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Wasserfest, Schönauer Parkfest (u.a. mit ROCKHAUS), KlimaFAIR und FLINTA*-Lesebühne (mit Sarah Lesch) im Grassi – langweilig wird das Wochenende nicht. Fahrt nimmt eine Straße auf, die neu strukturiert wurde und dringend gebraucht wird. Bei aller Freude auch wichtig: am Sonntag erinnert ein Gedenkgottesdienst an Pfarrer Oskar Brüsewitz und dessen Selbstverbrennung vor 50 Jahren.
Verkehr rollt wieder durch die Harkortstraße
Diese Straße befindet sich zeitlebens vor Gericht. Und trotzdem ist sie ab heute frei! Nach knapp drei Monaten Bauzeit wird die Harkortstraße wieder für den Verkehr geöffnet. Die zwischen Bundesverwaltungs- und Landgericht gelegene Straße ist ein entscheidendes Nadelöhr für den Verkehr zwischen City und Südraum.
Neben einer neuen Asphaltdecke und zusätzlichen Radfahrstreifen wurden auch die Trinkwasserleitungen erneuert, insgesamt rund 640.000 EUR investiert. Seit dem 8. Juni hatten die Leipziger Wasserwerke auf einer Länge von rund 110 Metern zwischen Martin-Luther-Ring und Floßplatz die Trinkwasserleitungen modernisiert sowie querende Leitungen im Straßenbereich zurückgebaut.
Im Anschluss sanierte das Mobilitäts- und Tiefbauamt die Fahrbahndecke der stark belasteten Harkortstraße zwischen Riemannstraße und Martin-Luther-Ring. Dabei wurden unter anderem Schachtaufsätze, Straßenabläufe und Verkehrsschilder erneuert sowie neue Fahrbahnmarkierungen aufgebracht.
Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit entstanden zudem in beiden Fahrtrichtungen neue Radfahrstreifen bis zur Paul-Gruner-Straße. In einer Mitteilung betont Michael Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes, die Bedeutung der Maßnahme: „Mit der Deckensanierung ist natürlich der Komfort und die Sicherheit für den Kfz-Verkehr auf dieser wichtigen Verbindungsachse zwischen der Innenstadt und dem Leipziger Süden wieder gegeben. Zentral ist jedoch, dass nun eine seit Jahrzehnten bestehende Lücke im Hauptnetz des Radverkehrs fast ganz geschlossen werden konnte. Viele Radfahrende haben sich hier nicht in den vierspurigen Kfz-Verkehr getraut. Mit den eigenen Radfahrstreifen gibt es jetzt eine Verkehrsführung, mit der die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden verbessert wird.“
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadt auf der Harkortstraße einen stadtauswärtigen Radfahrstreifen vom Ring bis vor die Beethovenstraße eingerichtet. Dieser wurde nun beidseitig bis zur Paul-Gruner-Straße verlängert.
Für das kommende Jahr ist vorgesehen, die noch bestehende Lücke zwischen Paul-Gruner-Straße und Wundt-/Dufourstraße zu schließen. Ein genaues Auge auf Autofahrer wird der neu errichtete Blitzer an der Ecke zur Straße des 17. Juni haben. Zu schnelle Fahrt oder Farbenblindheit führen künftig zu kostspieligen Erinnerungsfotos.

Parkfest mit ROCKHAUS und mächtig viel Trubel
Wenn im Schönauer Park Musik erklingt, Kinder über das Festgelände toben und der Duft von Leckereien in der Luft liegt, muss es sich um die größte Stadtteilparty im Leipziger Westen handeln. Das Schönauer Parkfest lädt ab heute zu einem abwechslungsreichen Wochenende mit Unterhaltung für die ganze Familie ein.
Eröffnet wurde das Fest bereits gestern mit einem Open-Air-Kino, bei dem der Filmklassiker „La Boum“ zu sehen war. Auf dem Markt der Möglichkeiten stellen sich soziokulturelle Akteure vor und bieten Mitmach- und Bastelaktionen an. Zentrum des Schönauer Festes ist die große Parkfest-Bühne, auf der Tanz, Gesang und Show geboten werden. Zu den Höhepunkten zählt mit Sicherheit am Samstagabend der Auftritt der DDR-Kultband ROCKHAUS. Die ging 1978 aus zwei Schulbands hervor.

Zunächst am New Wave orientiert, entwickelte die Band einen trockenen, raueren Stil und griff mit Songs wie „Mich zu lieben“ gesellschaftliche Spannungsfelder auf, die im öffentlichen Diskurs der DDR meist tabuisiert wurden. Das Album „Gnadenlose Träume“ thematisierte sowohl die Freude über das Überwinden der Teilung („Mitten im November“) als auch die Angst vor aufkommendem Nationalismus („Die Reichsadler fliegen“).
Eine ganz besondere Verbindung zu Leipzig hat Rockhaus-Gitarrist Reinhard Petereit. Der gastierte 2003 am Leipziger Schauspiel in dem Stück „Sterne über Mansfeld“ (Armin Petras). Protagonist Tomas fristet sein Leben als Versicherungsvertreter, ist dessen müde und träumt von einer Zukunft als Rockstar. Zornig über sich selbst und sein Umfeld gibt er die Parole aus: „Dann geh ich eben nach Berlin, zu Reini. Zu Reini von Rockhaus“.
Und dann passierte etwas, bei dem sich vor allem jene die Augen rieben, die Rockhaus kannten. Reini höchstselbst betritt die Bühne und gehört damit zu den wenigen Rockstars, die sich auf einer Theaterbühne selbst spielen konnten.
Das gesamte und durchaus üppige Programm des Schönauer Parkfestes gibt’s HIER ONLINE. Tickets für die nunmehr zehnte Auflage des HipHop-Spektakels „Beatz im Block“ (heute um 17 Uhr) gibt es HIER ONLINE und an der Abendkasse. Der Eintritt zu den Veranstaltungen am Sonnabend und Sonntag ist frei.

Ein Sommerabend mit Zukunftsideen und Sarah Lesch
Musikalisch geht’s heute auch beim GRASSI-Sommer zu. Dort lädt die Leipziger Liederszene zu ihrer ersten FLINTA*-Lieder-Lesebühne unter dem Titel „Mut & Würde – und du?“ ein. Im Mittelpunkt des Abends stehen Fragen nach persönlichen Wünschen, gesellschaftlichen Visionen und den Perspektiven einer gleichberechtigten Zukunft.
Die Initiatorinnen Masha Potempa und Marsha Richarz wollen gemeinsam mit dem Publikum zentrale Herausforderungen der Gegenwart beleuchten und Ideen für eine gerechtere Gesellschaft entwickeln. Dabei kommen bekannte Stimmen der Liederszene zu Wort, die ihre Sichtweisen und Zukunftswünsche vorstellen.
Zu den Gästen zählt Sarah Lesch, die mit inzwischen sechs Alben und zahlreichen Auszeichnungen erfolgreich zur neuen deutschen Liedermacherszene gehört. Die Preisträgerin des Troubadour Chansonpreises, des FM4 Protestsongcontests, des Preises der Hanns-Seidel-Stiftung sowie des Udo-Lindenberg-Hermann-Hesse-Panikpreises ist für ihre lyrischen und gesellschaftspolitischen Texte bekannt. Als Gastgeberinnen stehen zwei profilierte Künstlerinnen der Leipziger Szene auf der Bühne.
Marsha Richarz ist als Autorin, Bühnenpoetin und Moderatorin bekannt und beschäftigt sich in ihren Texten mit Themen wie Leben, Feminismus, Körperbildern und Alltagsbeobachtungen. Politische Inhalte verbindet sie dabei mit Humor, Charme und satirischen Elementen. Masha Potempa setzt auf feinsinnige Poesie, leisen Humor und eine genaue Beobachtungsgabe.
Karten sind an der Abendkasse des Grassi-Museums für 12 Euro ermäßigt beziehungsweise 15 Euro zum Vollpreis erhältlich. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr.
Ein Wochenende für Wasser und Klima
Gleich zwei Veranstaltungen rücken in Leipzig Wasser, Umwelt und nachhaltige Stadtentwicklung in den Mittelpunkt. Von Freitag bis Sonntag lädt das 26. Leipziger Wasserfest an zahlreiche Stationen zwischen Stadtzentrum, Karl-Heine-Kanal und Lindenauer Hafen ein. Besonders am Sonnabend gibt es ab 10 Uhr ein umfangreiches Familien- und Mitmachprogramm mit Wasserexperimenten, Bootsangeboten, Blaulichtmeile, Musik und Aktionen am und auf dem Wasser.
Ebenfalls am Sonnabend findet von 13 bis 22 Uhr auf dem Leipziger Markt die KlimaFAIR 2026 statt. Initiativen, Vereine und Organisationen informieren dort über Klimaschutz, Nachhaltigkeit und soziale Fragen. Auf der Bühne geht es unter anderem um Tierrechte, Familienplanung in der Klimakrise, kommunale Transformation und die Leipziger Oberbürgermeisterwahl.
So bieten beide Veranstaltungen auf unterschiedliche Weise Gelegenheit, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Leipzig seine natürlichen Lebensgrundlagen schützen und die Stadt zukunftsfähig gestalten kann.
Gedenken an Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz
Zum Abschluss einer Gedenkwoche anlässlich des 50. Jahrestages der Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz (1929–1976) findet am Sonntag um 13 Uhr in der Kirche Rippicha (Brüsewitz’ einstige Wirkungsstätte) ein Gedenkgottesdienst statt. Die Predigt hält Regionalbischof Dr. Johann Schneider.
Von 1964 bis 1969 besuchte Brüsewitz die Predigerschule in Erfurt. 1970 wurde er ordiniert und übernahm die Pfarrstelle in Rippicha bei Zeitz. Dort fiel er durch eine intensive Jugendarbeit und ungewöhnliche öffentliche Aktionen auf. Mit weithin sichtbaren Losungen warb er für den christlichen Glauben und wandte sich gegen die Einschränkung kirchlicher Arbeit in der DDR. Dadurch geriet er zunehmend in Konflikt mit staatlichen Stellen und wurde vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht.
Am 18. August 1976 fuhr Brüsewitz zur Michaeliskirche nach Zeitz. Auf seinem Auto brachte er Plakate an, auf denen er den Kommunismus wegen der Unterdrückung von Kirche sowie von Kindern und Jugendlichen anklagte. Anschließend übergoss er sich mit Benzin und setzte sich selbst in Brand. Vier Tage später, am 22. August 1976, starb der 47-Jährige in einem Krankenhaus in Halle an seinen Verletzungen.
Die DDR-Führung versuchte anschließend, Brüsewitz als psychisch auffälligen Einzelgänger zu diffamieren. Seine Tat löste jedoch deutschlandweit Diskussionen über Religionsfreiheit, das Verhältnis von Staat und Kirche und die Situation von Christen in der DDR aus. Auch innerhalb der evangelischen Kirche führte sie zu heftigen Debatten.
Die damalige Kirchenleitung lehnte die Selbsttötung ausdrücklich ab, wollte Brüsewitz selbst aber nicht verurteilen. Der Widerstand des Pfarrers entstand aus einer tiefen christlichen Überzeugung heraus und war letztlich die Reaktion auf jahrelange Repression durch das herrschende Regime. Seine Selbstverbrennung gilt heute als eine der aufsehenerregendsten Protestaktionen gegen die SED-Diktatur und als wichtiges Ereignis in der Vorgeschichte der späteren DDR-Opposition.

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