Am 1. Juni 1976 wurde der Grundstein für die Großraumsiedlung Leipzig-Grünau gelegt, der Stadtteil hat inzwischen viele Phasen durchlaufen. Die DDR-Traumwohnung mit Bad und fließend warmen Wasser inmitten einer Schlammwüste, Flucht aus der „Platte“ und Rückbau nach der Wende, aber Grünau ist für viele Leipzigerinnen und Leipziger auch Heimat und es geht wieder aufwärts mit dem Stadtteil.

Der Platz vor dem PEP, auf dem der Festakt zum 50-jährigen Grünau-Jubiläum stattfand, war Objekt einer Bürgerbeteiligung und wurde kurz vor dem Jubiläum von Akteuren aus Verwaltung und Bürgerschaft neu gestaltet. Welchen Namen der Platz einmal tragen wird, das ist noch nicht sicher. Dazu aber später.

Der SEB beim Festakt 50 Jahre Grünau. Foto: Thomas Köhler

Es waren viele verschiedene Stände aufgebaut, der Heizhaus e. V. gemeinsam mit der offenen Werkstatt der Leipziger Modellschule (LeMo), die LWB, das Stadtgeschichtliche Museum, der Städtische Eigenbetrieb Behindertenhilfe (SEB) waren da, um nur einige zu nennen. Das Interesse der vielen Einwohnerinnen und Einwohner war groß.

Das Stadtgeschichtliche Museum beim Festakt 50 Jahre Grünau. Foto: Thomas Köhler

Es gab auch ein Kulturprogramm, die Tänzerinnen der Kinder- und Jugendgruppen des Tanzvereins TSV Joker e. V. Leipzig begeisterten das Publikum mit verschiedenen Darbietungen und ein Bläserquartett der Musikalischen Komödie sorgte für musikalische Unterhaltung. Im Video sind kurze Ausschnitte zu sehen.

Prominenz aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft war reichlich anwesend. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, den Bundestagsabgeordneten Holger Mann (SPD), die Landtagsabgeordnete Christin Melcher (Bündnisgrüne), leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ämtern der Stadt Leipzig und der LWB und andere konnte ich erkennen. Die später einzeln genannten Akteure habe ich hier ausgespart.

Ständchen des Bläserquartetts der MuKo. Foto: Thomas Köhler

Was verbindet Menschen mit Grünau und diesen 50 Jahren?

Wir haben Siegfried Schlegel getroffen und dazu befragt. Siegfried Schlegel war in verschiedenen Funktionen am Bau von Grünau beteiligt und nach der Wende als Kommunalpolitiker für Die Linke, als Aufsichtsrat der LWB und anderweitig immer mit dem Stadtteil verbunden. Der Unruheständler gab uns gern Auskunft.

Eine andere persönliche Geschichte zu Grünau können Sie im Artikel Als Grünau noch „Schlammhausen“ hieß nachlesen.

Hat das Konzept einer Großwohnsiedlung wie Grünau Zukunft?

Diese Frage und andere stellten wir Baubürgermeister Thomas Dienberg. Er sagte: „Ich glaube grundsätzlich ja. Wenn bestimmte Themen zukünftig beachtet werden. Wir müssen in die öffentlichen Räume gut investieren, das haben wir in der Vergangenheit auch getan. Aber ich sag das auch ganz ehrlich und mit ein bisschen selbstkritischem Blick: Wir haben das noch nicht in ausreichendem Maße getan. Deswegen ist Grünau für uns auch weiterhin ein Handlungsschwerpunkt in der Städtebauförderung. Das heißt, wir müssen hier an der Stelle auch, zukünftig viel investieren.“

Zu „Stadt der kurzen Wege“ und ob Grünau ein Experimentierfeld für den Städtebau ist, sprachen wir auch. Das können Sie im Video nachhören.

Der offizielle Teil

Diese begann mit einer Ansprache des Baubürgermeisters, in der er zuerst noch einmal den Anlass des Festaktes schilderte und auf die weiteren Veranstaltungen und Plane für das Festjahr einging.

„Vielleicht erst noch mal ein paar Sätze zu dem, was der Anlass ist. Wir feiern in diesem Jahr das Erbauen und Bestehen der Großwohnsiedlung Grünau, das heute vor 50 Jahren mit der Grundsteinregelung begann. Der heutige Festakt ist nur ein Bruchteil des vielfältigen Jahresprogramms und wenn ich mir das hier so anschaue, dann wird das Programm super, wenn schon der Bruchteil so toll ist. Wir wollen in diesem Jahr eine ganze Menge machen in unterschiedlichsten Veranstaltungen. Wir wollen zurückschauen, wir wollen zuhören lernen, wir wollen aber auch nach vorne schauen. Wir wollen neue Pläne schmieden, wir wollen auch Neues anschieben, trotzdem, dass die Situation nicht ganz so rosig ist, was die finanziellen Rahmenbedingungen angeht. Wir wollen auch diskutieren, das haben wir schon in der Vergangenheit getan. Wir wollen kritisch sein und wir wollen konstruktiv sein. Und es soll auch die Chance genutzt werden, einfach Vorurteile abzubauen.“

Nachfolgend gab er einen kurzen Abriss über die Geschichte Grünaus, die Arbeit des Baudezernats und bedankte sich bei allen Akteuren. Das können Sie im Video nachverfolgen.

Ein kurzer Ausflug zu der neuen Bankkonstruktion am Springbrunnen und ein Gespräch mit Nina Wiedemann von der LeMo und Stefan Siegert vom Stadtplanungsamt über die Umgestaltung des Platzes und die Motivation der Akteure schloss sich an.

Probesitzen auf neuer Bank mit Thomas Dienberg, Nina Wiedemann und Stafan Siegert. Foto: Thomas Köhler

Doktor Anselm Hartinger Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums trat gemeinsam mit Bürgermeister Dienberg ans Mikrofon. Im Gespräch ging es um die Namensgebung für den Platz, die Geschichte des Geländes auf dem sich Grünau heute befindet und darum, dass eigentlich zu 50 Jahre Grünau auch 100 Jahre des Namens Grünau gehört. Das können Sie im Video nachhören. Wir haben uns mit Dr. Hartinger verabredet um zu einem späteren Zeitpunkt etwas genauer über Stadtgeschichte, auch die Grünauer Geschichte, zu sprechen.

Der Oberbürgermeister, der eigentlich eine Ansprache halten sollte, war leider von einem Termin in Berlin nicht pünktlich zurück nach Leipzig gekommen. Baubürgermeister Dienberg übernahm es den Grünauerinnen und Grünauern die Grüße des Stadtoberhauptes zu überbringen. Die wichtigsten Inhalte waren „Gemeinwohl und Zusammenhalt in diesem Stadtteil und in dieser Stadt insgesamt“ und die gewachsene Landschaft an Initiativen in der Stadtgesellschaft. „Genau das zeigt, was möglich ist, wenn Menschen füreinander einstehen. Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist.“

Thomas Dienberg und Dr. Anselm Hartinger im Gespräch. Foto: Thomas Köhler

Zum Abschluss gab es noch ein Gespräch mit der Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung, Regina Kraushaar.

Thomas Dienberg sprach hier auch Rückschläge an: „Insbesondere bei der Realisierung des Bildungs- und Bürgerzentrums, das ein wichtiges Projekt hier in Grünau. Wir wollen trotzdem an diesem Projekt weiter festhalten und deshalb bin ich besonders froh, dass wir da, glaube ich, aus dem Bereich der Städtebauförderung einiges werden machen können. Der Bund wird aufstocken und Frau Kraushaar, vielleicht können Sie an der Stelle nochmal auch sagen, wie Sie an der Stelle die Aufgabe und die Position des Freistaates sehen.“

Staatsministerin Regina Krushaar und Thomas Dienberg im Gespräch. Foto: Thomas Köhler

Die Antwort stimmt hoffnungsvoll: „Wir haben gerade heute Morgen wieder eine Runde gehabt. Sie wissen Herr Dienberg, dass wir momentan gerade den Doppelhaushalt 27/28 aufstellen. Das ist kein leichtes Unterfangen. Einerseits, weil die Einnahmen zwar sehr groß sind. Wir haben eigentlich genug Einnahmen, aber gleichzeitig Ausgaben, beispielsweise in meinem Haus, so etwas wie das Wohngeld, die auch steigen. Wir haben uns tatsächlich eine Priorität gesetzt, nämlich Bundes- und Europamittel in vollem Umfang abzunehmen und Co zu kofinanzieren. Das haben wir im derzeitigen Haushalt nicht. Wir können im derzeitigen Haushalt nur auf 90 Prozent Kofinanzierungsmittel zugreifen. Wir konnten nicht 100 Prozent einsetzen, weil wir einen Sparhaushalt haben. Und Sie wissen es selbst als Baubürgermeister, dass die Haushalte wirklich nur noch sehr schwer zu schließen sind. Aber wir haben eine Priorität gesetzt, dass wir tatsächlich alle Mittel, die der Bund oder Europa und an Fördermitteln zur Verfügung stellt, abnehmen wollen. Das ist unser Ziel.“

Ministerin Kraushaar ist optimistisch, dass auch der Haushaltgesetzgeber, also die Abgeordneten, das so sehen und entsprechend handeln. Die Fördermittel sind auf jeden Fall, nicht nur für Grünau, wichtig um weitere Projekte zu realisieren.

Mit einem nochmaligen Dank an die Vereine, Initiativen und sonstigen Akteure beendete Baubürgermeister Dienberg den Festakt und für alle, die sich Karten sichern konnten, ging es ins Kino zur Uraufführung des Films „Grünau 50“.

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