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Strom kommt aus der Steckdose. Spannend wird die Frage, wo die sich künftig befindet. Die Stadtwerke geben Antwort. Aufrechten Hauptes verabschiedet sich die GfZK von einer liebgewonnenen Förderung, eine Ausstellung zeigt Zukunftspläne für das Schulbiologiezentrum, die Wasserwerke laden in die Kanalisation ein. Und in der Riebeckstraße befasst sich eine Betroffeneninitiative mit Unrecht gegen Mädchen in der DDR.
Innovation für Auto-Strom
In Leipzig gehen Nutzer von Elektroautos künftig in die Knie. Die Stadtwerke stellen heute ihr entsprechendes Pilotprojekt vor und starten eine neue Form der Ladeinfrastruktur: sogenannte Ladebordsteine. An zwei ausgewählten Standorten in der Nähe des City-Rings (u. a. am Alten Amtshof 2) können Fahrer von Elektroautos ihre Fahrzeuge ab sofort über in den Bordstein integrierte Ladepunkte mit Strom versorgen.
Das Konzept orientiert sich an einem bundesweit beachteten Modellversuch der Stadt Köln, wo diese Systeme bereits im Einsatz sind. Die von dem Düsseldorfer Konzern Rheinmetall entwickelten, einen Meter langen und 80 Kilogramm schweren Ladebordsteine unterscheiden sich äußerlich kaum von herkömmlichen Bordsteinen.
Zum Laden wird das Fahrzeug neben dem Ladepunkt geparkt, die EC-Karte am Bordstein gescannt und anschließend das Ladekabel mit der im Boden integrierten Steckdose verbunden. Hintergrund der Leipziger Initiative ist die steigende Zahl von Elektrofahrzeugen in der Messestadt. Zum Jahresbeginn 2026 waren insgesamt 7.889 Fahrzeuge mit Elektromotor zugelassen. Ein Jahr zuvor waren es 6.571 – binnen eines Jahres ist der Bestand damit um gut 20 Prozent gestiegen. Anfang 2024 hatte die Zahl noch bei 5.534 gelegen.
Zudem sind die klassischen Ladesäulen mancherorts räumlich störend oder aus stadtgestalterischer Sicht nicht genehmigungsfähig. Die Steckdosen in der Fußwegkante benötigen kein umfangreiches Fundament, gelten als wartungsärmer und sollen, wie die herkömmlichen Säulen auch, in Navigationssystemen und Verkehrs-Apps angezeigt werden.
Kunst und knappe Kassen
Mit einer kleinen Feier am Abend verabschiedet sich die Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) heute von einem Förderprogramm, das über nahezu ein Vierteljahrhundert internationale Perspektiven nach Leipzig gebracht hat. Nach knapp 25 Jahren endet das gemeinsam von der GfZK und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (KdFS) getragene Stipendium für junge internationale Kuratorinnen und Kuratoren.
Seit 2001 vergab die Kulturstiftung die Förderung jährlich an der GfZK. Insgesamt 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 19 Ländern prägten in dieser Zeit das Museumsprogramm, entwickelten eigene Projekte und knüpften ein internationales Netzwerk, das weit über Leipzig hinausreicht. Das Ende dieses Programms markiert heute eine Veranstaltung im Auditorium der GfZK.
Nach Grußworten von Dr. Manuel Frey und Franciska Zólyom diskutieren ab 18 Uhr der aktuelle Stipendiat Simon Kurti sowie die ehemaligen Stipendiatinnen Eleni Michaelidi (2023–24) und Nini Palavandishvili (2009–10) über internationale Netzwerke und transkulturelles Kuratieren. Ab 19.30 Uhr schließt sich auf der Dachterrasse der GfZK ein Get-together mit Drinks und DJ-Set an.
Bis zum 23. August ist die Gruppenausstellung „Knoten der Zeit“ zu sehen, das letzte Projekt, das im Rahmen des Stipendiums entstanden ist. Der Titel der Ausstellung geht auf ein Zitat aus dem Buch „Dream Catalogue“ von Bjeshkë Guri und Lira Blakaj über die Traumdeutung im Kosovo zurück. Die Autorinnen untersuchen darin, wie kulturelle Annahmen und Traditionen Menschen prägen und Generationen miteinander verbinden.
Weshalb das Stipendium nach fast 25 Jahren eingestellt wird, erläutern weder die GfZK noch die Kulturstiftung in ihren öffentlichen Ankündigungen. Die Entscheidung fällt jedoch in eine Zeit erheblicher Einschnitte in der sächsischen Kulturförderung. Nach Angaben des Kulturministeriums standen der Kulturstiftung 2025 rund 1,7 Millionen Euro weniger zur Verfügung als 2024; zudem wurde auch der Landeszuschuss für die GfZK reduziert.
Ob diese Kürzungen unmittelbar zum Ende des Programms beigetragen haben, ist bislang nicht öffentlich bestätigt.
Aufarbeitung der Entrechtung von Mädchen in der DDR
Sie gehören zu den besonders dunklen Kapiteln der DDR-Unrechtsgeschichte: die geschlossenen Venerologischen Stationen. Forschungen, Archivfunde und Zeitzeuginnenberichte zeigen, dass diese Einrichtungen zwar offiziell der Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten dienten, in der Praxis jedoch vielfach auch zur Disziplinierung junger Frauen eingesetzt wurden.
Besonders gut dokumentiert sind die Stationen in Leipzig-Thonberg, Halle (Saale) und Berlin-Buch. Für Leipzig liegen im Stadtarchiv rund 5.000 Patientenakten aus den Jahren 1946 bis 1990 vor. Historiker werteten viele davon aus und kamen zu Ergebnissen, die das bisherige Bild deutlich verändern.
Während die Einrichtungen häufig mit der Behandlung von Prostituierten in Verbindung gebracht wurden, entfielen in der Leipziger Stichprobe für die Zeit von 1961 bis 1990 rund 52 Prozent der Einweisungen auf die Kategorie „Herumtreiberinnen“. Prostituierte machten dagegen lediglich etwa drei Prozent der Fälle aus.
Hinzu kamen Frauen, die als sogenannte HwG-Personen eingestuft wurden, also Personen mit „häufig wechselndem Geschlechtsverkehr“. Die Akten dokumentieren als Einweisungsgründe unter anderem „Arbeitsbummelei“, „Herumtreiberei“ oder wiederholtes Weglaufen. Besonders bemerkenswert: Viele der Betroffenen wurden offenbar gar nicht wegen einer nachgewiesenen Geschlechtskrankheit behandelt.
DDR-weite Zahlen für das Jahr 1968 nennen 2.763 Frauen, die in geschlossene venerologische Stationen eingewiesen wurden. Das Durchschnittsalter der Eingewiesenen sank in Leipzig von 22,6 Jahren vor 1961 auf 19,49 Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten. Mehr als die Hälfte der als „Herumtreiberinnen“ geführten Betroffenen war minderjährig.
Der Aufarbeitung dieses Unrechts widmet sich heute eine Veranstaltung der Reihe „Erzählcafé“ in der Leipziger Riebeckstraße 63. Dort befand sich bis zum Ende der DDR die hiesige geschlossene venerologische Station. Gemeinsam laden der Verein Riebeckstraße 63 e.V. und die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau um 16:30 Uhr ein und richten sich mit ihrem offenen Angebot an betroffene Frauen, deren Angehörige und alle Interessierten.
Das „Erzählcafé“ bietet die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen zu schildern, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen auszutauschen. Zugleich versteht sich das Format als Ort des Zuhörens und der gegenseitigen Unterstützung. Die Teilnahme erfordert keine Anmeldung und keinen Eintritt.
Bauentwürfe für Bio-Bildung
Im Leipziger Schulbiologiezentrum werden heute die Ergebnisse eines Architekturseminars der HTWK Leipzig vorgestellt, das sich mit der künftigen Entwicklung des Standorts am Schleußiger Weg befasst. Hintergrund ist der Plan, dort ein Bildungszentrum zu errichten. Vorgesehen ist ein moderner Lern- und Erlebnisort mit fächerübergreifenden Angeboten für unterschiedliche Altersgruppen.
Im Seminar von Prof. Frank Schüler haben Studierende des Masterstudiengangs Architektur Konzepte für die Weiterentwicklung des Areals erarbeitet. Die Entwürfe beschäftigen sich mit der Frage, wie sich Architektur, Natur und Bildung zu einem zukunftsfähigen Lernort verbinden lassen. Grundlage der Planungen ist der sogenannte „Whole Institution Approach“, die ökologischen, soziokulturellen und ökonomischen Aspekte zusammenführt.
Ziel ist ein nachhaltig gestalteter Neubau am Standort des Botanischen Lehrgartens der Stadt Leipzig. Die entwickelten Visionen werden in der Ausstellung „Zukunft sichtbar machen“ präsentiert. Zu sehen sind sowohl Architekturmodelle als auch digitale Entwürfe, die Besucherinnen und Besucher über ein Tablet erkunden können.
Die Ausstellung ist heute, 20. August, von 15 bis 17 Uhr kostenfrei im Schulbiologiezentrum Leipzig im Botanischen Lehrgarten, Schleußiger Weg 1, zu sehen. Während der Ausstellungszeit steht der Leiter des Schulbiologiezentrums, Sebastian Hänsel, für Gespräche über das Vorhaben zur Verfügung.
Das Schulbiologiezentrum umfasst die Bereiche Freiluft-, Botanik- und Zooschule sowie den Botanischen Lehrgarten. Dieser dient seit mehr als 130 Jahren als außerschulischer Lernort. Die geplante Weiterentwicklung des Geländes ist langfristig in der Leipziger Schulbaustrategie verankert.
Ganz unten
Dieser Stadtrundgang wird unterirdisch! Er findet zwar erst kommende Woche statt, da aber die Plätze so knapp sind wie mitunter das Klopapier, empfiehlt sich schon heute eine Anmeldung. Anlässlich des Tages des Toilettenpapiers laden die Leipziger Wasserwerke am Mittwoch, 26. August, zu einem besonderen Blick unter die Erdoberfläche ein und bitten in die städtische Kanalisation.
Geführte Touren zeigen das Abwassersystem und liefern Informationen dazu, was in die Toilette gehört – und was nicht. Gemeinsam mit Experten der Leipziger Wasserwerke steigen die Teilnehmer über ein Schachtbauwerk direkt in die Kanalisation hinab.
Während der etwa einstündigen Rundgänge wird erläutert, wie das Leipziger Kanalnetz arbeitet, welche Aufgaben dort täglich anfallen und welche Bedeutung eine funktionierende Abwasserentsorgung für das Leben in der Stadt hat. Die Führungen starten zwischen 11 und 14 Uhr jeweils zur vollen Stunde. Treffpunkt ist auf dem Richard-Wagner-Platz vor den Höfen am Brühl.
Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine vorherige Reservierung unter www.L.de/nahdran erforderlich, solange noch freie Plätze verfügbar sind. Wer an einer der Führungen teilnehmen möchte, muss mindestens 12 Jahre alt und 1,50 Meter groß sein. Außerdem werden Trittsicherheit, eine gute körperliche Verfassung sowie die Fähigkeit vorausgesetzt, sich in engen und dunklen Räumen sicher zu bewegen. Der Zugang erfolgt über einen Kanalschacht mit einer Öffnung von rund 60 Zentimetern Durchmesser. Die erforderliche Schutzausrüstung stellen die Leipziger Wasserwerke zur Verfügung.
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