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Die kontraproduktive Energiepolitik auf Bundes- und Landesebene zeigt Wirkung. Inzwischen gefährdet sie – wieder einmal – Arbeitsplätze und Unternehmen. Eine Umfrage unter Sachsens Erneuerbaren-Unternehmen zeigt: Die wirtschaftliche Lage in der Branche trübt sich deutlich ein. Grund sind – so schätzen es die beiden Branchenverbände ein – unter anderem aktuelle Reformen auf Bundesebene und damit verbundenen regulatorische und wirtschaftliche Unsicherheit. In der Folge stehen Klimaziele, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für Kommunen auf dem Spiel.

Gemeinsam appellieren deswegen VEE Sachsen e.V. und KlimaUnion Sachsen für Kontinuität und Verlässlichkeit in der Klima- und Energiepolitik. Denn die Energiewende hatte den grundsätzlichen Effekt, die Versorgung zu dezentralisieren und lokale Wertschöpfung zu stärken. Das neue EEG jedoch festigt die Strukturen fossiler Energiewirtschaft.

Das Stimmungsbild basiert auf einer Umfrage der VEE unter ihren Mitgliedsunternehmen. Auch wenn bei einzelnen Unternehmen die Projektauslastung hoch ist und insbesondere außerhalb Sachsens neue Erzeugungsanlagen entstehen, so zeichnet sich jedoch ein Trend deutlich ab: Ausnahmslos alle Teilnehmer der Umfrage bestätigen seit 2026 eine schlechtere oder sogar deutlich schlechtere wirtschaftliche Perspektive.

„Die Anlagen, die derzeit entstehen, wurden vor drei Jahren genehmigt und bezuschlagt“, ordnet VEE-Präsident Falk Zeuner ein. „Wenn neu genehmigte Projekte keine Ausschreibungszuschläge erhalten, ist der enorme zeitliche und finanzielle Aufwand für die Planung futsch. Bei zu niedrigen Zuschlägen führt jede kleine Verschlechterung dazu, dass diese Projekte nicht mehr finanziert und dann zwei Jahre später auch nicht gebaut werden.“

Mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen für Projektierer und Arbeitnehmer in der Energiebranche, aber auch für Zulieferer und Industriestromkunden, die mittelfristig weiter mit hoch volatilen fossilen Energiepreisen aus Importen rechnen müssen.

Lauter Hemmnisse für die Erneuerbaren

Die Gründe für den drohenden Stillstand sind vielfältig. Die Bedingungen für zukünftige Investitionsentscheidungen haben sich spürbar verschärft. Dazu zählen insbesondere die gesetzlichen Änderungen durch das Netzpaket und der EEG-Novelle. Die Aussicht auf einen möglichen Redispatch-Vorbehalt oder die Ausweisung von Netzengpassgebieten erschweren die Planbarkeit und drücken die Wirtschaftlichkeit. Selbiges gilt für die erhöhte Belastung durch die Kommunalabgabe sowie die Pachtobergrenze, die die Möglichkeiten der lokalen Wirtschaft zum Vorteil der Netzbetreiber beschneidet. Und nicht zuletzt kämpft die Branche mit immer längeren Wartezeiten bei Netzanschlüssen.

Hinzu kämen bereits heute Probleme bei aktuellen Ausschreibungsprozessen, etwa die anhaltend starke Überzeichnung der Ausschreibungen für Windenergie an Land bei begrenztem Ausschreibungsvolumen. Einem Ausschreibungsvolumen von rund 2.500 Megawatt stand ein Gebotsvolumen von rund 6.400 Megawatt gegenüber.

Dazu kommen deutlich gesunkene Zuschlagswerte, durch die bereits genehmigte Projekte teilweise nicht mehr wirtschaftlich umgesetzt werden können. Der mengengewichtete Zuschlagswert sank auf 5,06 Cent je Kilowattstunde – nach rund 6,8 Cent noch ein Jahr zuvor.

Auch Sachsen produziert Planungschaos

Und dazu kommen dann auch noch die sächsischen Eiertänze um die Windvoranggebiete, die viele konservativ regierte Kommunen dazu nutzen, die Ausweisung dieser Gebiete zu vertödeln oder möglichst ganz zu verhindern. Für die Planer von neuen Windkraftanlage wird die Lage völlig unüberschaubar. Bremsen und Vertrödeln scheinen in fast ganz Sachsen die Devise zu sein. Bislang werden Beschleunigungsgebiete in den sächsischen Regionalplänen nur sehr zurückhaltend ausgewiesen, wodurch viele Projekte nicht von vereinfachten Genehmigungsverfahren profitieren können.

Die Folge, so die VEE: Teilweise können bereits heute genehmigte Projekte wegen fehlender Wirtschaftlichkeit nicht mehr umgesetzt werden. Der Jobmotor Energiewende, der erst 2025 laut einer Bertelsmann-Studie zu neuer Höchstleistung auflief, stottert bereits erheblich. Laut VEE-Umfrage bauen erste Unternehmen vorsorglich Stellen ab. Leidtragende sind auch Kommunen, denen Steuereinnahmen und Beteiligungserlöse durch heimische Wertschöpfung entgehen, sowie langfristig auch die sächsische Industrie, die schon heute deutlich mehr Grünstrom benötigt als verfügbar ist.

„Jedes nicht realisierte Windenergieprojekt bedeutet verlorene Investitionen, entgangene Steuereinnahmen und weniger regionale Wertschöpfung“, erklärt Matthias Schöneich, Regionalgruppenkoordinator der KlimaUnion Sachsen. „Gerade für Sachsen ist die Windenergie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft, Unternehmen Aufträge sichert und den Industriestandort mit bezahlbarer Energie stärkt. Dafür braucht es Verlässlichkeit statt ständiger Unsicherheit bei den politischen Rahmenbedingungen.“

„Die vielen geplanten gesetzlichen Maßnahmen sind offensichtlich nicht aufeinander abgestimmt. Die Änderungen bei Netzentgelten etwa würden erneut die EEG-Umlage belasten, die ja eigentlich sinken soll. Es bräuchte eine ordnende Hand, denn wir benötigen Planungssicherheit“, appelliert VEE-Präsident Falk Zeuner an die Bundespolitik gerichtet. „Leidtragende sind hier auch die sächsischen Kommunen, welche die Einnahmen aus Erneuerbaren-Anlagen gut gebrauchen könnten.“

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