Eigentlich wollten die Stadtwerke Leipzig 2025 einen Gewinn von fast 100 Millionen Euro erwirtschaften. Im Plan standen 98,8 Millionen Euro. Aber geworden sind es am Ende doch weniger, nämlich 93,5 Millionen. Als Erklärung führten die Stadtwerke zwar in ihrem Jahresbericht auch die höheren (plus 9 Millionen Euro)  an. Aber der Hauptgrund für den geringeren Gewinn war vor allem der deutliche Rückgang der Umsätze im Stromhandel. Tatsächlich hatte man die Gewinnerwartungen für 2025 viel zu optimistisch angesetzt.

Denn hinter den Erwartungen standen die deutlich höheren Strompreise des Jahres 2024, die den Stadtwerken Leipzig 2024 tatsächlich einen Jahresüberschuss von 102 Millionen Euro bescherten.

Dass das ein ungewöhnlicher Ausreißer war, formuliert der Jahresbericht für 2025 nun mit den Worten: „Die Höhe der sonstigen betrieblichen Erträge im vergangenen Jahr war durch Sondereffekte geprägt und spiegelt nunmehr ein normales Niveau wider. Die deutlich unter dem Vorjahr liegenden Umsatzerlöse resultieren im Wesentlichen aus den preisbedingten Entwicklungen im System- und Endkundenmarkt.“

Wenn die Preise am Strommarkt fallen, sinken zwangsläufig die erzielten Umsätze und damit auch die Gewinne.

Warum ist das wichtig?

Als Warnsignal, dass eine Stadt wie Leipzig nicht darauf vertrauen kann, dass das eigene Energieunternehmen immer höhere Gewinne erzielt, aus denen sich dann – unter anderem – auch der ÖPNV querfinanzieren lässt. Für 2026 sind das laut Stadtratsbeschluss immerhin 95,6 Millionen Euro.

Für 2026 erwarten die Stadtwerke ein noch deutlich niedrigeres Ergebnis von 83,5 Millionen Euro.

Abschied von den Biomassekraftwerken

Aber der Jahresbericht geht auch auf zwei Problemstellen ein, die 2025 noch für Furore sorgten, weil mehrere Umweltschutzorganisationen endlich die Einstellung des Betriebs der beiden Biomasse-Kraftwerke in Piesteritz und Bischofferode forderten. Beide waren eigentlich auf die Verbrennung von Holz ausgelegt. Doch was für einige Leute wie eine Alternative bei der regenerativen Energiegewinnung aussah, entpuppte sich als längerfristiges Minusgeschäft. „Die Biomasse(heiz)kraftwerke in Piesteritz und Bischofferode wurden aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen zu Beginn des Jahres 2026 außer Betrieb genommen“, heißt es im Bericht.

So schwammig kann man sich auch ausdrücken, wenn sich eine glorreiche Idee als nicht tragfähig erweist. Schon gar nicht in Zeiten brennender Wälder. Die beiden Biomassekraftwerke haben nicht nur Fernwärme erzeugt, sondern gleichzeitig auch Strom. Und eigentlich hatten die Stadtwerke Leipzig geplant, 2025 deutlich mehr Strom zu erzeugen – nach 961 Gigawattstunden im Jahr 2024 sollten es gleich mal stolze 1.354 GWh werden.

Wurden es aber nicht, weil die „ungeplante Nichtverfügbarkeit der Biomasseheizkraftwerke Piesteritz und Bischofferode“ zu einem „Mindereinsatz eigener Erzeugungsanlagen führte“. Im Klartext: Beide Kraftwerke erzeugten weder Fernwärme noch Strom. Die erzeugte Strommenge stieg dann zwar trotzdem auf 1Gwh,087 GWh, aber da mussten dann die anderen Erzeugeranlagen mehr beisteuern.

Kaum prognostizierbare Unsicherheiten

Und die Unsicherheit hört nicht auf. Auch darauf geht der Jahresbericht ein. Die getätigten Prognosen haben deutliche Unschärfen – etwa was die Entwicklung der Rohstoffpreise wie beim Erdgas bzw. LNG betrifft. Der von Donald Trump ausgelöste Konflikt im Nahen Osten sorgt für das Geschäftsjahr 2026 für eine hohe Unsicherheit.

Und gleichzeitig stoßen die Stadtwerke auf der anderen Seite an eine Grenze, denn die gestiegenen Energiepreise lassen sich in Leipzig nicht mehr problemlos durchsetzen. Der Bericht formuliert das Problem so: „Im Handel, im produzierenden Gewerbe und in der Gastronomie lassen sich die gestiegenen Erzeugerpreise weiterhin nur schwer durchsetzen. Es besteht die Gefahr, dass Kunden ihren vertraglichen Zahlungsverpflichtungen unter Umständen nicht oder nicht fristgemäß nachkommen.“

Da geht es dem Leipziger Gewerbe also nicht viel anders als vielen Leipziger Haushalten mit niedrigem Einkommen.

Raus aus den klimaschädlichen Brennstoffen

Aus der extremen Abhängigkeit von den stark volatilen Preisen für fossile Brennstoffe kommen auch die Stadtwerke Leipzig nur heraus, wenn sie ihre Erzeugung weiter diversifizieren. Was sie auch tun, indem sie Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen bauen. Sie haben auch 2025 kräftig investiert: 131,8 Millionen Euro. Was dann auch den Wert der eigenen Anlagen weiter gesteigert hat – von 935 Millionen Euro auf fast 985 Millionen Euro.

Aber der Bericht spart nicht an Warnsignalen. Denn gerade die mittlerweile zickzacklaufende Energiepolitik im Bund stellt alle Stadtwerke vor Probleme bei ihren Zukunftsplanungen. Denn die blanken Zahlen sagen, dass alle am Umbau ihrer Energierzeugung hin zu einer klimaneutralen Energierzeugung arbeiten müssen. Die Volten im Bund und die daraus folgenden veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen sorgen, wie es der Bericht formuliert, für „leistungswirtschaftliche Risiken“.

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