Am 6. und 7. März, jeweils um 20 Uhr, zeigt die Figurenspielerin Winnie Luzie Burz im Figurentheaterzentrum Westflügel ihre neueste Produktion „Reborn“. Darin setzt sie sich, ausgehend von Mom-fluencerinnen, mit Identitätsstiftendem und dem theatralen Handwerk von Social-Media-Content auseinander. Das Ganze hybrid, live on stage, und mit etwas Verzögerung direkt auf den Smartphones des Publikums zu erleben.
Am Anfang war die Reborn-Puppe. In ihrer neuesten Produktion beschäftigt sich die Sopranistin und Figurenspielerin Winnie Luzie Burz mit „Reborn-Moms“. Frauen, die Content mit hyperrealistischen Babypuppen und dem vermeintlich Alltag mit ihnen kreieren.
Ausgehend von der Beschäftigung mit diesem Phänomen und der darin liegenden komplexen Fragestellung nach z.B. Alltagsinszenierungen oder stereotypischen Rollenbildern, arbeitet sich die Inszenierung vom Kleinen ins große Ganze. Welche Funktion und Identifikation liefern Social-Media-Communities? Ist das total skurril oder Plattform, um Bedürfnisse mit Gleichgesinnten zu teilen? Was daran ist echt? Kann man das Reenacten reenacten?
Die Untersuchung von extrem aufgeladenen Frauenfiguren ist Kernpunkt von Burz’ kreativem Schaffen. Immer findet sie alternative Lesarten, entstresst sie von Klischees und macht ihre Figuren nahbar. Das Skurrile ist Burz’ Meisterdisziplin.

Die Verbindung unterschiedlicher Genres ist grundlegend in ihren Arbeiten. Das Experimentieren mit den erlernten Fähigkeiten, erweitert insbesondere um technische Möglichkeiten (elektronische Musik, KI-Technologien), erzeugt die durch Neugier getriebenen eigenen ästhetischen und künstlerischen Ansätze. In Reborn mit einer zusätzlichen Erzählebene: Das Publikum kann die Performance gedoppelt erleben, live und mit etwas Verzögerung auf dem Smartphone.
„Hier geht es nicht um Babys, die sind doch nur Mittel zum Zweck. Die sind mir bloß in den Feed gerutscht, über die bin ich überhaupt erst draufgekommen, auf die omnipräsente Ästhetisierung des Alltäglichen.“
Reborn ist eine hybride Performance zwischen zeitgenössischem Figuren- und Objekttheater, Performance, Konzert und Livestream. Ausgangspunkt waren sogenannte Rebornpuppen – hyperrealistische Säuglingsnachbildungen, die in sozialen Netzwerken in hochgradig kuratierten, scheinbar intimen Szenarien inszeniert werden.
Reborn untersucht, wie alltägliche Handlungen durch Plattformlogiken ästhetisiert, wiederholbar gemacht und performativ aufgeladen werden – und was geschieht, wenn diese Logiken in den analogen Bühnenraum übersetzt werden.
Auf der Bühne treffen präzise nachgestellte Social-Media-Reenactments auf archaische, körperlich-materielle Bilder und installative Setzungen. Live-Elektronik, elektroakustische Klangerzeugung und eine klassisch ausgebildete Stimme erzeugen eine Klanglandschaft zwischen Konzert, Ritual und Kontrollverlust. Neben Bühnenperformance wird parallel live gestreamt und eine zweite, mediale Wahrnehmungsebene erzeugt, die parallel zum Bühnengeschehen existiert.
Reborn, 6. März, 20 Uhr, und 7. März, 20 Uhr im Figurentheaterzentrum Westflügel Leipzig (Hähnelstraße 27)
Karten: 20,- / 15,- / 10,- Euro, Onlinekartenkauf über www.westfluegel.de
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