Ein gewisser Unmut weht inzwischen durch die Leipziger Ortschaftsräte: Sie hatten es in der Vergangenheit ohnehin schon nicht leicht, ihre Interessen bis in den Stadtrat zu tragen. Das hat sich gerade in den letzten Jahren spürbar verbessert, auch weil etliche Ortschaftsräte gelernt haben, sehr geduldig und beharrlich für ihre Anliegen zu werben.
Doch inzwischen prallen ihre berechtigten Interessen auf ein Problem, das auch die Arbeit des Stadtrats zunehmend hemmt: die miserable Finanzsituation der Stadt. Darunter leiden auch Sportplatz-Träume in Mölkau.
Die sind gar nicht neu, wie Ortsvorsteher Klaus-Ruprecht Dietze am 29. April in der Ratsversammlung erklärte. Schon seit mehr als zehn Jahren habe der Ortschaftsrat sein Problem vorgetragen, dass die vorhandenen Sportplätze im 6.000-Einwohner-Ortsteil nicht ausreichen. 500 Bewohner Mölkaus seien Mitglied im Sportverein. Zur Verfügung stünden aber nur ein Rasenplatz und seit Kurzem auch ein kleiner Kunstrasenplatz. Im Hinblick auf die Leipziger Olympiabewerbung mit Berlin zusammen wäre es aber angeraten, auch die Situation für die Sportangebote in Mölkau mit zu betrachten.
„Der SV Mölkau 04 nutzt heute verschiedene Einrichtungen in Mölkau. Der Sportpark an der Sommerfelder Straße ist schon lange an seine Grenzen gekommen und auch in keiner Weise mehr erweiterbar“, beschrieb der Ortschaftsrat Mölkau die Situation in seinem Antrag, mit dem er eine Studie für die Sportstättenentwicklung in Mölkau wünschte. Ein Antrag, den der Ortschaftsrat eigentlich für den Doppelhaushalt 2025/2026 gestellt hatte, wo er aber nicht berücksichtigt wurde.
„Der Ansatz mit der zusätzlichen (Kinder-)Sportflächen an der Albrechtshainer Straße war leider nicht erfolgreich. Der SV Mölkau 04 mit über 500 Mitgliedern in 9 Sektionen platzt insbesondere im Bereich Fußball aus allen Nähten. Auf dem derzeit einzigen Feld (und dem kleinen Hartplatz) trainieren und spielen insgesamt 11 Mannschaften und strapazieren den Rasen über Gebühr. Heute spielen Kindermannschaften bereits in Zusammenlegung mit anderen Vereinen in Stötteritz, Paunsdorf, Althen, wobei für die Eltern teils nicht unerhebliche Anfahrtswege entstehen.
Aus unserer Sicht sind ein grundsätzliches Umdenken und ein völlig neuer Ansatz für einen Sportpark in Mölkau erforderlich. Mit dem kommenden Sportprogramm 2030 ist eine Möglichkeit gegeben, um mit ersten Schritten zu beginnen. Der Sportverein und der Ortschaftsrat werden entsprechende Anträge zum Sportprogramm 2030 einbringen.
Geprüft werden soll eine landwirtschaftliche Fläche von ca. 95.000 m², beginnend oberhalb von Buswendeschleife/Bergfriedhof an der Engelsdorfer Straße entlang der Rückseite der Bebauung der Paunsdorfer Straße, auf der 2–3 Fußballfelder, Sozialgebäude, Tribüne, Parkplätze und evtl. eine neue ‚kleine Sporthalle‘ Platz finden können.“
Bitte Prüfung noch 2026
Ein Sportprogramm 2030 gibt es freilich nicht. Aktuell arbeitet Leipzig mit dem Sportprogramm 2024. Und Sportbürgermeister Heiko Rosenthal merkte an, er arbeite derzeit an einem Sportprogramm 2040, das er noch in diesem Jahr vorstellen wolle.
Im Verwaltungsstandpunkt ging das Amt für Sport dann darauf ein, dass der Antrag aus Mölkau aus zwei Gründen derzeit leider nicht umsetzbar sei.
„Die Stadt Leipzig kann derzeit nur Kredite für Maßnahmen der infrastrukturellen Grundversorgung aufnehmen, wozu ein Flächenankauf für Sportanlagen nicht zählt“, war der erste Grund. Leipzig hat schlicht kein Geld für den Ankauf der vom Ortschaftsrat Mölkau vorgeschlagenen Fläche. Und die Fläche selbst sei wohl auch ein Problem:
„Auch die planungsrechtliche Beurteilung des Standortes spricht gegenwärtig nicht dafür, das Grundstück anzukaufen. Im wirksamen Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Leipzig ist die Fläche als „Fläche für Landwirtschaft“ dargestellt (Flurstück 92, Gemarkung Mölkau). Für das benannte Vorhaben müsste in einem langwierigen Verfahren eine Änderung geprüft werden. Die Bodenqualität auf dem Flurstück 92 ist mit ‚hoch‘ und ‚sehr hoch‘ angegeben. Auf dem Nachbarflurstück 547 befindet sich der Bergfriedhof Mölkau.
Die Fläche befindet sich im Außenbereich und liegt bislang nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes. Für das geplante Vorhaben mit mehreren Fußballfeldern, Sozialgebäude, Tribüne, Parkplätzen und ggf. Sporthalle müsste ein nach erfolgter FNP-Änderung solcher aufgestellt werden. Das Antragsgrundstück grenzt im westlichen und südlichen Bereich an Wohngrundstücke.
Im Rahmen der Beteiligungsveranstaltung zur Ortschaftsstrategie Mölkau am 26.03.2025 wurde der Vorschlag mit den anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern diskutiert. Grundsätzlich wird die Schaffung weiterer Sportangebote und -flächen in der Bevölkerung als sehr wichtig angesehen. Die vorgeschlagene Fläche wurde allerdings kritisch beurteilt. Anwohner/-innen äußerten Bedenken aufgrund des entstehenden Lärms.“
Was Ortsvorsteher Klaus-Ruprecht Dietze auch einsah. Was aber nichts an der beengten Situation beim SV Mölkau 04 ändert, wie auch das Amt für Sport zugestand. Weshalb Dietze sich in diesem Fall nicht auf das Sportprogramm 2040 vertrösten lassen wollte, sondern eine Prüfung der Sportstättensituation noch 2026 als Antragspunkt stehen ließ, sodass „eine Studie erstellt wird für eine völlig neue zukünftige Sportstättenentwicklung in Mölkau“.
Aber auch dafür sei kein Geld im Haushalt 2026 eingestellt, merkte Heiko Rosenthal an. Immerhin geht es wohl um 12.000 Euro für so eine Studie. Aber Dietze wollte sich nicht vertrösten lassen, sondern stellte diesen Antragspunkt trotzdem zur Abstimmung. Und die Ratsmehrheit gab ihm mit 52:0 Stimmen bei 12 Enthaltungen tatsächlich richtig Rückenwind.
Was ja nun heißt: Die Stadt muss irgendwo die Mittel für die gewünschte Prüfung aufbringen. Was freilich noch nicht heißt, dass auch angekauft und gebaut wird. Danach wird man überhaupt erst einmal wissen, was eine Erweiterung in Mölkau kosten wird. Und dann wird die Frage stehen, wann man das finanzieren kann. Oder ob die Verwirklichung dann doch erst nach 2040 passiert.
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