Es ist ja nicht so einfach mit unserer Kreislaufwirtschaft: Da stehen nicht nur Kinder oft ratlos mit Flasche, Dose, Tüte da und wissen nicht, wohin die „Leichtverpackung“ nun eigentlich gehört. Die oft genug nur kryptischen Erklärungen auf dem Etikett helfen nicht weiter. Viele Firmen tun ja alles dafür, die Verbraucher tüchtig in die Irre zu führen. Nur die drei Pfeile im grünen Dreieck scheinen ein bisschen Klarheit zu geben. Aber welche? Selbst der Fund einer Flasche kann zum Abenteuer werden.
Genau darum geht es in der Geschichte, die Marie-Theres Hosp hier für Kinder erzählt. Sie ist Nachhaltigkeitsberaterin und kennt also all die Knäuel und Irrwege unserer Kreislaufwirtschaft, die erst recht sichtbar werden, wenn der Laden nicht nur Einwegflaschen aus Plaste oder Glas verkauft, sondern auch Mehrwegflaschen aus unterschiedlichem Material und in unterschiedlicher Form. Von der Markenrangelei ganz zu schweigen, wenn die Flaschen aus dem einen Laden im anderen nicht angenommen werden.
Woher kam die Flasche also? Vor der Frage stehen auch Leni und Leon, als sie beim Regenspaziergang am Bach eine verlorene Flasche finden. Mit verwaschenem Etikett. Nur das Recyclingsymbol ist noch erkennbar. Und eine Schatzkarte steckt auch nicht drin. Es ist also nicht wirklich eine Flaschenpost. Aber dafür ein bedürftiges Wesen, eine Flasche, die die beiden Kinder dazu animiert, herauszufinden, wohin diese Flasche eigentlich gehört, der sie gleich mal den Namen Oscar verpassen.
Wohin mit Oscar?
Und Oscar ist eigensinnig. Er wehrt sich, als die Kinder ihn in die falsche Tonne stecken möchten. Da will er wirklich nicht rein. Nicht in die gelbe Tonne, schon gar nicht in die blaue und erst recht nicht in die schwarze oder die braune. Da werden sich auch die großen Vorleser an ihre vielen Ratlosigkeiten vor der Tonnenbatterie erinnern, als sie versucht haben herauszubekommen, was denn nun tatsächlich in welche Tonne gehört. Und was nicht.
Denn die meisten haben ja – wie Leni und Leon – längst ein schlechtes Gewissen, wenn es um unseren Müll geht, der in der Vergangenheit unsortiert auf riesige Müllhalden gewandert ist und das Grundwasser verunreinigt. Von den wertvollen Inhaltsstoffen ganz zu schweigen, für die auch heute noch ein riesiger Raubbau an der Natur betrieben wird.
Da liegt eine funktionierende Kreislaufwirtschaft eigentlich auf der Hand. Dumm nur, wenn einzelne Teile – wie die Flasche Oscar – einfach aus dem Rahmen fallen und das verwaschene Etikett nicht mal verrät, wohin Oscar jetzt gehört. Denn wenn er in keine Tonne will, muss er ja in den Laden gehören, wo man ihn am Leergut-Apparat abgeben kann. Kann man das? Bevor sie es nicht ausprobiert haben, wissen es weder Leni und Leon noch ihre Tante Nala, mit der sie losziehen zum nächsten Supermarkt.
Wo es natürlich auch in diesem Buch wieder aufregend wird. Will Oscar in den Leergut-Apparat? Oder will er nicht?
Wenn Flaschen reden könnten
Es ist eine Geschichte, die Kinder tatsächlich einführt in unsere noch immer viel zu komplizierte Welt des Recyclings. Und natürlich in die Grübeleien umweltbewusster Erwachsener, die eigentlich nichts falsch machen möchten, aber wissen, dass eine weggeworfene Flasche einfach nicht in die Umwelt gehört, sondern zurück ins Kreislaufsystem.
Nur eben: Wo gehört Oscar nun hin? Immerhin eine Flasche mit Charakter, den Franziska Liane Zobel mit ihren Illustrationen einfühlsam in Szene setzt. Oscar wird ganz schön verhätschelt. Aber so etwas machen Kinder ja mit allen möglichen Dingen, die ihnen in die Hände geraten.
Und natürlich lösen sie am Ende Oscars Rätsel. Und bekommen von Oscar auch noch ein Dankeschön.
Womit zumindest dieses Rätsel aufgelöst wird. Was Kindern zumindest schon einmal zeigt, wie kompliziert der Weg einer Flasche werden kann, wenn Erwachsene keine Lust haben, die Dinge für uns alle wirklich einmal einfach zu machen.
Marie-Theres Hosp, Franziska Liane Zobel „Leni & Leon und die Flaschenpost, die keine sein wollte“ Oekom Verlag, München 2026, 16 Euro.
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