Mini ist acht Jahre alt. Ein tolles Alter. Aber auch eines, in dem Kinder so langsam anfangen, ihre großen Vorhaben fürs Leben zu formulieren. Denn es ist ja die Zeit, in der Kinder so langsam merken, was sie im Leben tatsächlich fasziniert. Das sind manchmal ganz viele Dinge auf einmal. Und oft genug pfuschen dumme Erwachsene hinein und reden den Kindern Träume ein, die an Schwachsinn nicht mehr zu unterbieten sind. Weshalb Mini in diesem Buch gleich mal ihre allerbeste Freundin Silla verliert.
Denn bis jetzt haben beide den großen Traum zusammen geträumt, einmal, wenn sie groß sind, in den Kosmos zu fliegen. Auf die Idee hat sie Astro-Alex gebracht, Alexander Gerst, der deutsche Raumfahrer, der 2014 und 2018 zur ISS geflogen ist und seine Flüge auch jedes Mal nutzte, um den Kindern auf der Erde die Schönheit von Kosmos und Erde nahe zu bringen.
Was für ein Beruf! Raumfahrerin! Das trifft sich natürlich mit Minis Begeisterung für Technik, die sie schon im Kindergarten gezeigt hat, wo sie ihren ersten Roboter gebastelt hat, den MT-one. Das steht für Mini Titsch one. Und während der kleine Streichholzschachtel-Roboter in der Küche unter der Lampe schwebt, tüftelt Mini an ihrem MT-two. Der soll dann tatsächlich mal richtig programmiert werden.
Auch wenn MT-one schon erstaunliche Kunststücke beherrscht. Denn wenn Mini ihm abends einen kleinen Zettel mit ihren Fragen in den Bauch schiebt, steckt oft schon am nächsten Tag so ein Zettel mit Antworten in MT-one.
Mini ist entsetzt
Wie das funktioniert? Der Leser darf es erraten. Denn Mini erzählt ja alles, was wichtig ist in ihrem jungen Erfinderinnenleben, in ihrem Logbuch. Natürlich auch das mit Sillas „Untreue“. Denn Silla hat ihre beste Freundin auf dem Schulhof einfach allein stehen lassen und ist zu den „hübschen“ Mädchen herübergegangen, die den dümmsten aller Erwachsenen-Träume träumen: Sie wollen alle Models werden.
Und schminken sich jetzt schon und reden über Diäten und Abnehmen, künstliche Wimpern und überflüssige Pfunde. Und Silla hat sich davon anstecken lassen, macht genauso Diät und bekommt ganz dünne Beine.
Zum Entsetzen von Mini, die überhaupt nicht verstehen kann, wie Silla sich so verändern konnte. Wo sie sich doch eben erst mit ihr so richtig toll über Astro-Alex’ ausgeflippten Cimon unterhalten konnte. Schon das lässt ahnen: Mini jedenfalls ist ein außergewöhnliches Mädchen. Und das nicht nur, weil sie so klein ist.
Sondern gerade weil sie sich so intensiv für Technik interessiert. Das tun zwar viele Mädchen in dem Alter. Aber viele lassen sich eben von bekloppten Erwachsenen dann auch in bekloppte Schönheitsdideale und entsprechend bekloppte Berufsvorstellungen drängen. Und merken nicht einmal, wie sie manipuliert werden.
Mini überredet da lieber ihren Opa, mit ihr in die Technischen Sammlungen im Museum zu gehen. Sie hält überhaupt nichts davon, dass Mädchen anfangen, mit Tape an sich herumzubasteln, um spindeldürre Laufsteg-Models zu werden. Sie will einen richtigen Roboter bauen, der sie auch locker überall hochheben kann, wo sie als Mini nicht von allein hinaufkommt. Und selbst kleinen wütenden Omis würde das ja helfen. Nur: Wie soll das gehen, wenn Silla keine Astronautin mehr werden will, sondern ein spindeldürres Topmodel?
Mini in wilden Gefühlen
Und das alles schreibt Mini nicht nur in ihr Logbuch. Lilli L’Arronge hat den oft mit fetten Buchstaben gespickten Text auch noch mit ausdrucksstarken Zeichnungen versehen, die Minis Emotionen so richtig zum Ausdruck bringen. Mit allen Höhen und Tiefen. Wie man das kennt als Kind, wenn einen eine schlechte Nachricht in eine wilde Tränenflut ausbrechen lassen kann. Und eine fröhliche Silla an der Wohnungstür die ganzen Emotionen zur anderen Seite kippen lässt.
Denn natürlich kommt am Ende doch alles wieder irgendwie in Ordnung. Genauso wie Minis Herz, das bei ihrer Geburt die armen Eltern schon in Panik versetzte. Und dann all diese Aufregungen. Da dürfte nicht nur der Opa mitgefiebert haben, ob das mal gut geht.
Aber Opa hat, wie man am Ende erfährt, schon etwas weiter gedacht. Muss man ja als Opa von achtjährigen Knirpsen: die Drehungen und Wendungen in dem kleinen aufgeregten Leben schon mal ein bisschen weiterdenken. Denn nicht nur Opas wissen ja, wie strohlangweilig das Dasein von Topmodels ist. Und dass das kein kluges Mädchen in Wirklichkeit auch nur 75 Sekunden lang aushält.
Opas wissen, wie die Zeit mit uns spielt. Und kleine Minis lernen das, auch wenn ihre Gefühle riesige Wellen schlagen. Und das dürften auch die Leserinnen und Leser merken, wenn sie sich durch Minis Logbuch blättern und so eine Ahnung bekommen, wie faszinierend es ist, auch als Mädchen von Raumflügen und MT-twos zu träumen.
Frauke Angel, Lilli L’Arronge „Logbuch einer Himmelsstürmerin“ Tulipan Verlag, München 2026, 15 Euro.
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