2025 gab es noch keine Rote Karte für Leipzig, sondern „nur“ eine warnende gelbe. Doch 2026 hat Leipzig die Latte gerissen und bekommt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eine Rote Karte im aktuellen Hitze-Check – gemeinsam mit vier weiteren sächsischen Städten. Mehr als 1,5 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Menschen in Sachsen sind überdurchschnittlich stark von gesundheitsschädlicher Hitze betroffen.

Das ergibt der jüngste Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in 68 sächsischen Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnenden, der neben der Hitzebetroffenheit auch die Baumüberschirmung und Flächenversiegelung berücksichtigt.

Zudem sind in den vergangenen Jahren fast 130.000 Bäume verschwunden. Mit jedem Einzelnen geht langfristig lebenswichtiger Schutz vor Hitze verloren. Denn neu gepflanzte Bäume brauchen Jahrzehnte, bis ihre schattenspendende und kühlende Funktion voll ausgeschöpft ist.

Schlusslichter sind Schkeuditz, Markranstädt, Eilenburg, Wilsdruff und Leipzig, so die DUH. Alle fünf Städte erhalten von der DUH eine Rote Karte, weil sie ihre Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend vor Hitze schützen.

Zwei Faktoren sorgen dafür, dass Leipzig in diesem Ranking immer weiter an Boden verliert: der weitere Verlust von Bäumen in Parks und an Straßen. Und die weiter zunehmende Versiegelung des Stadtgebietes. Während die Stadt sich um die Neuanpflanzung von Bäumen bemüht, sorgen gerade die letzten Dürrejahre dafür, dass mehr Bäume absterben als nachgepflanzt werden können. Seit 2018 gingen im Stadtgebiet 15.732 Bäume verloren.

Und beim Thema Versiegelung ist bis heute nicht wirklich ein Umdenken in der Stadtverwaltung zu sehen, die die Kompensation von neu bebauten Flächen immer weiter aus dem Stadtgebiet verlagert, als im inneren Stadtgebiet für deutlich mehr Entsiegelung und Bepflanzung zu sorgen. Dort, wo Schatten und Kühlung dringend gebraucht werden.

Denn: Nach den Messungen der DUH sind 79,9 Prozent der Leipziger inzwischen hoch belastet von Hitze. Das ist der höchste Wert aller sächsischen Städte.

Fugenmasse sorgt für Furore

Eine grüne Karte bekommen nur Annaberg-Buchholz, Ebersbach-Neugersdorf, Löbau, Dippoldiswalde, Schwarzenberg/Erzgebirge und Bischofswerda. Annaberg-Buchholz erreicht dabei als einzige Stadt einen Beschirmungsgrad von mindestens 30 Prozent. Für Fortschritte bei der Entsiegelung hebt die DUH außerdem Dippoldiswalde, Bischofswerda, Zittau, Schwarzenberg/Erzgebirge, Weißwasser/Oberlausitz, Löbau und Ebersbach-Neugersdorf hervor.

Die "Spitzenreiter" im sächsischen Hitze-Check der DUH. Grafik: DUH
Die Spitzenreiter im sächsischen Hitze-Check der DUH. Grafik: DUH

Die DUH fordert alle Kommunen auf, Maßnahmen für mehr Grün und weniger Grau auf den Weg zu bringen. Dazu gehört die Umsetzung der 3‑30‑300‑Regel: Bürgerinnen und Bürger sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, sagt zu diesen Zahlen: „Die Bilder der geschmolzenen Fugenmasse der Bahngleise in Leipzig haben es uns deutlich vor Augen geführt: Sachsen blickt zurück auf einen Rekord-Hitzesommer. Rund 550 Menschen sind laut Robert Koch-Institut in Sachsen bis Mitte August durch Hitze gestorben.

Gleichzeitig werden ausgerechnet große Stadtbäume, unsere wirksamsten natürlichen Klimaanlagen, vielerorts weiter bedenkenlos geopfert: für Bauprojekte, Parkplätze und kurzfristige Profitinteressen. Dennoch liefert die Bundesregierung beim Thema Hitzeschutz keinen einzigen Beschluss. Wir fordern die Kommunen auf, die Sache jetzt selbst in die Hand zu nehmen, zum Schutz besonders gefährdeter Bürgerinnen und Bürger.

Jede Stadt braucht einen verbindlichen Masterplan für Hitzeschutz: Wo kann entsiegelt werden, wo können Bäume und Grünflächen entstehen und wie wird bestehendes Grün dauerhaft geschützt? Der Umbau unserer Städte braucht Zeit, Bäume wachsen nicht über Nacht. Wenn wir nicht jetzt anfangen, werden unsere Städte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu tödlichen Hitzehöllen.“

Mit 57 Kommunen erhält ein Großteil eine Gelbe Karte. Allerdings weist die DUH darauf hin, dass das keinesfalls eine Entwarnung ist – im Gegenteil: Wenn die betroffenen Kommunen nicht schnellstmöglich entsiegeln, ihre Flächen begrünen und den Baumbestand schützen, wird sich mit der eskalierenden Klimakrise die Hitzesituation hier noch weiter verschärfen.

Auch wenn Städte wie Dresden, Chemnitz oder Görlitz in diesem Jahr noch mit einer gelben Wertung davonkommen, lebt in allen drei Städten die Mehrheit der Bevölkerung in stark hitzebelasteten Gebieten.

Pilotprojekt mit Krankenkasse

Um konkreten Hitzeschutz für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen vor Ort voranzubringen, startet die DUH zusammen mit dem GKV-Bündnis für Gesundheit in Sachsen der gesetzlichen Krankenkassen ein Pilotprojekt mit den Kommunen Chemnitz, Dommitzsch, Taucha und Torgau sowie sozialen Einrichtungen vor Ort.

Jenny Müller, Geschäftsstelle des GKV-Bündnisses für Gesundheit in Sachsen: „Die Ergebnisse des Hitze-Checks zeigen eindrücklich, dass die gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze für viele Menschen in Sachsen bereits Realität sind. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen in Sachsen braucht es deshalb vor allem frühzeitiges Handeln.

Gemeinsam mit den Modellkommunen und sozialen Einrichtungen möchten wir Akteurinnen und Akteure vor Ort für die gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise sensibilisieren, Wissen aufbauen und gesundheitsfördernde Strukturen stärken. Unser Ziel ist es, Hitzeschutz langfristig in kommunalen Entscheidungsprozessen und Lebenswelten zu verankern und Gesundheit bei Maßnahmen der Klimaanpassung von Anfang an mitzudenken.“

Franziska Hoigt, Koordinatorin des ASB-Servicehauses in Oschatz, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Kreisverband Torgau-Oschatz: „Hitze ist längst eine soziale und gesundheitliche Herausforderung. In unseren sozialen Einrichtungen erleben wir, wie sehr vor allem Kinder und ältere Menschen, aber auch unsere Mitarbeitenden an heißen Tagen leiden und wie wenig sie der Hitze entfliehen können.

Hitzeschutz muss als Teil der sozialen Daseinsvorsorge ernst genommen werden. Kommunen und soziale Träger müssen in die Lage versetzt werden, besonders gefährdete Menschen vor Ort wirksam zu schützen – mit kühlen Aufenthaltsorten, ausreichend Grün und Schatten in der Umgebung und verständlichen Informationen.“

Der Hitze-Check

Für den Hitze-Check Sachsen hat die DUH basierend auf Daten der Potsdamer Luft Umwelt Planung GmbH aus den Indikatoren Baumüberschirmung, Versiegelungstrend sowie aus dem Hitzebetroffenheitsindex eine Gesamtwertung gebildet. Beim Hitzebetroffenheitsindex werden Städte in 100 × 100‑Meter große Zellen unterteilt.

Für jede einzelne Zelle kann die Hitzebetroffenheit bestimmt werden und somit unter Einbezug der Bevölkerungszahlen ermittelt werden, wie viele Menschen in hochbelasteten Zellen wohnen. Durch die Hochrechnung des Beschirmungsgrades anhand einer durchschnittlichen Baumkronengröße konnte die absolute Zahl an Bäumen berechnet werden, die zwischen 2018 und 2025 verlorengegangen ist.

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