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Von einer „etwas beschämenden Erinnerung, die zu Herzen geht“ sprach CDU-Stadträtin Dr. Sabine Heymann in der Ratsversammlung am 2. September: Thema war die Gedenkanlage für die Opfer der Gewaltherrschaft auf dem Leipziger Südfriedhof – ein besonderer Ort, der aber schon lange ein unwürdiges Dasein am Friedhofsrand fristet. Nun soll bis Mitte 2027 ein Entwurf beschlossen werden, der an die Opfer des Volksaufstands in der DDR vom 17. Juni 1953 erinnert.

In ihrer Rede warb Dr. Sabine Heymann noch einmal für den Antrag, den ihre CDU-Fraktion gemeinsam mit den Fraktionen von SPD und Grünen eingereicht hatte: Demnach möge die Stadtverwaltung dem Stadtrat ihren Entwurf eines „Gedenk- und/oder Informationselementes“ zwischen Nordtor und dem ehemaligen „Sozialistischen Ehrenhain“ des Südfriedhofes unverzüglich vorlegen. Die latente Ungeduld war wohl auch dem Umstand geschuldet, dass bereits 2018 durch die Stadt ein Büro für Freiraumplanung mit der Integration eines Gedenkortes beauftragt worden war.

Schon vor Jahren gab es einen Gedenkanlagen-Entwurf

Ein Gedenkstellen-Entwurf, so der städtische Verwaltungsstandpunkt (VSP), lag dann bereits vor mehr als drei Jahren vor. Von dem hatten die Einreicher des Antrags wohl keine Kenntnis. Aber: „Sollte er sich als würdiger Vorschlag erweisen, so ist dieser bis 17. Juni 2028 umzusetzen. Andernfalls erarbeitet die Verwaltung gemeinsam mit dem Rat den Entwurf eines Gedenkortes im erwähnten Bereich, der ebenfalls bis 17. Juni 2028 umzusetzen ist“, so der Wille von CDU, SPD und Grünen.

Immerhin geht es um nichts Geringeres als den 17. Juni 1953: Damals waren in der noch jungen DDR landesweit Proteste und Streiks ausgebrochen, die das Regime jenes Staates, der sich so gern als „besseres Deutschland“ verkaufte, mit massiver Militärhilfe Moskaus brutal niederschlug. Leipzig war ein Zentrum der Unruhen, die allein im hiesigen Bezirk nach heutigem Wissen fast hundert Verletzte forderten – und neun Tote. Jüngster war der 15 Jahre alte Teenager Paul Ochsenbauer. Im Nachgang kam es zu Verhaftungen und Schauprozessen.

Der 17. Juni als großes Trauma

Da scheint es befremdlich, dass die Gedenkanlage, die auch an den 17. Juni erinnert, unweit vom Urnengarten Nord auf dem Südfriedhof vor sich hin vegetiert, verwildert, randständig, schlecht erreichbar.

Die Gedenkanlage für die Opfer der Gewaltherrschaft 1945–1989 auf dem Südfriedhof. Foto: Ralf Julke
Die Gedenkanlage für die Opfer der Gewaltherrschaft 1945–1989 auf dem Südfriedhof. Foto: Ralf Julke

Zustimmung erhielt Stadträtin Dr. Heymann von Pia Heine (SPD), die darauf hinwies, dass der 17. Juni 1953 auf seine Art auch für die Täterseite ein lebenslanges Trauma darstellte: DDR-Staatssicherheitsminister Erich Mielke, dessen Geheimpolizei den Aufstand nicht verhindern konnte, zeigte sich noch am 31. August 1989 intern mit der Frage besorgt, ob „morgen der 17. Juni ausbricht“. Ein treffendes Machtgespür, nicht untypisch für die SED-Oberen, deren Herrschaft 36 Jahre zuvor nur durch militärisches Eingreifen der Sowjets gerettet worden war.

„Gerade in Zeiten zunehmender Verklärung und auch einer neuen Welle von Ostalgisierung ist es wichtiger denn je, die Schicksale derjenigen Menschen, die sich damals der Diktatur mutig entgegengestellt haben, angemessen und auch sichtbar zu würdigen“, so Heine.

„Das wäre mir zu viel historische Dialektik“

Jörg Kühne (AfD) kritisierte das „blamable Nichtstun“ der Vergangenheit und signalisierte, seine Fraktion stimme dem Antrag sehr gern zu. Für die BSW-Fraktion holte Ralf Pannowitsch dann weiter aus, kritisierte unter anderem eine „eindimensionale Erinnerungskultur“, wobei das Jubiläum von Grünau ein ermutigender Versuch sei, sie abzustreifen.

Ralf Pannowitsch (BSW) im Leipziger Stadtrat am 02.09.2026. Foto: Jan Kaefer

Umbettungen auf dem Südfriedhof zur Hauptachse lehnte er ab, weil dann vielleicht Opfer des 17. Juni in der Nähe eines kommunistischen NS-Gegners lägen, der das KZ überlebt und als SED-Funktionär die Schüsse auf Demonstranten am 17. Juni 1953 bejubelt habe: „Entschuldigung, das wäre mir zu viel historische Dialektik.“ Man möge die Toten ruhen lassen, Gräber und Anlagen pflegen und mit Hinweisschildern ausstatten sowie eine Extra-Gedenkplatte an der Hauptachse installieren, sagte Pannowitsch, der letztlich für Unterstützung zugunsten des Antrags eintrat.

Es geht nicht um Umbettungen – sehr wohl aber um Geld

Auftaktrednerin Dr. Heymann sah sich daraufhin noch einmal zu einer Wortmeldung veranlasst und stellte klar, dass es nicht um Umbettungen ginge, sondern um einen sichtbaren Gedenkort. Dem Einwurf von Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke), wonach keine Haushaltsmittel geplant seien, hielt sie entgegen, dass auch Spendenakquise möglich sei. Aber: Die Stadt müsse in Vorleistung gehen, wo der Gedenkort sein könne.

Der VSP, abgestimmt auf Antrag der Linksfraktion, fiel dann mit 12:49 Stimmen (drei Enthaltungen) durch. Anders die Neufassung des alten Antrags, die mit 51:1 Stimmen (zwölf Enthaltungen) bequem durchkam. Enthalten ist eine Protokollnotiz, die Thomas Kumbernuß (Freie Fraktion/Die PARTEI) angeregt hatte: Es möge geprüft werden, ob für einen neuen Gedenkort auf dem Südfriedhof auch der vielleicht prominentere Eingangsbereich an der Prager Straße eine Option ist. So könne Konfliktpotenzial zu den anderen Denkmälern und Verstorbenen abgewendet werden.

Nun wird laut Beschluss bis 17. Juni 2027 ein Entwurf erarbeitet und beschlossen. Der soll dann ein Jahr später, zum 75. Jahrestag des Volksaufstands, Realität sein.

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