Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen vereinzeln. Single-Haushalte bilden auch in Leipzig den größten Anteil bei allen Haushaltstypen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es betrifft alte Menschen, die ihre Lebenspartner verloren haben, junge Leute in Ausbildung und Studium. Aber auch immer mehr Menschen im Erwerbsalter. Und ihre Zahl nimmt zu. Warum das so ist, untersucht Carola Ruff nicht.
Aber sie weiß, dass das für viele Menschen ein drängendes Thema ist. Bis hin zur Organisation des Haushalts. Tja: Was isst man da heute?
Der Blick in den Kühlschrank kann da genauso frustrierend sein wie der Gedanke an den nun fälligen Einkauf im Supermarkt und das Rätselraten zwischen den Regalen. Und wer vorher in einer Partnerschaft war, gar in einer Familie, in der Kinder den Alltag bestimmten, der muss inzwischen umlernen. Das ist nicht leicht. Und deshalb helfen ein paar Rezepte, Ratschläge und Regeln.
Wobei letztere die wichtigeren sind. Denn jetzt wird die Küche zu einem Ort, an dem man sich selbst etwas Gutes tun kann, wenn man Ordnung in seine Vorräte bringt, dafür sorgt, dass die wichtigsten Grundbausteine für eine gute Mahlzeit immer da sind, sich in den Regalen und im Kühlschrank nichts versteckt, was dann mit großem Bedauern weggeschmissen werden muss, und man genau weiß, wann es sich lohnt, sich die saisonfrischen Zutaten zu holen.
Eine erfüllende Herausforderung
Carola Ruff hat viel Verständnis für all die manchmal sehr ratlosen Menschen, die ohne fröhlich plappernde Mitesser am Küchentisch trotzdem nicht versauern wollen oder sich mit Fast Food eine absolut ungesunde Ernährungsweise zulegen würden. Es geht nicht nur darum, dass sich die Portionen, die man kocht, nun halbieren oder gar vierteln. Das Kochen soll auch nicht in ein Wochenessen ausarten, bei dem man tagelang immer nur aufwärmt, was man am Montag gekocht hat.
Also geht es auch um das Anschaffen kleinerer Küchengeräte, mit denen man nicht nur die üblichen 4-Personen-Rezepte zubereitet, sondern gerade so viel kocht, brät, dämpft, gart und schmort, wie eine Person auf dem Teller braucht. Und gut schmecken und gut aussehen soll es auch noch.
Deswegen findet man im Büchlein auch keine Allerweltsrezepte (die man sich trotzdem zubereiten kann), sondern einige durchaus exotische Vorschläge wie Bratpaprika, Tafelspitz mit Meerrettichsauce, Pilzklopse oder gefüllte Riesenchampignons. Echte Herausforderungen für einen, der vorher – zum Beispiel für die Kinder – immer nur Nudeln kochen musste. Nudeln mit Tomatensoße in allen Variationen.
Aber es ist eine erfüllende Herausforderung: Der Gang in die Küche wird zu einem vollwertigen Erlebnis im Tagesablauf. Und man lernt etwas dabei. Und wenn man es richtig macht, tut man auch etwas für seine Gesundheit. Denn das – das stellt auch Carola Ruff fest – ist eine der größten Gefahren im Single-Dasein: Dass man sich aus lauter Frust nur noch ungesunde Dickmacher aufpackt.
Kann man machen. Endet aber in nur noch mehr Frust.
Aufmerksamkeit für sich selbst
Und so geht es in diesem Büchlein eigentlich um ein Thema, das zwar in allen möglichen Ratgebern gehypt wird, aber in Wirklichkeit im Leben der meisten Menschen zu kurz kommt: die Aufmerksamkeit für sich selbst. Nicht zu verwechseln mit den ganzen Achtsamkeitsmoden. Nein: Es geht um Aufmerksamkeit. Für seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse, die Freuden des Essens, die Lust daran, sich selbst etwas Gutes zu tun und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben.
Das klingt nur an. Carola Ruff betont es nicht extra. Aber wir leben auch in einer Gesellschaft, die mit Singles nichts anfangen kann und das Single-Dasein mit einem richtig schlechten Gewissen belastet hat. Obwohl die entfesselte Marktwirtschaft die Singles geradezu produziert. Auch mit überbordenden Ansprüchen, die keine Partnerschaft verkraften kann. Aber das nur nebenbei. Das Büchlein ist ja für alle da, die es schon erwischt hat und die wieder Ordnung in ihren Alltag bringen wollen.
Und genau bei diesem Ordnungmachen hilft Carola Ruff, indem sie vom guten Lagern von Lebensmitteln erzählt, der richtigen Bevorratung, von den kleinen Helfern in der Küche, mit denen alle Arbeitsgänge leichter werden. Aber auch von der Empfindlichkeit von Lebensmitteln und worauf man achten sollte beim Einkauf.
Irgendwann hat man das ohnehin drauf, dann hat man neue Gewohnheiten und freut sich schon auf die halbe Stunde mit sich in der Küche, wo man sich einen leckeren Brunch bereitet, ein herzhaftes Mittagessen oder ein Abendbrot mit Pepp. Da belohnt man sich einfach selbst. Jeden Tag ein wenig. Das tut ja sonst keiner.
Und dabei lernt man auch, wie man am besten so einkauft, dass man am Ende nicht lauter wertvolle Lebensmittel wegschmeißt, die ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben, nur weil man sie vergessen hat oder es einfach zu viel war, was man eingekauft hat.
Insel der Zufriedenheit
Und beim Zubereiten belässt es die Autorin nicht. Denn hinterher muss man auch mit dem benutzten Geschirr etwas anders umgehen als in einer hungrigen Großfamilie. Denn die üblichen Geschirrspüler sind für hungrige Großfamilien gebaut, nicht für einsame Esser, die dann einen Monat brauchen, um die Maschine zu füllen.
Es ändert sich eine Menge, wenn man allein lebt. Und das betrifft ja auch junge Leute, die von zu Hause oder aus der WG ausziehen und zum ersten Mal einen eigenen Haushalt verwalten. Dass das Bestellen von Fast Food auch ins Geld geht, merken sie ziemlich bald. Auch ihnen hilft dieses Büchlein, die eigene Nahrungsaufnahme bewusst zu organisieren. Und dabei auch Grundlegendes zu lernen für später, wenn man vielleicht doch mal einem interessanten anderen Single begegnet und dann in der Küche nur noch mal zwei nehmen muss und weiß: Ich kann das.
Und das ist ein tragendes Gefühl fürs Leben, bei dem einem keine Werbung und kein Sonderangebot mehr einreden kann, dass es anders besser wäre. Gelernt ist gelernt. Und dann wird diese Insel im Alltag zu einem Ort der Zufriedenheit. Wieder so ein Wort, das so gar keine Konjunktur hat in einer Gesellschaft, wo das Schüren von Unzufriedenheit allgegenwärtige Masche ist. Wie kann der Mensch sich da herausnehmen, einfach mal zufrieden zu sein? Kann er.
Auch über’m Teller mit den selbstgemachten Bratkartoffeln, die – beinahe oder genauso – schmecken wie bei Muddern. Oder bei Vaddern. Denn manchmal wussten es auch die Alten, dass Kochen können eine Kunst ist, mit der man Herzen und Mägen begeistern kann. Auch dann, wenn man singend allein in der Küche steht und den Kochlöffel schwingt.
Carola Ruff„Single-Küche“ Tauchaer Verlag, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2026, 6 Euro.
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