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Eigentlich wäre es an der Zeit, dass die Leipziger Wasserwerke endlich aufhören herumzujammern, dass die Leipziger – im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt – so wenig Wasser verbrauchen. Im jüngsten Jahresbericht aber haben es die Wasserwerke wieder getan, obwohl sie einen ordentlichen Unternehmensgewinn eingefahren haben, mit dem auch die Unterstützung der LVB durch die Stadtholding LVV abgesichert werden konnte. Dabei spielt das Stichwort Klimawandel im Unternehmensbericht durchaus eine Rolle.
Denn Wasserwerke müssen schon lange auf die Folgen der veränderten Klimaverhältnisse reagieren und ihre oft über 100 Jahre alten Anlagen umbauen und anpassen. Was die Wasserwerke auch tun. Seit ein paar Jahren steht das Ziel, jedes Jahr mindestens 1 Prozent der alten Leitungen (immerhin 3.621 Kilometer lang) zu ersetzen oder – im Fall der Abwasserkanäle – zu sanieren. Jedes Jahr.
Und das ist nicht der einzige Ausgabeposten, der sich in der Bilanz des Unternehmens niederschlägt: Das Klärwerk im Rosental wird massiv erweitert, um die Abwässer einer nach wie vor wachsenden Stadt Leipzig und ihres Einzugsgebiets auch künftig aufnehmen zu können und auch für Starkregenereignisse gerüstet zu sein.
Von den 124,7 Millionen Euro, die die Wasserwerke 2025 investiert haben, wurden allein 89,3 Millionen Euro in das Trink- und Abwassernetz investiert. 28,7 Millionen Euro flossen in die Werksanlagen – davon 7 Millionen in die Wasserwerke in Thallwitz und Canitz, die das Trinkwasser der Leipziger aus dem Muldegebiet nach Probstheida liefern, 21,7 Millionen Euro flossen in die Klärwerke – der Löwenanteil davon in das Klärwerk Rosental.
Wasserwerk im Klimawandel
Aber auch das Thema Schwammstadt beschäftigt die Wasserwerke. Das klingt im Bericht so: „Der Klimawandel, und die damit einhergehende Zunahme von Hitzeperioden und Starkregenereignissen führen zu einem noch stärkeren Fokus auf die Anpassung der wasserwirtschaftlichen Infrastrukturen an diese Entwicklung. Das Thema ‚Schwammstadt‘ als Reaktion auf die veränderten Bedingungen wird weiter an Bedeutung gewinnen.“
Sätze, die in die schöne Rubrik Schwammsätze gehören. Konkreter wird es leider nicht. Aber auch die Wasserwerke müssen ihren Teil dafür tun, das kostbare Regenwasser stärker im Stadtgebiet zurückzuhalten. Und gleichzeitig müssen die Abwasserkanäle so gesteuert werden, dass sie auch die Starkregen-Wassermengen aufnehmen können, ohne dass das Klärwerk im Rosental gleich geflutet wird. Eine Steuerung, die es in der 120-jährigen Geschichte der Leipziger Wasserwerke so nicht brauchte. Das erzwingen erst die heutigen Wetterextreme.
Gestiegener Trinkwasserverbrauch
Aber wie ist das nun mit dem Trinkwasserverbrauch der Leipzigerinnen und Leipziger? Waschen sie sich zu wenig?
Wahrscheinlich nicht. Immerhin setzten die Leipziger Wasserwerke im vergangenen Jahr 33,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ab, 25 Millionen Kubikmeter davon an die Bevölkerung und das Kleingewerbe und 4,3 Millionen an die Industrie und die Landwirtschaft. Geplant hatte man nur mit 32,8 Millionen Kubikmetern. Das heißt: Die Leipziger haben im Schnitt sogar mehr Trinkwasser verbraucht.
Aus Sicht des Unternehmens irgendwie trotzdem nicht genug: „So lag der Pro-Kopf-Tagesverbrauch im Versorgungsgebiet 1993 noch bei 115 Litern. Im Vergleich mit dem für 2025 durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) festgestellten bundesdeutschen Durchschnittswert von 123 Litern pro Person und Tag entspricht die Nutzung im Versorgungsgebiet der Wasserwerke mit 96 Litern pro Einwohner und Tag einem um 22 % geringeren Durchschnittsverbrauch. Der Durchschnittsverbrauch ist im zweiten Jahr in Folge gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Der Anstieg beläuft sich auf drei Liter pro Person und Tag, wobei dieser Wert teilweise durch statistische Effekte beeinflusst wird.“
Der Blick auf den Wasserverbrauch nach Bundesländern des BDEW mit den Daten von 2023 zeigt: Leipzig ist zumindest in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt keine Ausnahme. Sie alle haben einen Pro-Kopf-Verbrauch deutlich unter 100 Litern am Tag. Und auch Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern liegen signifikant unter dem Bundesdurchschnitt. Was zumindest die Vermutung nahelegt, dass der Trinkwasserverbrauch schlicht eine Geldfrage ist und die meisten Ostdeutschen aus guten Gründen möglichst sparsam beim Wasserverbrauch sind.
Einfluss von Hitze und Dürre
Es sind aber nicht nur statistische Effekte, die den Wasserverbrauch in Leipzig seit 2020 haben ansteigen lassen. Das Wetter macht inzwischen auch die Arbeit der Wasserwerke schwerer kalkulierbar. Der Jahresbericht formuliert das so: „In dem Zeitraum der vergangenen fünf Jahre hat sich aufgrund der stark zunehmenden Trockenheit auch sehr deutlich gezeigt, wie stark wetterabhängig die Wasserabgabe tatsächlich ist. Dieser Fakt und steigende Absatzspitzen wirken sich auf die Auslastung der technischen Anlagen der Wasserwerke aus.“
Die zunehmenden Hitze- und Dürreperioden lassen also auch in Leipzig den Wasserverbrauch deutlich steigen. Und bringen den Wasserwerken logischerweise auch höhere Umsätze, da sie ja mehr Trinkwasser absetzen können. Geplant hatten sie zwar mit 225 Millionen Euro, aber Rückstellungen wegen möglichen Umsatzrisikos in Höhe von 25 Millionen Euro haben das Ergebnis gedrückt. So wurden es nur 209 Millionen Euro nach fast 214 Millionen Euro im Vorjahr.
Was aber nichts daran ändert, dass die Leipziger Wasserwerke eine halbe Million Kubikmeter Trinkwasser mehr verkauft haben als im Vorjahr. Und das ist der eigentliche Faktor, der dazu geführt hat, dass auch der Gewinn des Unternehmens weiter hoch blieb – geplant hatte man mit 32,2 Millionen Euro, geworden sind es aber 37,3 Millionen. Freilich etwas weniger als 2024, als es 39,5 Millionen Euro waren.
Aber steigender Trinkwasserverbrauch bedeutet nun einmal auch, dass in den Wasserwerken mehr Wasser aus den Brunnen gepumpt werden muss. Ein zweischneidiges Schwert, wie nicht erst im Jahr 2026 die niedrigen Wasserstände in den Flüssen und der gesunkene Grundwasserspiegel zeigen. Wasser wird ein zunehmend knappes Gut. Weltweit, wie Mojib Latif in seinem jüngsten Buch „Wasser“ beschreibt. Neu ist lediglich, dass jetzt auch mitteleuropäische Regionen zunehmend von Wasserknappheit betroffen sind, die dieses Problem bisher nicht kannten.
Da werden wohl auch die Leipziger Wasserwerke irgendwann ihre Einschätzung des scheinbar zu geringen Wasserverbrauchs in Leipzig ändern.
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Es gibt 6 Kommentare
Zum Thema Schwammstadt: Leider sind die Sachverhalte oft etwas komplizierter als Mancher denkt. Bei der Abwasserberechnung erkennen die KWL versickerungsfähige Flächen auf den Grundstücken an. Komplett versiegelte Flächen werden mit der Niederschlagsmenge berücksichtigt. Die Ermittlung erfolgt über Satelittenaufnahmen. Das Regenwasser vom Dach kann zur Versickerung genutzt werden, da es wenig verschmutzt ist. Was bisher fehlt ist die Berücksichtigung und finanzielle Anerkennung bei Ableitung der Dachentwässerung in den umliegenden Boden vom Grundstück zur Versickerung. Dazu fehlt noch ein Kontrollmechanismus. Das Dachwasser muss nur weit genug vom Fundament entfernt mit Gefälle versickert werden, sonst bekommt das Gebäude eventuell Feuchtigkeitsprobleme im Keller oder Erdgeschoss.
Beim Straßenabwasser ist die Situation eine andere, da dieses Wasser durch Öle, Dreck und Reifenabrieb teilweise stark verschmutzt ist. Um diese Regenwässer versickern zu können, muss es erst gereinigt werden, dh. den Versickerungsflächen sind Klärflächen vorzuschalten. Diese Klärflächen müsen betreut und dürfen nicht überlastet werden.Und diese Flächen sind oft nicht im ausreichenden Umfang in den Bodensenken vorhanden.
Ja, die Bedingungen sind nicht rosig.
Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Wasser etwas zurückzuhalten und die Abflussspitze zu kappen, dass, was den Wasserwerken vielleicht die größten Probleme bereitet.
Wenn man bei solchen Einrichtungen Anleitungen und Unterstützung anbietet, könnte man evtl. Abwasserkanäle entlasten.
Bei den allermeisten bestehenden Mehrfamilienhäusern dürfte das unrealistisch sein. Die versiegelte Fläche zu groß und die Grundstücke zu klein und der Boden ist zu schlecht (Lehm), da funktioniert die Versickerung des Regenwassers nicht.
Gewiss seit ein paar Jahren.
Vermuten Sie mal 7-9 Tausend Gebäude (EFH+MFH), die das bisher betraf.
Dem dürften vielleicht 60 Tausend Bestandsgebäude gegenüberstehen, die Bestandsschutz genießen.
Meine damit: hier könnte man Potentiale heben, wenn die Kanalisation mittlerweile zu voll bei Regen ist.
Da kann man bitten, kann man nicht fordern, aber man kann motivieren.
Für alle Einfamilienhausneubauten in Leipzig ist die Versickerung des Regenenwassers auf dem eigenen Grundstück schon etliche Jahre Standart. Die KWL nehmen gestatten und bauen Schmutzwasser-Kanalanschlüsse. Regewasser von Dach und Dachrinne etc. muß versickert werden.
Nun, ein bisschen Kaffeesatzleserei ist das zurzeit (seit 2016) schon.
Seit 1990 mit ca. 147Liter/Tag/Kopf fiel der gesamtdeutsche Verbrauch auf ca. 123L/T/K um 2016.
Das kann man der generellen Sanierung und Modernisierung von Sanitäranlagen zuschreiben.
Seit dem verharrt es ungefähr dort, mit Schwankungen nach oben und unten.
Gründe waren z.B. die heißen Sommer, COVID und Homeoffice.
Es gibt tatsächlich ein Ost/West-Gefälle, also nicht nur in Sachsen verbraucht man weniger.
Hier sind mittlerweile die modernsten und sparsamsten Sanitäranlagen zu finden.
Der Sparwille trägt sicher auch etwas dazu bei.
Schwammstadt:
Hier wundere ich mich, warum man noch keine kommunalen Fördermittel auf den Weg gebracht hat?
Z.B. könnte man fachmännische Einrichtungen zum Versickern des Regenwassers im Boden bezuschussen oder bezahlen. Also Fallrohr in den Garten versickern lassen.
Hier müssen nur Sanierer oder Häuslebauer darauf achten – der Bestand bleibt, wie er ist.
Und deswegen müssen die Wasserwerke ihre Schwämme ausbauen, damit überschüssiges Mischkanalwasser bei Starkregenereignissen nicht in den Flüssen landet.