Es gibt haufenweise Filme, in denen Außerirdische eine Rolle spielen – von „E.T. – Der Außerirdische“ über „Mars-Attacks“ bis zur Enterprise-Serie. Und auch Kinder sind natürlich von der Frage fasziniert, wie Außerirdische eigentlich aussehen könnten, wenn es sie gibt. Und ob es sie gibt. Und ob sie die Erde vielleicht mal besuchen. Oder sogar schon mal da waren. Zeit für einen Lola-und-Gurki-Besuch in der Sternwarte.
Ob dabei ein Alien auftaucht und Schabernack treibt? Eine berechtigte Frage. Eins jedenfalls passiert wirklich in dieser Comic-Geschichte: Es taucht ein echter Ufologe auf. Ufologen sind Typen, die felsenfest der Überzeugung sind, dass die Aliens schon mehrfach auf der Erde waren. Auch wenn sie die immer gleichen Geschichten erzählen, die sich allesamt längst als Lügen und Märchen erwiesen haben.
Aber für Ufologen gilt wie für alle möglichen andere Typen, die mit wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit nichts am Hut haben: Sie behaupten ihre alten Märchen einfach weiter, frei nach dem Motto: Die meisten Menschen glauben den Quatsch ja doch, wenn man ihn nur immer wieder erzählt.
Und dabei haben Lola und ihr Hund Gurki vorher einen richtigen wissenschaftlichen Vortrag von Yelda gehört, einer richtigen Astronomin, die in der Sternwarte über „Unsere Galaxie“ erzählt hat, über die riesigen Entfernungen, die unheimliche Zahl der Sterne allein in unserer Galaxie, der Milchstraße. Sie hat sogar ein schlaues Buch darüber geschrieben.
Und selbst Gurki staunt, wie viele blinkernde Sterne es da draußen gibt. So viele, dass auch viele Forscher davon ausgehen, dass um diese Sterne so viele Planeten kreisen, dass auf einigen dieser Planeten genau wie auf der Erde auch Leben entstanden sein muss. Und sogar eine richtige Zivilisation.
UFO-Lampe und Alien-Treibstoff
Das Buch ist im Grunde ein kleiner Türöffner in die Welt der Astronomie. Einer mit Handlungsanweisung. Denn damit das Kosmos-Abenteuer auch richtig zu greifen ist, hat Sandra Bayer einige richtig kosmische Bastel-Tipps mit hineingepackt, sodass die Kinder, die sich hier vom galaktischen Reise-Fieber gepackt fühlen, selbst loslegen können um ein eigenes Sonnensystem zu basteln, eine kuhle UFO-Lampe zu bauen (da muss Mama auf ihre schönen Teller aufpassen), Alien-Popel zu kneten (Kinder lieben so ein Zeug augenscheinlich), ein Taschen-Teleskop zusammenzukleben und am Ende auch noch eine richrigen Alien-Treibstoff zu mixen, den man trinken kann. Und dabei wahrscheinlich ganz grün wird und Tentakel am Kopf bekommt. Oder so ähnlich.
Und mittendrin geht es dann eben um diesen komischen Ufologen, der noch einmal alle gängigen Alien-Geschichten erzählt, von den Pyramiden (die ja wohl die Menschen nicht gebaut haben können) bis hin zu den wilden Geschichten um „Area 51“ und den unzähligen „UFO-Beobachtungen“, die für einen Haufen Leute allesamt Beweis dafür sind, dass die Aliens da sind. Man sieht sie nur nicht. Und munkelt dann lieber, der Staat oder irgendwer anders würde alles unter der Decke halten. Im Grunde begann mit der Ufologie im vergangenen Jahrhundert die große Weltverdummung, die heute mit den „Social Media“ allgegenwärtig ist.
Und das bereitet nicht nur Yelda Kopfschmerzen, die Lola und Gurki erklärt, was alles an den Märchen des Ufologen falsch und längst widerlegt ist. Und warum der ganze UFO-Quatsch die seriöse Forschung nicht nur behindert, sondern gefährdet. Denn er untergräbt das Vertrauen in die Wissenschaft, sagt Yelda. Obwohl es noch viel schlimmer ist: Er erzeugt bei den Leuten den Eindruck, es brauche nur ein paar wilde Geschichten, und schon habe man die ganze Wissenschaft aus den Angeln gehoben.
Quatscherzähler zweifeln nie an sich selbst
Da werden die Vorleser des Buchs so einiges zu erklären haben. Aber lieber früh als nie. Man kann wirklich nicht früh genug anfangen, wissenschaftlich zu denken. Fakten von Märchen zu unterscheiden und Quatscherzählern zu sagen, dass sie genau das erzählen, nämlich Quatsch. Und im Leben begegnen einem eine Menge Quatscherzähler, die felsenfest und unerschütterlich überzeugt davon sind, dass ihr Quatsch stimmt.
Und das Seltsame daran ist: Sie wirken dabei klüger und überlegener als die Menschen, die sich tatsächlich mit den Dingen beschäftigen. Denn Dummköpfe zweifeln nicht an sich. Deswegen drängen diese Leute auch so gern ins Rampenlicht, weil sie der felsenfesten Überzeugung sind, als einzige zu wissen, was wirklich passiert.
Vor solchen Leuten sollte man sich wirklich in Acht nehmen. Nicht immer ist eine Yelda da, die erklären kann, was für einen Mumpitz der Ufologe da erzählt hat. Und wohl auch weiter erzählen wird, weil er eigentlich zu doof ist zu begreifen, warum die Aliens wohl noch nie auf der Erde waren und wohl auch nicht kommen werden. Denn das hat Gründe. Einige davon hat der Wissenschaftler Enrico Fermi schon vor Jahren diskutiert.
Und die wichtigsten haben einfach mit der riesigen Größe des Kosmos zu tun, den „unendlichen Weiten“, wie es bei „Enterprise“ so schön heißt. Und mit den gigantischen Schwierigkeiten, diese riesigen Weiten irgendwie zu überwinden und tatsächlich Kontakt aufzunehmen zu einer Zivilisation, die – zufällig – in erreichbarer Nähe ist und vielleicht nicht so doof, dass sie sich in Kriegen selbst vernichtet.
Da fängt das wirkliche Nachdenken über Aliens an. Und über unsere kleine, besondere Rolle am Rand der Milchstraße, die vielleicht ein sehr seltener oder sogar einzigartiger Glücksfall ist. Was ja bekanntlich eine Menge Politiker immernoch nicht kapiert haben. Aber das ist dann eher Thema für ein anderes Buch.
In diesem scheint es irgendwie so, als ob Lola und Gurki tatsächlich im Teleskop eine fliegende Untertasse gesehen haben. Sollte da tatsächlich genau in dem Moment ein Raumschiff der Aliens angekommen sein? Ausgerechnet in Nordsachsen? Und was ist mit dem verbrannten Fleck hinter der Sternwarte? A
m Ende wird die Geschichte noch ein kleiner Krimi, den die pfiffigen Kinder lösen können, wenn sie sich mit den wilden Weltraum-Märchen des verschwundenen Ufologen so gar nicht zufrieden geben möchten.
Sandra Bayer „Galaktisch geheime Alien-Geheimnisse“, Klett Kinderbuch Verlag, Leipzig 2026, 16 Euro.
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