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Mit Geheimniskrämerei tun sich weder Leipzigs Verwaltung noch die Stadtwerke Leipzig einen Gefallen. Zur letzten Ratsversammlung hat die Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen eine recht umfassende Anfrage zum Heizkraftwerk Süd der Stadtwerke Leipzig gestellt. Denn als das neue Kraftwerk geplant wurde, wiesen die Stadtwerke mit viel Tamtam auf die künftige Wasserstofffähigkeit der Turbinen hin. Doch bis das Heizkraftwerk Süd einmal mit Wasserstoff läuft, bis dahin werden noch viele Jahre vergehen.

Das Problem an der Antwort für die Grünen-Fraktion ist: Einen Teil der Fragen haben OBM und Stadtwerke als Geschäftsgeheimnis eingestuft. Diese Fragen wurden nur nichtöffentlich beantwortet und damit auch nicht öffentlich ins ALLRIS eingestellt.

Was zumindest bei einer Frage ziemlicher Humbug ist, nämlich gleich bei der ersten: „Wie haben sich die CO₂-Emissionen der Stadtwerke Leipzig im Strom- und Wärmebereich seit 2019 entwickelt (absolut und in kg/kWh)?“

Der Ausstieg aus der Fernwärmeversorgung aus Lippendorf

Es ist die zentrale Frage, um die sich alles dreht, denn die Stadtwerke sind nun einmal Träger der Leipziger Energiewende, wollen künftig nicht nur Fernwärme aus Leuna, sondern auch Wasserstoff per Leitung nach Leipzig bringen, während das Fernwärmenetz massiv ausgebaut wird.

Und der alles entscheidende Maßstab ist am Ende, ob die Stadtwerke ihre CO₂-Emissionen deutlich senken können. Die Zahl gehört also in die Öffentlichkeit. Genauso wie die CO₂-Bilanz der Gesamtstadt. Letztere wird zumindest mit einem riesigen zeitlichen Nachlauf ermittelt. Die aktuellste Zahl stammt aus dem Jahr 2021. Da verursachte Leipzig 3,018 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent.

Aber welchen Anteil haben die Leipziger Stadtwerke, die ja Leipzig mit Strom, Gas und Wärme beliefern?

Die Antwort aus dem OBM-Büro sortierte die Ausführungen dazu einfach unter Geschäftsgeheimnis ein. Warum, ist nicht zu erkennen. Denn die Zahl ist tatsächlich öffentlich. Man findet sie im Nachhaltigkeitsbericht der Leipziger Gruppe, der auch auf der Homepage des Stadtkonzerns zu finden ist.

Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen der Leipziger Gruppe 2024 / 2025. Grafik: Leipziger Gruppe
Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen der Leipziger Gruppe 2024/2025. Grafik: Leipziger Gruppe

Dort findet man auch die Erklärung zu den Zahlen: „93 % der Emissionen (Scope 1 und 2) der Leipziger Gruppe werden vom Geschäftsfeld Energie verursacht. Daher liegen dort auch die Hauptaufmerksamkeit und die größten Hebel zur Reduzierung der Emissionen“, betont das Unternehmen. Darunter findet man dann die Zahlen von 548.000 Tonnen (Scope 1) und 96.000 Tinnen CO2-Emisionen (Scope 2). Darin stecken auch die Zahlen der polnischen Beteiligungen.

Rechnet man die angegebenen 93 Prozent Stadtwerke-Anteil auf die insgesamt 644.000 Tonnen um, kommt man auf 598.920 Tonnen.

Dass diese Zahl ein gewisses Problem beinhaltet, wurde im Nachhaltigkeitsbericht 2025 auch erklärt: „So wird zur Dekarbonisierung der Fernwärme zum Beispiel die Fernwärmeversorgung aus Braunkohle unter anderem durch die Brückentechnologie Erdgas über Gaskraftwerke ersetzt.“

Darin steckt der – vom Stadtrat beschlossene – Ausstieg aus der Fernwärmelieferung aus dem Kohlekraftwerk Lippendorf, der just 2025 erfolgte. Das heißt fürs Erste eben auch, dass die Stadtwerke mehr Erdgas verbrennen müssen, um die Fernwärmelieferung aus Lippendorf zu ersetzen.

Ergebnis: „Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die Scope 1- Emissionen aufgrund der weiteren Ablösung des Drittbezuges von Wärme aus dem vorgelagerten Braunkohlekraftwerk durch eigene Anlagen.“

Genauer: um 1,2 Prozent oder 6.000 Tonnen CO2.

Was zu erwarten war. Aber wohin geht jetzt die Reise?

2040? 2045?

Wann werden die Turbinen im Heizkraftwerk Süd mit Wasserstoff betrieben? Das hängt – was ebenfalls zu erwarten war – von der Verfügbarkeit und den Marktpreisen für grünen Wasserstoff ab. Weshalb die Antwort der Stadtwerke auf das doch noch etwas ferne Jahr 2040 verweist:

„Für den Umstieg auf Wasserstoff sind zunächst infrastrukturelle und marktliche Voraussetzungen zu schaffen, welche aktuell nicht vorhanden sind. Laut Kommunaler Wärmeplanung beginnt der Einsatz von grünem Wasserstoff ab etwa 2040 und erreicht spätestens 2045 einen relevanten Beitrag zur Dekarbonisierung, insbesondere zur Deckung von Spitzenlasten. Wasserstoff ersetzt dabei den ‚Brückenbrennstoff‘ Biomethan.“

Zwischenzeitlich haben sich auch die Pläne der Stadtwerke, am Standort Süd selbst eine Wasserstoff-Produktion aufzubauen, zerschlagen: „Nachdem das Projekt Burn4H2-Projekt (Integration von Elektrolyseuren und Solarthermie) aufgrund nicht gegebener Wirtschaftlichkeit und fehlender Infrastruktur gestoppt werden musste, planen die Leipziger Stadtwerke aktuell keine eigene Produktion von grünem Wasserstoff. Es wird von einer Errichtung des Wasserstoffkernnetzes ausgegangen und erwartet, dass die Standorte West und Süd perspektivisch an dieses angeschlossen werden.“

„Brückenbrennstoff“ Biomethan

Was bedeutet dann der Hinweis auf den „Brückenbrennstoff“ Biomethan? In der Antwort heißt es dazu:

„Biogene Brennstoffe (Biomethan) werden, gemäß Transformationsplan der Kommunalen Wärmeplanung der Stadt Leipzig, ab etwa 2035 ergänzend als Übergangslösung eingesetzt. Diese Umstellung aller noch vorhandenen gasbasierten Anlagen auf Biomethan erfüllt die Ziele der Stadt Leipzig bereits 2038 100 % klimaneutrale Wärmeversorgung erreicht zu haben, verteuert jedoch die Gestehungskosten.

Der Anteil bleibt moderat und dient in der Modellierung primär zur Besicherung und Spitzenabdeckung. Gespräche mit potenziellen Lieferanten wurden bereits geführt und Abfragen zu langfristigen Verträgen getätigt. „Aufgrund verschiedener politischer und regulatorischer Unsicherheiten ist es aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll, eine Beschaffung von Biogas bereits heute durchzuführen oder zu fixieren.“

Also ebenfalls ein Beschaffungsfeld mit großen Fragezeichen.

Das große Fragezeichen überm Fernwärmepreis

Aber die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen sorgte sich auch um die Gaspreise, die nun seit einigen Wochen auch für Aufregung sorgen. Denn wenn Leipzig seine Fernwärme mit Erdgas erzeugt, dann schlagen sich hohe Gaspreise auch im Fernwärmepreis nieder.

Seit Anfang Juli hat die Verbraucherzentrale Sachsen deshalb auch eine Kampagne zu den Leipziger Fernwärmepreisen gestartet, die seit 2023 deutlich gestiegen sind. Man findet die Kampagne hier.

Aber wie ist das mit den Gaspreisen? Zahlen die Leipziger Fernwärmekunden jetzt (immernoch) für die durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine drastisch gestiegenen Gaspreise?

Entwicklung der Marktpreise für Erdgas. Grafik: Leipziger Stadtwerke
Entwicklung der Marktpreise für Erdgas. Grafik: Leipziger Stadtwerke

Ganz ist dem nicht so, versichern die Leipziger Stadtwerke in ihrer Antwort: „Die europäischen Gaspreise liegen weiterhin deutlich unter dem Niveau des Ukraine-Krieges und verzeichneten aufgrund des Iran-Krieges im Vergleich nur einen geringfügigen Preisanstieg. Die in der Anfrage unterstellten anhaltend hohen Gaspreise können wir so derzeit nicht bestätigen.“

Wie sich frei­lich die Gas­preise auf die Preis­ge­stal­tung für Fernwärme in Leipzig auswirken, haben die Grünen nicht gefragt.

Aus Sicht der Stadtwerke ist die Wirtschaftlichkeit des Heizkraftwerks Süd gesichert. Ob die Fernwärmepreise wieder fallen, nachdem das Gaspreishoch 2022 längst Geschichte ist, ist der Antwort freilich nicht zu entnehmen.

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