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Nach intensiven Jahren der Vorbereitung, der Planung und des Baus war es am Freitag, dem 2. Oktober, endlich so weit: Das Sellerhäuser Viadukt zwischen Brücke Liselotte-Herrmann-Straße und Brücke Theodor-Neubauer-Straße konnte als erster Teil des Sellerhäuser Bogens eröffnet werden. Wo früher Züge fuhren, können künftig Menschen unterwegs sein, verweilen und den Leipziger Osten aus einer neuen Perspektive erleben.

Und das taten sie am Samstag schon ausgiebig. Denn so einen Ausblick über den Leipziger Osten mit hoher Aufenthaltsqualität gab es bislang noch nicht. Fast vergessen ist nun die lange, sehr lange Anlaufzeit, um dieses besondere Projekt zu verwirklichen.

Dank der besonderen Bepflanzung wurde aus dem nicht mehr Bahndamm ein neuer grüner Stadtraum mit viel Aufenthaltsqualität.

Und dann wurde das Dezernat Stadtentwicklung und Bau ganz poetisch, wenn es gleich mal stolz über den Großen Teich schaut: „Warum den Vergleich mit New York scheuen? Leipzig hat jetzt auch einen High Line Park: Der Höhenpark auf dem Sellerhäuser Viadukt ist seit dem heutigen Freitag, 2. Oktober, fertiggestellt. Auf der früheren Bahntrasse lädt er ab sofort zum Joggen, Radfahren, Treffen und Entspannen ein – mit einer sensationellen Aussicht in gut acht Metern Höhe.“

Auf dem Sellerhäuser Viadukt. Foto: Lucas Böhme
Auf dem Sellerhäuser Viadukt. Foto: Lucas Böhme

Der Parkbogen Ost

Das Viadukt ist ein zentraler Abschnitt des Parkbogens Ost, der den Leipziger Osten künftig auf rund acht Kilometern als grünes Aktivband umschließen soll. Es zeigt beispielhaft, wie ungenutzte Infrastruktur für die Zukunft der Stadt neu gedacht werden kann.

Oberbürgermeister Burkhard Jung sagte zur Eröffnung der gestalteten Trasse: „Zwischen einer Vision und einer Schnapsidee liegt manchmal nur ein schmaler Grat. Aber hier hat eine Initiative von Bürgern die Verwaltung und den Stadtrat für ihre Idee begeistert – und jetzt durchschreiten wir diese Vision gemeinsam. Aus einem ehemaligen Bahnbauwerk ist ein grüner, öffentlicher Stadtraum geworden – der positiv auf das Stadtklima einzahlt, neue Wege für das Quartier öffnet und eine auch für Leipzig einmalige Aufenthaltsqualität bietet.“

Auf dem Sellerhäuser Viadukt. Foto: Lucas Böhme
Auf dem Sellerhäuser Viadukt. Foto: Lucas Böhme

In den vergangenen Jahren wurde das Viadukt – das 250 Meter lange und 8,80 Meter breite Baudenkmal mit den markanten Natursteinbögen – fachgerecht saniert. Ein prägendes neues Gestaltungselement ist dabei das Grün: 58 klimaangepasste Bäume, 6.500 Stauden und Gräser sowie zahlreiche Sträucher und Geophyten, also mehrjährige Pflanzen mit Zwiebeln, wurden auf dem Viadukt gepflanzt. Dafür kommen speziell entwickelte Pflanztröge und wasserspeicherndes Substrat zum Einsatz. Das Regenwasser wird gesammelt und für die Bewässerung wiederverwendet.

Das Viadukt wird zu einem klimaangepassten Freiraum, der auch bei heißeren und trockeneren Sommern zum Verweilen einlädt.

Planungen seit 2019

Die Idee des Parkbogens entstand ursprünglich aus der Stadtgesellschaft und wurde über viele Jahre gemeinsam mit Bürgerinnen, Planern, Mitarbeiterinnen der Verwaltung und weiteren Partnern weiterentwickelt. Das nun fertiggestellte Viadukt ist deshalb auch ein Ergebnis dieses langen gemeinsamen Prozesses. Als Gewinnerin des freiraumplanerischen Wettbewerbs zur Gestaltung des Höhenparks begleiten Sinai Landschaftsarchitekten seit 2019 den Planungsprozess rund um den Parkbogen Ost.

Die Kosten für den abgeschlossenen Bauabschnitt belaufen sich auf rund 8,1 Millionen Euro. Finanziert wurden diese zu zwei Dritteln aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“, die verbleibenden 2,6 Millionen Euro durch die Stadt.

Auf dem Sellerhäuser Viadukt. Foto: Lucas Böhme
Auf dem Sellerhäuser Viadukt. Foto: Lucas Böhme

An die Freigabe des Viadukts schließt der nächste Teil des Parkbogens an: Der rund 450 Meter lange Gartenpark zwischen Liselotte-Hermann-Straße und Theodor-Neubauer-Straße soll ab Ende des Jahres umgesetzt werden. Auch die Arbeiten in Richtung Norden gehen voran. Die neue Brücke über die Eisenbahnstraße soll noch in diesem Jahr fertig werden, die Weiterführung zum Volksgarten sowie die Querung über die Torgauer Straße starten im kommenden Jahr.

Gestartet ist der Ausbau des alten, 1.500 Meter langen Bahndammes zum Parkbogen Ost 2022. Kostensteigerungen führten dann dazu, dass sich die Stadt erst einmal auf die Herstellung des Sellerhäuser Viadukts konzentrierte.

Für den Abschnitt zwischen Volksgarten und Portitzer Straße (Nordspange) sind die Planungen gerade gestartet, denn da geht es dann auch darum, dass Radfahrer dort den Bahnbogen Richtung Innenstadt verlassen können.

Und offen ist auch noch die Umgestaltung des Polygraphplatzes an der ehemaligen Feuerwache Ost.

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