Wie wehrt man sich eigentlich gegen die Großen, die nie nach unten sehen, auf einem herumtrampeln und ihre fette Elefantenkacke einfach fallenlassen, ohne zu gucken, wer da gerade über den Weg huscht? Das ist die große Frage, die der Autor Rafael Ordóñez und die Grafikerin Marisa Morea in diesem Kinderbuch gestalten. Natürlich mit richtig großen Tieren, den größten, die auf unserer Erde herumlaufen: den Elefanten. „Sie lebten gemütlich vor sich hin und hatten keine Sorgen.“
Es sind so unscheinbare Sätze, die sichtbar machen, dass selbst eine scheinbar so einfache Geschichte einen doppelten und dreifachen Boden hat. Das schwingt mit, wenn man den Knirpsen diese aus dem Spanischen übersetzte Geschichte vorliest. Denn könnten wir nicht alle diese Elefanten sein, die einfach so gemütlich vor sich hinleben und sich keine Sorgen machen, weil sie nur sich selbst und ihre dickfelligen Gewohnheiten sehen, aber nicht, wie es den anderen Tieren geht, den kleineren da unten auf der Erde?
Es lebt sich ja so schön ungestört, wenn man die Kleinen einfach ignoriert und ausblendet. Und sich ganz aufs eigene Schwergewicht verlässt. Wer kann einem da schon? Und was interessiert einen dann, was unten auf der Erde passiert, ob man da aus lauter Ignoranz ein paar Mäuse zertrampelt oder in einem riesigen Kackeberg begräbt?
Die Welt sieht völlig anders aus, wenn man sie aus einer anderen Perspektive sieht. Die großen Schwergewichte können gut damit leben, wenn sie auf die Kleinen keine Rücksicht nehmen. Und auch nicht sehen müssen, wen sie da alles plattlatschen in ihrer Gleichgültigkeit.
Die Kleinen können aber die Großen nicht ignorieren, sonst werden sie nämlich totgetrampelt.
Elefanten, Mäuse und Menschen
Die Geschichte kommt so liebevoll tierisch daher, dass man erst beim genaueren Hinhören merkt: Das könnte eine Geschichte sein, in der es eigentlich nicht nur um Elefanten und Mäuse geht. Sondern um uns und unsere Menschenwelt und die darin herumtrampelnden Elefanten. Sorry, da hätte ich doch beinah trumpeln geschrieben.
Aber es scheint nun einmal mitzuschwingen. Und die meisten Menschen – jedenfalls alle , die klein sind und vom Wohlwollen der Großen abhängig sind – wissen das, weil es ihr alltägliches Leben ist, dass die großen Tiere keine Rücksicht auf sie nehmen. Sie haben nur ihr eigenes Dasein als dicke, schwere Kolosse im Kopf. „Die Elefanten schauen immer nur nach oben.“
Was unter ihnen war, konnten sie zertrampeln und „platttreten wie ein Blatt Papier“.
Die Mäuse protestieren und demonstrieren? Ist doch den Elefanten egal. Der Protest läuft ins Leere. Das kennt man irgendwie, dieses Gefühl, doch nur eine Maus zu sein und nichts, aber auch gar nichts zu erreichen, wenn man mal versucht, die Aufmerksamkeit der Elefanten zu erringen. Was also tun? Die Mäuse in diesem Buch kommen am Ende auf eine clevere Idee, mit der sie die Elefanten richtig, aber so richtig ärgern können. So, dass die Dickhäuter gar nicht anders können, als endlich die kleinen Tierchen unter sich wahrzunehmen.
Und auch da steckt wieder dieser hintergründige Gedanke drin: Was, wenn man das jetzt auf die Menschenwelt bezieht? Was wäre das adäquate Mittel in unserer Welt, die großen Tiere nicht nur aufmerksam zu machen auf die kleinen Tiere unter ihren Füßen, sondern sie dabei auch so zu ärgern, dass sie gar nicht mehr anders können, als die Kleinen da unten endlich ernst zu nehmen? D
enn irgendetwas muss ja passieren, wenn die grauen Kolosse gar keine Lust mehr haben, auf irgendetwas unter ihren Tretern zu achten. Eine berechtigte Frage. Wie macht man Elefanten Angst?
Da dürften etliche Kinder am Ende dieser Geschichte durchaus auf Einfälle kommen. Welche das sind, das könnte ziemlich spannend sein.
Rafael Ordóñez , Marisa Morea „Der Pfeffersturm“, Katapult Verlag, Greifswald 2026, 16 Euro.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

















Keine Kommentare bisher