich auf diese Tatsache ihren eigenen Reim machen, wenn der Musiker jeweils um 19:30 Uhr im Clara-Zetkin-Park die Parkbühne betritt. Anlass sind 35 Jahre seit dem Erscheinen seines Debütalbums und des Hits „Verdammt, ich lieb’ dich“. Das Album wurde seit seiner Veröffentlichung mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft.

Anfang 1990 vermittelte Schager-Star Bernhard Brink Aufnahmen von Reim an den damaligen Showmaster Wim Thoelke („Der grosse Preis“). Beide glaubten an den jungen Kerl, im April 1990 stand er erstmals vor einer Fernsehkamera.

Reim mit  „Entdecker“ Brink an seinem Geburtstag vor 21 Jahren. Foto: Benjamin Weinkauf

Der Sänger nun sein damaliges Debütalbum vollständig in der ursprünglichen Reihenfolge der Titelliste vor. Ergänzt wird das Programm durch eine Auswahl seiner bekanntesten Lieder aus den darauf folgenden 35 Jahren. Damit  lädt Matthias Reim sein Publikum zu einem Konzertabend mit den prägenden Songs seines musikalischen Schaffens ein.

Dass Erfolg kein Geschenk ist, das vom Himmel fällt, musste auch Reim schmerzlich erfahren. Offenbar überwältigt von dem Hype um „Verdammt, ich lieb’ dich“ stattete er seinen damaligen Manager mit einer Generalvollmacht aus und warf ihm später vor, sich bei Investitionen mit den Gewinnen verhoben zu haben. Nach Insolvenz und mehreren Erkrankungen steht der gebürtige Hesse seit einigen Jahren wieder erfolgreich auf den Bühnen, in Leipzig sogar für zwei Konzerte hintereinander.

Es gibt wenige Restkarten an der Abendkasse.  Aber längst ist das „Wiesenhören“ außerhalb der Konzertstätte ein beliebtes Happening geworden. Wichtig für alle, die es sich dort gemütlich machen: „Verdammt, ich räum’s auf!“ Wer Verpackungen mitbringt, nimmt sie auch mit zurück. Denn am nächsten Morgen wollen Familien wieder mit ihren Kindern auf den Wiesen spielen.

Kennt Licht und Schatten des Erfolgs. Matthias Reim gastiert in Leipzig. Foto: Michael Schöne

Letzte Chance im Capa-Haus

Er studierte in Leipzig die Juristerei, verliebte sich in die Kleinbildfotografie und schließlich in Lieselotte, mir der er vor den Nazis fliehend im Pariser Exil die Straßenfotografie für sich entdeckte. In Frankreich lernt er auch Gerda Taro kennen, Kriegsreporterin und Partnerin von Robert Capa. Womit zumindest dieser Kreis geschlossen ist: denn nur noch heute sind im Leipziger Capa-Haus Arbeiten von Fred Stein zu sehen, den es als Fotograf in den spanischen Bürgerkrieg zog.

Die Präsentation widmet sich dem Beginn dieses Krieges vor 90 Jahren und beleuchtet dessen Folgen anhand von Fotografien geflüchteter Kinder sowie Porträts die Fred Stein während des Pariser Exils von Taro aufnahm. Die Ausstellung ist Teil des gemeinsamen Projekts „Fred Stein // Der Mensch im Fokus“, das vom Stadtgeschichtlichen Museum gemeinsam mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek im Rahmen des Themenjahres „TACHELES 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“ realisiert wird.

Mit dem heutigen Ausstellungstag (11 bis 16 Uhr) endet die Sonderpräsentation, die historische Ereignisse mit aktuellen Fragen der Erinnerungskultur verbindet. Das Capa-Haus bleibt dann den gesamten August über für Besucher geschlossen.

Fred Stein 1935 mit seiner Leica, dem Hochzeitsgeschenk für ihn und Lieselotte. Foto: Fred Stein Archive

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