Nicht nur die Stadtholding LVV und die Stadtwerke legten jetzt ihre Jahresabschlüsse für 2025 vor. Auch die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) zogen Bilanz. Und die ist durchwachsen, auch wenn es 2025 noch keine Hitzeprobleme mit der Fugenmasse an den Schienen gab. Dafür feierte man mit 172 Millionen Fahrgästen einen neuen Rekord. Noch immer entfaltet das Deutschlandticket seine Wirkung. Denn das ließ auch 2025 die Zahl der Abo-Kunden deutlich steigen.

Oder im Sprachgebrauch der LVB: Stammkund/-innen. Deren Zahl stieg 2025 von 216.217 auf 223.142. Davon waren allein 220.247 Abo-Kund/-innen, größtenteils Inhaber des Deutschlandtickets. Eigentlich ein toller Effekt. Und irgendwie freuen sich die LVB auch darüber. Denn dass die Entwicklung so weitergeht, war nicht zu erwarten, als am 1. Januar 2025 der Monatspreis für das Deutschlandticket von 49 auf 58 Euro stieg. Das macht den Wechsel in den ÖPNV zwar für viele Leipziger/-innen attraktiv. Aber es sorgt auch dafür, dass die LVB noch härter rechnen müssen.

Denn die steigenden Fahrgastzahlen münzen sich dann nicht auch in gleichermaßen steigende Umsatzerlöse um. Oder mit den Worten aus dem Jahresbericht: „Vor dem Hintergrund der sich verstetigenden Abkopplung der Fahrpreise von der Kostenentwicklung – insbesondere bedingt durch die Einführung des Deutschlandtickets und die damit verbundene Ausgleichsmechanik – spiegelte sich auch im Jahr 2025 die erhebliche Kraftanstrengung der LVB bei der Erreichung der ambitionierten Planzielstellungen wider.“

Wenig später benennen die LVB das dadurch entstehende Problem: „zunehmend unzureichende Refinanzierung der Betriebskosten“. Was im Klartext heißt: Die LVB sind zunehmend auf Zuschüsse angewiesen. Wenn die ausbleiben oder sinken, haben die LVB ein gewaltiges Problem.

Fast 1.500 Fahrerinnen und Fahrer

Dabei stieg 2025 der Zuschuss aus dem Verkehrsleistungsfinanzierungsvertrag im Rahmen der LVV von 90,6 Millionen Euro auf 94,1 Millionen Euro. Und auch die Fahrgasteinnahmen stiegen durch die steigende Zahl der Abonnements – von 103,4 auf 111,2 Millionen Euro. Aber dafür gab es einen erheblichen Einbruch bei den Zuschüssen von Dritten – von 47,4 auf 10,3 Millionen Euro.

Der Jahresbericht wird da deutlich: So etwas schafft Probleme. Und darin steckten auch zurückgehende Regionalisierungsmittel vom Land, stellt der Bericht fest. Wie aber kompensiert man so einen Rückgang? Durch Optimierungsprozesse im eigenen Haus. Was 2025 – so der Bericht – mit 19 Millionen Euro auch irgendwie gelungen ist. Nur kann man so etwas nicht jedes Jahr machen (auch wen der Efekt auch 2026 mit 21 Millinen Euro wirksam wird).

Erst recht, wenn sich die Politik darauf verlässt, dass der ÖPNV in der Stadt reibungslos funktioniert. Dazu gab es 2025 sogar eine richtig große Veränderung, weil die LVB per 1. Januar 2025 auch den kompletten Fahrservice von LeoBus und LSVB ins Mutterunternehmen übernahmen. Womit der Personalbestand bei den LVB offiziell auf 2.196 Beschäftigte wuchs, davon allein 1.458 Fahrerinnen und Fahrer. Da ahnt man, wie viele Menschen in Leipzig dafür sorgen, dass der Fuhrpark rollt, wenn nicht gerade Fugenmasse Weichen und Fahrzeuge verklebt.

Entwicklung derf Einnahmestruktur bei den LVB. Grafik: LVB, Jahresberficht 2025
Entwicklung der Einnahmestruktur bei den LVB. Grafik: LVB, Jahresbericht 2025

Drama um Heiterblick

Aber der Bericht erzählt eben auch von der dramatischsten Geschichte, die die LVB derzeit beschäftigt: der Insolvenz des Konsortialpartners Heiterblick GmbH, die eigentlich in diesem Jahr schon die bestellten neuen Straßenbahnen liefern sollte. Doch durch die Insolvenz hat sich der komplette Terminplan verschoben., Zwischenzeitlich dachte man im Hause LVB sogar an eine Auflösung der Lieferverträge. Was sich aber mit dem Einstieg des neuen Investors glücklicherweise zerschlug.

Im Jahresbericht jedenfalls zeigt man sich zuversichtlich, dass die Heiterblick GmbH die bestellten Straßenbahnen XXL Plus liefern kann. Immerhin 30 Stück haben die LVB bestellt, die die vor 30 Jahren eingeführten 55 Straßenbahnen der NGT8-Serie ersetzen sollen.

Weil die neuen Straßenbahnen 2025 noch nicht gekauft werden konnten, gaben die LVB statt der geplanten 57,8 Millionen Euro für neue Fahrzeuge nur 8,1 Millionen Euro aus. Letztere flossen vor allem in die Anschaffung neuer Elektrobusse. 40 neue Elektrobusse von Solaris haben die LVB bestellt. Die ersten 15 sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 in Betrieb gehen.

Die Planzahlen der LVB für 2026 und 2026. Grafik: LVB, Jahresbericht 2025
Die Planzahlen der LVB für 2026 und 2026. Grafik: LVB, Jahresbericht 2025

Und wann kommen nun die neuen XXL-Straßenbahnen? Das lässt der Jahresbericht noch offen. Denn augenscheinlich verhandelt man noch mit dem Freistaat über die Förderung dieser Beschaffung, will mit der Kopplung mit EU-Fördergeldern eine Förderquote von 70 Prozent erreichen. „Der Investorenprozess verläuft sehr positiv“, meint der Jahresbericht. Man arbeite derzeit daran, „die Bestellung und Auslösung der 30 Optionsfahrzeuge zu realisieren.“

Vor allem die Nichtbeschaffung der neuen Straßenbahnen sorgte dafür, dass die LVB 2025 statt geplanter 157 Millionen Euro nur 94,5 Millionen Euro investierten. Die nicht getätigten bzw. im Jahr 2025 nicht abgerechneten Investitionen rutschen also automatisch ins Jahr 2026, wo die LVB jetzt mit einem Investitionsvolumen von voraussichtlich 201,4 Millionen Euro rechnen.

Darin steckten dann auch fast 13 Millionen Euro unter anderem für den Neubau der Betriebswerkstatt Heiterblick, für den der Fördermittelbescheid mit deutlicher Verspätung eintrudelte, sodass erst im Oktober 2025 mit der Baufeldfreimachung begonnen werden konnte.

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