Der Großteil unseres Alltags findet mittlerweile online statt: Morgens noch schnell eine WhatsApp-Nachricht an die Chefin, dann das Buch als Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag auf Amazon bestellt und bevor es aus dem Haus geht, den Weg zum neuen Sportstudio auf Google Maps herausgesucht. Doch wem gehören die Unternehmen und Dienste, die die meisten von uns so selbstverständlich in ihrem Alltag benutzen?

Eine Frage, die oft untergeht, aber im Grunde kennen wir alle die Antwort: einigen wenigen überreichen Menschen, wie Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos. Diese Big-Tech-Milliardäre kontrollieren wie die Dienste, die wir benutzen aussehen und was sie uns anzeigen.

Ihnen gehören die Wege, auf denen wir uns online informieren, auf denen wir kommunizieren und auf denen wir einkaufen. Das macht diese Menschen nicht nur unfassbar reich, sondern auch unfassbar mächtig. Keine schöne Vorstellung, dass diese Menschen einen so großen Einfluss auf uns haben. Aber die gute Nachricht ist, diese Macht haben sie nur, weil wir sie ihnen geben. Aber wir alle können sie ihnen auch durch unser Handeln wieder nehmen.

Genau dabei geht es beim Digital Independence Day, zu Deutsch dem Digitalen Unabhängigkeitstag. Dieser findet an jedem ersten Sonntag im Monat statt. Also das nächste Mal bereits am 5. April! Er bietet allen die Möglichkeit, sich kritisch mit dem eigenen digitalen Alltag zu beschäftigen und schrittweise kleine Änderungen in diesem vorzunehmen, um sich so aus der Abhängigkeit von den großen Tech-Unternehmen zu lösen.

Dafür bietet die Initiative auf ihrer Website verschiedene Wechselrezepte. So gibt es z. B. Anleitungen, um von Windows zu Linux zu migrieren, statt Google Maps einmal OpenStreetMap zu testen oder sich statt des Chrome-Browsers Firefox einzurichten.

Stephanie Henkel am Laptop
Gastautorin Stephanie Henkel. Foto: Tobias Kolb

Doch weil dieser Wechsel allein eine ganz schön große Hürde sein kann, gibt es verschiedene lokale Angebote, die Interessierte besuchen können. In Leipzig engagieren sich zum Beispiel die Dezentrale und die Leipziger Linux User Group. In Dresden gibt es bei SaxnIT  und dem c3d2  Hilfsangebote. Sogar über die Sonntage hinaus gibt es weitere Termine zu Fediverse-Sprechstunden, Linux-Treffen oder Matrix-Stammtischen. Eine Übersicht zu allen anstehenden Veranstaltungen in verschiedenen Städten ist auf DI.DAY  zu finden.

Das klingt jetzt alles gerade ganz schön viel? Kein Problem, denn der Digital Independence Day findet zum Glück jeden Monat statt und es geht auch nicht darum, alles von einem Tag auf den anderen zu ändern. Ziel der Initiative ist es, dabei zu unterstützen, dass kleine Schritte Richtung digitaler Unabhängigkeit gemacht werden können.

Dabei ist es wichtig, dass sich der Wechsel hin zu freier Software oder der Weg in die Buchhandlung statt der Klick auf den Einkaufswagen auf Amazon in unser Leben dauerhaft integrieren. Denn nur so kommen wir dauerhaft von den Big-Tech-Unternehmen los und holen uns unsere digitale Unabhängigkeit wieder zurück.

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