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Der 50. Jahrestag der Grundsteinlegung für die Großwohnsiedlung Leipzig-Grünau wird in Leipzig mit verschiedenen Ausstellungen und anderen Veranstaltungen thematisiert. So gab es am 1. Juni einen Festakt auf dem Platz vor dem PEP in Grünau-Mitte, im KOMM-Haus läuft die Ausstellung „Als Grünau noch Schlammhausen hieß“ mit Fotografien von Harald Kirschner und im Stadtteilladen Grünau lässt uns Karla Voigt „Aus der Kuchengartenstraße nach Grünau“ fotografisch einen Umzug erleben.

Im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig gibt es seit dem 3. Juli die Ausstellung „PLATTE. Leben in der Großwohnsiedlung“, die diesen 50. Jahrestag mit einem anderen Konzept beleuchtet. Es werden Amateurfotografien ehemaliger und heutiger Grünauerinnen und Grünauer, von der Bauphase, über den Rückbau nach der Wende bis zur heutigen Zeit, gezeigt.

Blick in die Ausstellung: Privates Leben. Foto: Thomas Köhler

Das Ausstellungskonzept

Die Kuratorin der Ausstellung Anne Meinzenbach beschrieb uns, wie das Projekt entstanden ist.

„Wir haben da verschiedene Ideen entwickelt, wie wir dem Thema ein bisschen Raum geben können und haben ein Outreach-Projekt zusammen mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig gestartet. Es gab einen Aufruf an ehemalige, heutige Grünauerinnen und Grünauer, ihre Geschichten mit uns zu teilen und im Rahmen eines Kneipenabends in der kleinen Kneipe kamen dann alle zusammen und haben ihre Geschichten vorgestellt. Wir fanden die Fotos und Beiträge, die dabei zusammengekommen sind, so ansprechend und so schön, dass diese den Fokus der Ausstellung bilden. Es gibt also nicht die Blicke von Profifotografen auf Plattenbausiedlung, sondern von Amateuren, den Bewohnerinnen und Bewohnern. Wir haben das Ganze mit der Erzählung zur Plattenbaugeschichte im Allgemeinen ergänzt. Da gehen rückwärts durch die Geschichte, starten in der Gegenwart und erzählen dann die Geschichte der Großwohnsiedlung.“

Blick in die Ausstellung: Foto: Thomas Köhler

Wir haben Anne Meinzenbach nach dem Pressetermin noch einmal zur Ausstellung befragt.

Die Familie Glatzel

Das Plakat der Ausstellung zeigt ein tanzendes Paar vor einem Plattenbau. Dieses Paar, Brigitte und Klaus Glatzel, war mit Sohn Torsten beim Pressegespräch anwesend. Ein Teil der Ausstellung zeigt Fotografien aus ihrem privaten Fundus. Familie Glatzel zog 1984 nach Grünau und Klaus Glatzel schwelgte in Erinnerungen an die Entwicklung einer Hausgemeinschaft mit eigenem Partyraum und goldener Hausnummer. Einige Auszüge:

„Silvester 1984/85, das erste Mal saßen wir beide alleine zu Hause. Nach 12 Uhr haben wir uns gratuliert und dann kam sie auf die Idee: Weißt du was, wir nehmen jetzt ein großes Tablett, viele Schnapsgläser drauf, eine Schnapspulle, du nimmst deine Quetsche und dann ab zum Nachbarn und dort gratulieren wir. So haben wir es gemacht, ich habe Tänze gespielt wir haben getrunken und daraus entwickelte sich eine Hausbewegung im Elfgeschosser.“

Blick in die Ausstellung: Bilder der Familie Glatzel. Foto: Thomas Köhler

„Dort kam dann der Wunsch auf, ja, man müsste das ja öfter mal machen. Das haben wir dann ausgegriffen. Wir haben eine Hausgemeinschaftsleitung gebildet, mit Vorsitzendem, Stellvertreter und Buchhalter. Dann haben wir gemeinsame Ideen entwickelt und haben angefangen im Keller einen großen Raum umzubauen. So haben wir einen wunderschönen Veranstaltungsraum geschaffen.“

Es wurden Faschingsfeiern, Sommerfeste und anderes veranstaltet, am Ende bekam das Haus die „Goldene Hausnummer“, die nach der Wende unauffindbar verschwand.

Der Wohnblock wurde nach der Wende abgerissen, Brigitte und Klaus Glatzel zogen weg aus Leipzig, aufs Land. Am Ende lockte aber das Stadtleben wieder und sie kamen zurück nach Grünau. Wir haben mit Familie Glatzel dazu gesprochen.

Die Ausstellung ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Man kann noch Bilder und Geschichten einbringen und Besucherinnen und Besucher können auch an einer Wand direkt Feedback geben.

Blick in die Ausstellung: Zu den westdeutschen Großwohnsiedlungen. Foto: Thomas Köhler

Es ist eine, wenn auch relativ kleine, interessante Ausstellung und durch das andere Konzept bringt sie auch nochmals einen neuen Blick auf die „Platte“.

Die Ausstellung ist bis zum 17.01.2027, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, Grimmaische Straße 6, 04109 Leipzig zu besichtigen. Die Öffnungszeiten finden Sie hier.

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