Gibt es sie noch, die Kinder, die bei Wissenschaftssendungen wie gebannt vor dem Fernseher hocken? Die sich auf YouTube alles ansehen, was mit Mondmissionen, Marsreisen und unendlichen Weiten zu tun hat? Man kann es nur hoffen. Und die Eltern beglückwünschen, die solche wissensdurstigen Kinder haben. Für die sind auch einige Titel aus der Reihe „Bilderbande“ des E. A. Seemann Verlags gemacht. Dieses hier auf jeden Fall. Den Kleinen werden die Augen glänzen.
Und wenn sie noch nicht wissen, was Exoplaneten sind, erfahren sie es hier – von Wendy Bjazevich ausführlich erklärt und von David Miles farbenfroh illustriert. Es ist eine der spannendsten Wissenschaftsgeschichten der Gegenwart, eigentlich sogar noch ein bisschen spannender als die Mondmission Artemis II. Auch wenn wohl niemals ein Raumschiff von der Erde auch nur einen Exoplaneten erreichen wird.
Das liegt schlicht an den gewaltigen Dimensionen des Weltraums. Da messen sich Entfernungen nicht in Kilometern, sondern in Lichtjahren. Und trotzdem beschäftigt eine Frage die Forscher seit Jahrzehnten immer wieder: Gibt es da draußen Leben wie auf der Erde? Gibt es gar hochentwickelte Zivilisationen, mit denen man in Kontakt treten könnte? Gibt es wenigstens Planeten, die der Erde ähneln und Bedingungen für Leben bieten könnten?
Unendliche Weiten
Da wird es dann spannend. Denn diese kleinen Forschernaturen, die Mama und Papa ein Loch in den Bauch fragen können, weil sie alles, wirklich alles wissen wollen, stellen natürlich Fragen, bei denen auch die heutigen Astronomen und Astrophysiker oft noch rätseln: Wie groß ist das Weltall? Hat es irgendwo ein Ende? Wieviele Sterne gibt es da draußen? Oder gar Galaxien. So eine wie unsere, die Milchstraße?
Und: Kann man hinfliegen?
In der Phantasie schon. Und der Kosmos bietet jede Menge Anlass, auf Phantasie-Reisen zu gehen. Erst recht, seit im Jahr 1995 der erste Exoplanet entdeckt wurde – also der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems. Seitdem haben die Forscher immer mehr clevere Methoden entwickelt, um Planeten in anderen Sonnensystemen aufzuspüren. Denn anders als Sterne leuchten Planeten ja nicht.
Man braucht schon ziemlich ausgefuchste Methoden, um sie zu entdecken und dann vielleicht gar noch herauszufinden, wie groß sie sind, ob es Gasplaneten, Supererden, Eisriesen oder Gesteinsplaneten sind. Und in welcher Entfernung sie ihre Zentralgestirne umkreisen.
Was ja wichtig ist zu wissen. Jeder kluge Junge weiß , dass es ohne Wasser – höchstwahrscheinlich – kein Leben gibt. Also muss der Planet in einer Entfernung von seiner Sonne kreisen, in der es auf der Planetenoberfläche nicht so heiß ist, dass das Wasser verdampft, und nicht so kalt, dass es immer zu Eis gefroren ist. Das ist die bewohnbare Zone, die Zone des Lebens.
Gigantische Zahlen
Und allein in unserer Milchstraße – so schätzen die Forscher – muss es um die 300 Millionen Planeten geben, die in genau dieser Zone ihren Stern umkreisen. Man hat es sofort mit riesigen Zahlen zu tun. Immerhin schätzen die Astronomen, dass es allein in der Milchstraße über 100 Milliarden Sonnen gibt. Um jede dieser Sonnen können einer oder mehrere Planeten kreisen.
Aber die Forscher wissen natürlich auch, dass die Bedingungen für Leben wie auf der Erde trotzdem sehr, sehr selten sind. Unter den 300 Millionen geschätzten Planeten in der Lebenszone könnten sich – wenn wir Glück haben – 36 Planeten befinden, auf denen es Leben wie auf der Erde gibt. Auch das haben ein paar Forscher ausgerechnet.
Und da sind die anderen Galaxien noch nicht mitgerechnet, von denen es sogar 2 Billionen geben soll. Aber Wendy Bjazevich bleibt erst einmal hier, in unserer Galaxie. Denn hier haben die Himmelsbeobachter schon genug zu tun. Und sie sammeln seit 1995 tatsächlich einen neu entdeckten Exoplaneten nach dem anderen ein. 6.000 Stück haben sie schon gefunden. Und sie haben eben auch Methoden entwickelt, um herauszufinden, welche Art Planet ihnen da vor die Linse kam.
Und das nahm Wendy Bjazevich natürlich zum Anlass, die verschiedenen Arten von Exoplaneten zu beschreiben und zum großen Finale des Buches die berühmtesten gefundenen Exoplaneten vorzustellen – vom Gasriesen Kepler-7 B, der 2009 entdeckt wurde, bis zum Gesteinsplaneten YZ Ceti B, den man 2017 entdeckte und der etwas kleiner als die Erde ist.
Fremde Erden
Aber die kleinen Forscher werden sich natürlich für eine Kategorie besonders interessieren: die Supererden. Die sind (manchmal) deutlich schwerer als die Erde – aber nicht so schwer wie Jupiter oder Saturn. Und einige sind richtig spannend. So wie Kepler-22 B, der neun Mal schwerer als die Erde ist, aber – so vermuten die Forscher – auf der Oberfläche einen einzigen riesigen Ozean besitzt.
Ist das nicht ein Kandidat für Leben da draußen? Oder wie wäre es mit Kepler-452 bs, der seine Sonne fast im selben Abstand umkreist wie die Erde ihre Sonne? Wenn man das – von David Miles gemalt – so farbenfroh vor sich sieht, kann man sich schon gut vorstellen, wie man mit einem Raumschiff hinfliegt, in die Umlaufbahn einschwenkt und die Landungsboote fertigmacht …
Es wäre zu schön. Aber allein innerhalb der Milchstraße sind die Entfernungen so gigantisch, dass selbst das Licht abertausende Jahre braucht, um die riesige Leere zu überwinden. Uns wird vielleicht wirklich nur der Weg bleiben, immer bessere Beobachtungstechnik zu entwickeln und die flimmernde Welt da draußen zu beobachten.
Vielleicht erfassen ja unsere Riesenteleskope eines Tages tatsächlich das Bild eines Planeten, der fast genau so ist wie die Erde und von dem das beobachtbare Licht verrät, dass es dort vielleicht sogar eine Atmosphäre mit Sauerstoff gibt. Denn das würde wirklich verraten, dass dort Leben existiert.
Es ist ein Buch, das Kinder richtig anfeuern kann, ihre Neugier auf die Welt auszuleben, immer mehr wissen zu wollen und trotzdem immer mehr Fragen zu haben. Denn nur die Kinder, die nicht aufhören zu fragen, entdecken Neues. Und bewahren etwas, was so vielen Erwachsenen verloren gegangen ist: das Staunen über den gigantischen Reichtum unserer Welt.
Wendy Bjazevich, David Miles „Exoplaneten“ E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2026, 20 Euro.
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