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Zwei Minister der aktuellen Regierung kommen da in den letzten Tagen mit lockeren Sprüchen zum Wetter nicht gut bei den betroffenen Bürgern an, die mit der Hitze und Trockenheit umgehen lernen müssen. Durch die zu geringen Niederschläge und die erhöhten Temperaturen trocknen die Böden bis in tiefere Schichten aus. Und die kleineren Flüsse versiegen, benannt „sie fallen trocken“. In den größeren Flüssen kommen aufgrund geringeren Wasserzulaufes die „Hungersteine“ zum Vorschein.

Die Seen heizen sich auf, es verdunstet zusätzlich viel Wasser und es kommt zur vermehrten Algenbildung. Und damit zur Sauerstoffzehrung und zum Fischsterben.

Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger stellte in Bezug auf die ausgetrockneten Flüsse Rhein, Main oder Ruhr, die kaum noch die Binnenschifffahrt zulassen, fest, dass er das Wetter nicht beeinflussen kann, „… aber wir könnten dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft besser durch diese schwierigen Wochen kommt“.

Dazu zählt er Maßnahmen, die entweder nur kurzfristig wirksam sein könnten, wie den Stopp von Baumaßnahmen an Schleusen oder Vorschläge, die kaum umsetzbar sind, wie das zeitweise Aufweichen des Sonntagsfahrverbotes (da es so schnell nicht genügend Lkw-Fahrer und Fahrzeuge gibt) und die schnellere Genehmigung von Schwertransporten (was langwierige Planungen voraussetzt).

Längerfristig gesehen will er die Fahrrinnen der Wasserstraßen vertiefen lassen. Ob das eine so tolle Idee ist, sei dahingestellt. Es sind leider zu oft solche Schnellschüsse an Ideen, die nach einiger Überlegung recht widersinnig erscheinen.

Die Vertiefung der Fahrrinnen von Flüssen

Es gibt nur eine bestimmte Menge an Wasser, die den Flüssen auf dem Wege vom Gebirge zur Ebene zuläuft. Der Zufluss im Gebirge ist abhängig vom Niederschlag und von den Wasserspeichern, im Hochgebirge von den Gletschern. Die Gletscher in den Alpen schmelzen immer stärker und schneller bei den zunehmenden Temperaturen ab. In 20 bis 30 oder 40 Jahren wird es kaum noch Gletscher geben.

Damit versiegt dieser kontinuierliche Zufluss im Sommer. Dann fließen nur noch das im Boden zwischengespeicherte Wasser und der Niederschlag von den Flächen ab.

Niedrigwasser der Elbe bei Dresden.
Bedenkliches Niedrigwasser der Elbe bei Dresden. Foto: Sabine Eicker

Hat man die Fahrrinne der Flüsse entsprechend vertieft, fließt das Wasser umso schneller, da ungehindert, weg, dem Meer entgegen. Damit fallen die Flüsse zunehmend trocken, wenn es nicht ausreichend regnet. Und die Binnenschifffahrt muss auf längere Zeit eingeschränkt oder stillgelegt werden.

Also müsste eigentlich das Gegenteil der Vertiefung der Fahrtrinnen gemacht werden – das Wasser muss in der Fläche zurückgehalten werden. Es müssten entweder in die schiffbaren Flüsse zunehmend Staustufen eingebaut werden. Aber auch das ist problematisch, da eine Stauwand ein tiefer Einschnitt in die Flusslandschaft bedeutet und zusätzliche Flächen überflutet werden müssen (oft gute landwirtschaftliche Böden oder bebaute Gebiete, die es nicht ausreichend gibt). Für die Binnenschifffahrt müssten zudem noch weitere Schleusen gebaut werden und für die Fische Fischtreppen.

Oder der Fluss muss mit geringerem Gefälle abfließen können. Dem Fluß müsste man also mehr Fläche zum Mäandern geben, d. h., der Fluss kann wieder mehr Schleifen ziehen, Sandbänke oder neue Flußarme bilden. Damit würde sich die Fließgeschwindigkeit verringern. Woher sollen aber diese Flächen kommen? Denn diese Flächen hat man in den vergangenen Jahrhunderten durch Eindeichung dem Fluß genommen.

Was mittelfristig bliebe, wäre ein Wasserrückhalt in den Oberläufen der Flüsse, der Wasserrückhalt an den kleineren Flüssen und Bächen mit Staustufen, Rückhaltebecken, Teichen und Seen, damit dem größerem Fluß beständig und einigermaßen geregelt Wasser nachfließen kann. Wo immer es als Kompromiss akzeptabel ginge, müsste also das Niederschlagswasser in den bewirtschafteten Flächen zurückgehalten werden. Der Wasserrückhalt in der Fläche bedeutet auch Hochwasserschutz, da das Wasser nicht mehr zu schnell abfließen kann. Das zu viele Wasser sollte eher versickern.

Trockenheit und Landwirtschaft

Der Bundeslandwirtschaftsminister Rainer meinte ganz locker: „Ich kann’s nicht regnen lassen, sonst tät ich’s machen.“ Zum Glück kann er das Wetter nicht beeinflussen, aber er soll sich um die gesamte Landwirtschaft kümmern, nicht nur um die Agrargroßbetriebe. Es gehören auch die Obstbaubetriebe, die kleineren Nebenerwerbsbetriebe, Biobauern und solidarischen Landbetriebe dazu.

Die Agrarsubventionen müssten umgebaut werden. Zusätzliche Unterstützung sollte der landwirtschaftliche Betrieb erhalten, der Maßnahmen für den Erhalt der Natur, für Landschaftsschutz, für Artenvielfalt durchführt, sich für Insekten- und Bodenschutz einsetzt, den Wasserrückhalt in den agrarischen Flächen sichert, Windschutzstreifen anlegt, die Felder mit Baumbestand sichert, Blühstreifen belässt, Moore wieder vernässt usw.

Ein riesiges Maisfeld vor den Toren Leipzigs - ohne Baum und Strauch. Foto: Sabine Eicker
Ein riesiges Maisfeld vor den Toren Leipzigs – ohne Baum und Strauch. Foto: Sabine Eicker

Die großen Agrarflächen in den östlichen Bundesländern sollten wieder kleinteiliger gestaltet werden, um die Bodenerosion und den zu schnellen Wasserablauf zu mindern und um Rückzugsgebiete für Kleinlebewesen, Vögel, Kleintiere und Pflanzen anzubieten sowie Wege für die Dorfgemeinschaften.

In der LZ vom 15.8.2026 ist vom agrarpolitischen Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) und Milchbauer aus Niedersachsen, Ottmar Ilchmann, zu lesen: „Bundeslandwirtschaftsminister Rainers Antwort ist nun primär, die Mittel für die Mehrgefahrenversicherung im Zweifelsfall aufzustocken – das ist völlig zynisch: Keine Versicherung der Welt wird in Zukunft die massiven Folgen der Tatenlosigkeit der aktuellen Bundesregierung noch finanziell auffangen können. Hier würde wieder Bürokratie aufgebaut, während an anderer Stelle das Stichwort Bürokratieabbau zur Deregulierung von schützenden Standards genutzt wird.

Wir brauchen eine Bundesregierung, die aus ihrem fossilen Traum wieder in der Realität aufwacht. Die Einberufung eines Hitze-Gipfels und die Verankerung der Gemeinschaftsaufgabe Klimaschutz und -anpassung im Grundgesetz, sowie die Zurücknahme der Kürzungen im Klima- und Transformationsfonds wären dazu ein notwendiger erster Schritt zur Lösung.“

Endlich die Böden schützen

Gesetzlich geregelte Änderungen zum Marktzugang für die Nahrungsmittelproduzenten sind erforderlich, ebenso für mehr Tierwohl und eine reduzierte Mehrwertsteuer für gesunde, vitaminhaltige Erzeugnisse. Die biologisch wirtschaftenden Bauern müssen auch Eigentümer der von ihnen genutzten Flächen werden. Boden darf kein Spekulationsobjekt sein.

Mit dem unwiederbringlichen Gut Kultur-Boden muss weitaus pfleglicher umgegangen werden als bisher. Der Verlust von humösem Erdreich zählt zu den großen, weithin unbeachteten Katastrophen der Gegenwart. 20 bis 40 Prozent der Landfläche auf der Erde gelten als geschädigt, d. h. dieser Anteil an Boden ist weltweit nur noch bedingt für die Erzeugung von Lebensmitteln nutzbar. Verloren geht damit ein kostbares Ökosystem aus Humusboden und von Pflanzen-, Pilz- und Tiergemeinschaften, so komplex wie das der Tropenwälder und kaum weniger artenreich wie das der Korallenriffe.

Mit Landmaschinen, Kunstdünger und Unkrautvernichtungsmitteln greift der (Großraum-)Landbewirtschaftler in diesen empfindlichen Lebensraum ein. Auf dem Acker wird die obere Bodenschicht durchwühlt, verdichtet, überdüngt, verseucht, ausgelaugt und versalzen. Wenn keine Pflanzendecke den Oberboden schützt, wird die obere fruchtbare Bodenschicht durch Winderosion abgetragen und verweht und durch Starkniederschläge einfach weggespült.

Durch den Einsatz von schweren Maschinen wird der Boden zunehmend verdichtet, das Wasser kann nicht so schnell eindringen, es kommt zu Staulagen (große Wasserlachen auf den Feldern, wo die Pflanzen absterben), das Wasser aus Starkniederschlägen fliesst damit oberflächig ab und schwemmt dabei die Bodenkrume weg in die Flüsse und Seen. Durch zu hohen Gülleeintrag und Düngemitteleinsatz versauert oder versalzt der Boden und wird unfruchtbar.

Durch Einsatz von Pestiziden und Schädlingsbekämpfungsmitteln wird das Bodenleben abgetötet und die Kleinpflanzen, die als Nahrung dienen für Insekten, Kleinlebewesen und Vögel, werden vernichtet. Das Grundwasser wird damit zunehmend verunreinigt und ist in manchen Gebieten in Norddeutschland nur noch bedingt als Trinkwasser nutzbar.

Die wahre Bevölkerungsexplosion findet aber nicht mehr in den Städten statt, sondern in den Ställen. Rund 70 % aller landwirtschaftlich nutzbaren Flächen weltweit dienen der Fleischproduktion. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass derzeit auf 30 % der gesamten landwirtschaftlichen Flächen die Nahrungsmittel für die menschliche Ernährung angebaut werden.

Wenn wir also die Fleischproduktion einschränken, könnten wir uns erlauben, nicht mehr in der Ausschließlichkeit die industrielle Landwirtschaft mit der Großflächenbewirtschaftung, mit zu großen schweren Maschinen, mit den Monokulturen, mit dem zu hohen Düngemittel-, den Unkrautbekämpfungsmittel- und Biozideeinsatz zu verfolgen, sondern könnten weitaus mehr auf eine nachhaltige Landwirtschaft orientieren, auf die Herstellung gesunder Lebensmittel, also auf mehr Biolandwirtschaft setzen.

Weltweite Modetrends und ein sich wandelnder Lebensstil haben zu einem verstärkten Konsum und einer größeren Vielfalt an Modekleidung, Outdoor- und Sportbekleidung geführt. Beim Waschen werden kleinste Fasern und die wasserabweisenden Dichtungsmittel ausgespült und gelangen ins Abwasser oder ohne Abwasserreinigung gleich in die Umwelt, in die Böden, in die Flüsse und letztendlich ins Meer.

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