Es gibt sie noch, die über 100 Jahre alten Straßen mit Kopfsteinpflaster. Sie sind deutlich haltbarer als Asphaltstraßen. Aber haben auch ihre Tücken. Bislang hat die Stadt das Kopfsteinpflaster immer komplett durch Asphalt ersetzt, wenn die Straße umgebaut wurde. Aber eigentlich ist das nicht mehr nötig, stellte ein SPD-Antrag zur Ratsversammlung am 30. September fest. Denn man kann das Pflaster auch abfräsen. Und schon hat man richtig Fahrkomfort, wie SPD-Stadtrat Marius Wittwer für diesen Antrag warb.
Berlin, Münster und Neumarkt in der Oberpfalz haben schon vorgelegt, stellte der SPD-Antrag fest. „In Berlin im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, in Brandenburg an der Havel und unter anderem in Eichwalde wurden Pilotprojekte im sogenannten Grinding-Verfahren realisiert. Bislang schwer befahrbare Pflasterstraßen wurden geschliffen und durch eine eingeschliffene Wellenstruktur deutlich griffiger und damit gerade bei feuchter Witterung sicherer gemacht.
Die Verkehrssicherheit wird dadurch deutlich erhöht. Ebenso bleibt bei diesem Verfahren die Oberfläche der Straße erhalten und muss nicht ersetzt werden. Die innovative Methode bietet so die Möglichkeit, besonders denkmalgeschützte Kopfsteinpflasterflächen, wie beispielsweise in der Leopoldstraße, mit deutlich weniger Aufwand aufzuwerten.
Ein deutlicher Effekt der Methode ist zudem die deutliche Minderung von Fahrgeräuschen. Zudem kann Regenwasser weiterhin versickern, da keine Asphaltschicht aufgetragen, oder das Pflaster durch jene ersetzt werden muss, um die genannten Effekte zu erreichen.“
In der Holbeinstraße hätte man dieses Precision-Grinding-Verfahren schon anwenden können, stellte Wittwer fest. Aber dafür kam das Verfahren wohl zu spät.
Aber ein Pilotverfahren könne Leipzig ja auf den Weg bringen.
Doch eigentlich steht derzeit gar keine Pflasterstraße zur Sanierung an, hatte das Mobilitäts- und Tiefbauamt in seiner Stellungnahme festgestellt, auch wenn es die Anwendung des Verfahrens begrüßte: „Derzeit existiert keine Maßnahme des Rahmenplans zur Umsetzung der Leipziger Mobilitätsstrategie, die für das Precision-Grinding-Verfahren geeignet ist.
Durch die Verwaltung wird daher geprüft, welche der vorhandenen Pflasterstraßen in Leipzig unter Berücksichtigung der notwendigen Rahmenbedingungen für die Anwendung des Precision-Grinding-Verfahrens geeignet ist. Zudem wird geprüft, ob die Durchführung eines Pilotprojektes außerhalb des Rahmenplanes zur Umsetzung der Leipziger Mobilitätsstrategie finanziell eingeordnet werden kann.“
Eine Prüfung sagte es trotzdem zu. Mehr war eigentlich nicht drin. Denn Geld für ein Pilotprojekt hat Leipzig eigentlich nicht. Weshalb AfD-Stadtrat Udo Bütow den Vorschlag der Verwaltung zur Abstimmung stellte. Doch das lehnte die Ratsmehrheit am 30. September mit 30:31 Stimmen knapp ab.
Sobald mal wieder Geld dafür da ist
Zustimmung fand dafür der neugefasste Antrag der SPD-Fraktion, der immerhin eine deutliche finanzielle Einschränkung enthielt: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, ein Pilotprojekt zur Behandlung von Natursteinpflaster durch Schleif- bzw. Frästechnik nach dem Vorbild der Projekte in Brandenburg an der Havel, Berlin und Eichwalde durchzuführen.
Als Modellflächen sollen vorzugsweise schlecht befahrbare gepflasterte Straßenabschnitte gewählt werden, die bislang eine Barriere für sicheren und komfortablen Verkehr darstellen, und solche Abschnitte, von denen durch Befahrung hohe Lärmemissionen ausgehen.
Ansässige Forschungseinrichtungen sind in das Projekt mit einzubeziehen.
Über die Ergebnisse wird vorrangig der Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau informiert.
Die Durchführung erfolgt, sobald die haushalterischen Voraussetzungen der Stadt Leipzig hierfür gegeben sind.″
Was dann wieder deutlich machte, wie die desolate Finanzpolitik des Bundes Kommunen sogar an solchen niederschwelligen Maßnahmen hindert, die für die Verkehrsteilnehmer die Bedingungen konkret verbessern können.
Im Prinzip ewig
„Viele Kopfsteinpflasterstraßen in unserer Stadt sind schwer zu befahren, unkomfortabel und laut. Dabei haben sie auch gewaltige Vorteile: Eine gut verlegte Pflasterstraße hält im Prinzip ewig. Eine Asphaltdeckschicht ist manchmal schon nach 10 oder 15 Jahren hinüber. Mit diesem neuen Verfahren können so gut wie alle Nachteile von Natursteinpflasterstraßen beseitigt werden. Außerdem kann durch die Fugen der Pflasterung auch ein Teil des Regenwassers versickern“, brachte Marius Wittwer, der Sprecher für Stadtentwicklung der SPD-Fraktion, die Vorteile des Verfahrens auf den Punkt.
Bei dem Verfahren werden mithilfe einer Fräsmaschine Rillen in das Pflaster gefräst, um Flächen zu ebnen und die Griffigkeit zu verbessern. Man könne auch einfach nur die Radstreifen derart befahrbar machen oder Abschnitte für Fußgänger.
„Rollgeräusche von Fahrzeugen werden reduziert, der Fahrkomfort aller Verkehrsteilnehmer erhöht. Zugleich kann es auch wirtschaftlicher sein, eine Straße abzufräsen, statt sie für viel Geld umzubauen“, so Wittwer, der sich über das positive Votum für den SPD-Antrag freute. „Ich freue mich sehr über die Zustimmung! Nun kann in einem Pilotprojekt eine geeignete Fläche identifiziert und tatsächlich abgefräst werden.″
Vielleicht geht es trotzdem nicht ganz so schnell. Weshalb Kristina Weyh, Fraktionsvorsitzende der Grünen, empfahl, lieber kein extra Pilotprojekt aufzulegen, sondern das Verfahren einfach anzuwenden, wenn ohnehin so eine Pflasterstaße auf dem Programm steht. Dann wären es zumindest keine Extrakosten, die im Haushalt nicht finanzierbar wären.
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