Die Energiewende wirkt. Und kluge Regierungen würden sie einfach befördern, wo es nur geht. Selbst in Sachsen, wo jahrelang das Mantra von der so wichtigen „heimischen Braunkohle“ galt, zeitigt der Umbau der Energielandschaft positive Wirkungen. Denn je weniger Braunkohle zur Energieerzeugung verfeuert wird, desto geringer ist auch am Ende der Energieverbrauch. Denn logischerweise wird dann auch weniger Energie „durch den Schornstein gejagt“.

Aber das ist eigentlich ein Physikthema. Das ist bei den meisten Politikern höchst unbeliebt. Viel zu anstrengend.

Die Sache mit dem Wirkungsgrad

Stichwort: Wirkungsgrad. Der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken liegt üblicherweise zwischen 30 und 40 Prozent. Das heißt: Von der in der verfeuerten Kohlenmenge enthaltenen Energie werden über 60 Prozent nicht genutzt, gehen größtenteils als Abwärme in die Umgebung. Bei Windkraftanlagen ist der Wirkungsgrad nur eine technische Größe, denn er beschreibt hier vor allem die Energie, die dem verfügbaren Wind nicht entnommen werden kann. Sie geht also nicht verloren und reißt auch keine Löcher in die Landschaft. Sie wird einfach nicht „geerntet“.

Aber genau das hat Folgen, wenn der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik vorangetrieben wird und beide Energieerzeugungsarten einen zunehmend größeren Anteil am Strommix haben.

Denn dann muss deutlich weniger Kohle verfeuert werden. Und das senkt auch nachweisbar den tatsächlichen Energieverbrauch.

Wachsende Anteil vomn erneuerbaren Energieträgern an defv Stromerzeugung i Sachsen. Grafik: Freistaat Sachsen / Statistisches Landesamt
Wachsende Anteil vomn erneuerbaren Energieträgern an defv Stromerzeugung i Sachsen. Grafik: Freistaat Sachsen / Statistisches Landesamt

Am Donnerstag, 23. Juli, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik jetzt die Zahlen für den Energieverbrauch im Freistaat Sachsen im Jahr 2024.

Sinkender Primärenergieverbrauch

Und die Bilanz ist deutlich: „Nach Angaben der vorläufigen sächsischen Energiebilanz betrug der Primärenergieverbrauch 2024 insgesamt 548 Petajoule. Das entsprach einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent. Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, sank bereits 2023 (567 Petajoule) der Primärenergieverbrauch um mehr als ein Achtel (13 Prozent) im Vergleich zu 2022. Grund dafür war der erneut geringere Verbrauch von Braunkohle.

Er betrug 2024 rund 187 Petajoule, reichlich 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2004 sank er sogar um knapp ein Drittel (-31 Prozent). Bei den erneuerbaren Energieträgern hingegen stieg der Primärenergieverbrauch im Berichtsjahr 2024 um 2 Prozent auf 62 Petajoule, innerhalb der letzten 10 Jahre um 13 Prozent.“

Genau hier wird deutlich, wie ineffizient die Verbrennung von Braunkohle ist. Und es ist nicht der einzige fossile Brennstoff mit einer miserablen Energiebilanz. Derselbe Effekt wird im Straßenverkehr sichtbar, wo nach wie vor Diesel- und Benzin-Fahrzeuge mit ihrem schlechten Wirkungsgrad dominieren. So liegt der Wirkungsgrad des Benzinmotors bei 20 Prozent, beim Dieselmotor etwa doppelt so hoch. Für beide aber gilt: Der größte Teil der im Sprit enthaltenen Energie wird einfach als Abwärme in die Luft gepustet.

Wenn aber die Sachsen zunehmend auf E-Fahrzeuge umsteigen, sorgt das auch hier sofort für den Effekt eines sinkenden Energieverbrauchs. Der freilich 2024 in der Statistik etwas unterging, weil der Rückgang im Flugverkehr einen noch deutlich größer zurückgehenden Bedarf an Kerosin zur Folge hate.

Das Statistische Landesamt dazu: „Auch bezüglich des Endenergieverbrauchs war 2024, ebenso wie 2023, ein Rückgang in allen Verbrauchssektoren zu verzeichnen. Im Vorjahresvergleich sank der Endenergieverbrauch insgesamt um 2 Prozent auf 347 Petajoule. Unter den Verbrauchssektoren wies der Verkehr den größten Rückgang um beinahe 3 Prozent auf 103 Petajoule auf. Dies kann fast ausschließlich auf den um knapp 11 Prozent gesunkenen Energieverbrauch des Luftverkehrs (23 Petajoule) zurückgeführt werden. Im Sektor Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und übrige Verbraucher betrug der Endenergieverbrauch 158 Petajoule (-2 Prozent). In der Industrie belief er sich auf 86 Petajoule (-1 Prozent).“

Für Sachsens Strom muss weniger Kohle verbrannt werden

Und wenn mehr Strom aus Windkraft und Photovoltaik kommt, sinkt der aus Kohlekraftwerken benötigte Stromanteil deutlich. Sehr deutlich, wie die Landesstatistiker feststellen: „Die sächsische Bruttostromerzeugung sank 2024 gegenüber dem Vorjahr um etwas mehr als 1 Prozent auf 33 Terawattstunden. Maßgebend geprägt war dies durch die Stromerzeugung aus Braunkohle mit einem Anteil von 61 Prozent (20 Terawattstunden).

Den zweitgrößten Anteil in Höhe von 21 Prozent (7 Terawattstunden) hatten zusammengefasst die erneuerbaren Energieträger. Im Vergleich zu 2023 erhöhte sich die aus erneuerbaren Energieträgern erzeugte Strommenge um reichlich 8 Prozent, gegenüber 2004 vervierfachte sie sich beinahe. Darunter dominierte die Photovoltaik mit einer Bruttostromerzeugung von fast 3 Terawattstunden (Anteil an insgesamt nahezu 9 Prozent) vor der Windkraft mit mehr als 2 Terawattstunden (Anteil an insgesamt 7 Prozent).“

Das Fazit ist deutlich: Je mehr Strom aus Windkraft und Photovoltaik gewonnen wird, umso mehr sinkt auch der Energieverbrauch in Sachsen, weil weniger Energie als Abwärme in die Luft geblasen wird. Von den klimaschädlichen Emissionen ganz abgesehen.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Es gibt 5 Kommentare

Der Einsatz von E-Mobilität ist sehr wünschenswert. Nur leider steht die erforderliche Anfangs Investition im Weg. Bei mir wäre es 70000€ um den jetzigen Transporter zu ersetzen. Bei einer geschätzten Laufzeit von 10 Jahren und einer geplanten Laufleistung von 6000 km pro Jahr nicht umsetzbar.

@Matthias, alles gut, mit China meine ich die Kohlekraftwerke, die dort neu entstehen, klar, hier gehts nur regional, nachdem die Politik es global versaut hat, wir hatten mal eine führende Solarindustrie, die Funktionäre haben es nicht vermocht, diese Solarindustrie konstruktiv zu begleiten, he du bist schon Rentner, Klasse 👍 ich reiße noch knapp 2 Jahre ALG 1 runter und ab Mai 28 habe ich es dann auch geschafft, im ersten Quartal 27 komme ich nach Hause zurück, nach Leipzig, am Arsch lecken können mich schon alle ❣️🐞

@Thomas,
danke für deinen Kommentar. Zu China kann ich nichts sagen – unser Fokus liegt hier in Leipzig und Sachsen.
Alle von der BI RGG NPO geplanten Projekte (Westseite Lindenauer Hafen, Solarthermie Lausen, Flughafen Leipzig/Halle und Rittergut Großzschocher mit dem FLORALAT® Agri-PV-C2C-Windbrecher) sind jeweils als Cradle-to-Cradle-Bürgerenergie-Genossenschaften konzipiert. Genau so wurden sie auch der Stadtverwaltung und OBM Jung vorgestellt.
Wenn Bürgerinnen und Bürger sich beteiligen und die Projekte realisiert werden, entsteht lokale, dezentrale und kreislauffähige Energieerzeugung. Das kann mittelfristig auch auf die Stromtarife wirken – auch bei Anbietern wie Lichtblick –, weil mehr regional erzeugter und genossenschaftlich organisierter Strom ins System kommt und die Abhängigkeit von großen, zentralisierten Strukturen sinkt.
Wir leben jetzt – und genau deshalb setzen wir auf konkrete, umsetzbare Bürgerprojekte vor Ort statt auf alte Heilsversprechen. Wer mitmachen oder mehr dazu wissen möchte, ist herzlich willkommen.
Viele Grüße
Matthias (BI RGG NPO) https://www.youtube.com/watch?v=uY3aTFW9FJY

@Matthias, was sagt denn China dazu und warum wird mein Tarif bei Lichtblick nicht preiswerter, ich bin mit dem Heilsversprechen aufgewachsen, im Kommunismus wird alles besser, Nix war, ich lebe jetzt ❣️

Die sächsische Energiebilanz 2024 belegt klar: Mehr Erneuerbare senken den Energieverbrauch, weil weniger Braunkohle „durch den Schornstein“ verpufft. Das ist Physik, keine Ideologie. Wer die Energiewende wirklich will, muss jetzt Flächen intelligent nutzen – etwa mit Cradle-to-Cradle-Agri-PV-Systemen, die Landwirtschaft und Stromerzeugung verbinden und zugleich als anerkannte Ausgleichsmaßnahme nach Naturschutzgesetz Biodiversität und Bodenfunktionen stärken. So wird der Ausbau nicht zum Flächenfresser, sondern zum Gewinn für Natur und Landwirtschaft.

Schreiben Sie einen Kommentar