Der April ist eingeläutet. Und traditionell begann er mit dem Tag, an dem die Scherzkeks-Bäckerei auf Hochtouren läuft. Doch nicht alles war „April, April!“ an diesem Monatsersten. So schraubten fleißige Menschen unbeirrt weiter an der Umsetzung großer Vorhaben – der Begrünung des Parkbogens Ost, zum Beispiel, oder auch an der gemeinsamen Olympiabewerbung mit Berlin. Und: Ministerpräsident Kretschmer weilte auf Leipzig-Besuch. Die LZ fasst zusammen, was am Mittwoch, dem 1. April 2026, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.
Baumstarker Viadukt in Sellerhausen
Statt um den Leipziger Osten einen großen Bogen zu machen, baut die Stadt aktuell einen grünen Bogen mitten hinein. Den Parkbogen Ost. Dieser verbindet künftig in der Kernstrecke das Stadtzentrum mit fünf Stadtteilen im Leipziger Osten. Auf acht Kilometern entsteht dabei letztlich ein Geh- und Radweg mit verschiedenen Freizeit- und Erholungsbereichen – und vor allem viel Grün. Denn zentraler Bestandteil des Projektes ist die Förderung des Naturraums in der Stadt, der die grüne Infrastruktur sichert, erweitert und an die Herausforderungen des Klimawandels anpasst.
Eine Art Herzstück stellt dabei der über 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Sellerhäuser Viadukt dar. Dieser spannt sich – 250 Meter lang – über die Wurzner Straße und flankiert die Sportanlage des SV Leipzig Ost. Früher ratterten hier Züge entlang, heuten werden Bäume darauf gepflanzt. Bis Ende des Monats April sollen 58 Stück davon in die Erde, zum Beispiel Feldahorn, Schnurbaum, Gleditschie oder Hainbuche. Gesellschaft bekommen diese von 90 Sträuchern, 6.500 Stauden und Gräsern sowie 23.000 Geophyten, also mehrjährigen krautigen Pflanzen, wie Narzissen, Hyazinthen oder Kaiserkronen.
Mit Heiko Rosenthal (Umwelt, Klima, Ordnung und Sport) sowie Thomas Dienberg (Stadtentwicklung und Bau) verschafften sich am heutigen Mittwoch gleich zwei Leipziger Bürgermeister vor Ort einen Eindruck vom aktuellen Stand der Arbeiten. Gemeinsam mit einigen Stadträt/-innen halfen sie symbolisch bei der Pflanzung einer Blasenesche, die per Kran aus luftiger Höhe heranschwebte und eingesetzt wurde. Für Deutschland ist es ein bisher einmaliger Vorgang, dass auf einer Brücke Bäume eingepflanzt werden.
„Aus einer Idee aus der Bürgerschaft wurde ein Plan auf Papier und aus Konzepten wächst nun buchstäblich neues Grün“, wurdigte Baubürgermeister Dienberg das Projekt. „Den Leipziger Osten mit dem Rad zu umrunden und alten Gleisanlagen eine neue Funktion zu geben, nimmt Schritt für Schritt Gestalt an – wird erlebbar, begehbar, lebendig. Das Projekt wird kontinuierlich mit der Bürgerschaft zusammen entwickelt und durch Gelder von EU, Bund, Land und der Stadt Leipzig realisiert. Das ist das Ergebnis erfolgreicher integrierter Stadtentwicklung.“
Auch Umweltbürgermeister Rosenthal ist angetan von diesem Konzept: „Jeder neue Baum, jedes neue Stück Natur zählt – auch an außergewöhnlichen Standorten. Die Anpassung an den Klimawandel und der Artenrückgang erfordert innovative, widerstandsfähige und nachhaltige Lösungen in der Freiraumgestaltung. Das Besondere an diesem neuen grünen Stadtraum ist, dass wir nicht mehr genutzte Infrastruktur neu denken und weiterentwickeln. Neben den in einer Baumschule herangezogenen Bäumen werden an diesem speziellen Standort eine Vielzahl an Sträuchern gepflanzt sowie einladende Bereiche zum Begegnen, Bewegen und Erholen angelegt.“
Berlin + Leipzig = Olympia?
„Leipzig bewegt“ – heißt die Kampagne, mit der die Messestadt ab sofort für die gemeinsame Olympiabewerbung mit Berlin mobil machen und Begeisterung wecken will. Verschiedene Plakatmotive sollen die Straßen zieren – und das Team Stadtverwaltung wird mit den Kampagnen-Shirts beim Firmenlauf am 17. Juni durch die Stadt flitzen.
Vorgestellt wurde der aktuelle Stand heute bei einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der RB-Arena von Kaweh Niroomand (Olympiabeauftragter des Landes Berlin), Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Olympiabeauftragter der Stadt Leipzig) und Markus Otto (DHL – Flughafen Leipzig; Vorstandsvorsitzender „Gold for Leipzig“). Die Fäden der Moderation hielt Franziska Schenk in den Händen. Sie hatte 1994 im Eisschnelllauf selbst schon Olympia-Bronze gewonnen.
Selbstbewusstsein war auf jeden Fall ausreichend im Raum. Der Slogan „Berlin gewinnt Olympia – mit Leipzig“ lässt an der Erwartung keinen Zweifel aufkommen, den Zuschlag als deutscher Ausrichter zu erhalten. „Man muss die die stärkste Mannschaft aufs Feld schicken, und das ist eindeutig Berlin!“, winkte der Berliner Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand mit dem rhetorischen Zaunspfahl in Richtung des DOSB. Denn dessen Mitgliederversammlung kürt am 26. September den Kandidaten, der schließlich für Deutschland ins internationale Bewerber-Rennen geschickt wird.
Berlin ist Weltmetropole und eine hippe Stadt, die für die Jugend interessant ist, so Niroomand. Er ist überzeugt: „Wir können das!“. Rückenwind geben ihm die Ergebnisse einer Dimap-Umfrage, laut der sich eine deutliche Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen haben. Bis zum 4. Juni müssen die Städte nun ihre Konzepte perfektionieren und beim DOSB einreichen. Und dann bleibt nur noch, mit großer Hoffnung der Entscheidung Ende September entgegenzufiebern.
Ministerpräsident Kretschmer auf Leipzig-Besuch
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte heute beruflich in Leipzig zu tun. Gemeinsam mit Jan Tombiński, Geschäftsträger a.i. der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Skadi Jennicke (Die Linke), Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig sowie Prof. Dr. Andreas Korbmacher, Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, eröffnete er in den Räumlichkeiten des Gerichts eine Ausstellung zur Geschichte des „Warschauer Aufstands 1944“. Unser LZ-Kollege Thomas Köhler war beim Vor-Ort-Termin präsent und wird in einem eigenen Beitrag detaillierter von dieser Veranstaltung berichten.

Seine Leipzig-Visite ergänzte MP Kretschmer mit zwei weiteren Besuchsterminen. Am frühen Nachmittag war er zunächst Gast bei der feierlichen Eröffnung des R42 Game Hub in der Ritterstraße, in deren Zuge auch der Unternehmensverband Digitalwirtschaft Sachsen gegründet wurde. Danach ging es für den Ministerpräsidenten im Informations- und Kulturzentrum der Roma und Sinti in Leipzig weiter. Dort informierte er sich über die Arbeit des Vereins sowie das Leben der Roma und Sinti in Sachsen.
Worüber die LZ heute berichtet hat:
Hallo Leipzig: So startet Mittwoch, der 1. April 2026
Neuer Versuch nach sechs Jahren: Landgericht arbeitet brutalen Überfall in Sellerhausen neu auf
Vögel und Glasscheiben, eine toxische Beziehung: Gespräch mit Dr. Marten Winter vom iDiv
Single-Küche: Ein Büchlein, das allen Alleinlebenden wieder Mut macht zum guten Essen
Der Digital Independence Day: Schritt für Schritt in die digitale Unabhängigkeit
Arbeitslosigkeit in Leipzig im März: Ein leichter Rückgang, eine leichte Belebung
Was sonst noch wichtig war:
Die USA erwägen offenbar einen Austritt aus der Nato. Präsident Donald Trump hatte das Bündnis als „Papiertiger“ bezeichnet und fehlende Unterstützung bemängelt.
Im dritten Anlauf könnte heute Nacht nach 54 Jahren wieder mal eine bemannte Rakete in Richtung Mond abheben. Die Mission Artemis 2 könnte von Florida aus ab 00:24 Uhr beginnen. Sie ist für zehn Tage geplant. An Bord befinden sich eine Astronautin und drei Astronauten, die den Erdtrabanten umrunden, aber nicht darauf landen sollen.
Vor allem durch steigende Kosten für Personal sowie für Sozialleistungen haben die Kommunen in Deutschland ein Defizit von insgesamt 31,9 Milliarden Euro angesammelt. Das ist das höchste Minus seit der Wiedervereinigung.
Nachdem an deutschen Tankstellen seit heute nur noch einmal am Tag die Spritpreise erhöht werden dürfen, sprangen diese Preise am Mittag direkt auf ein Jahreshoch.
P.S.: Ihr Schnürsenkel ist offen! April, April.
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