This article is also available in English: Read this article in English.

Der Vorschlag der Stadt, das Capa-Wäldchen zu roden, als Kompromiss für die Flächenbedarfe der Kleinmesse und von RB Leipzig, ist unter den Leipziger/-innen auf großen Gegenprotest und Unverständnis gestoßen. Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Leipziger Stadtrat lehnt diese Pläne ebenfalls entschieden ab. Und hat nun auch einen Änderungsantrag dazu eingereicht.

In einer aktuellen Stadtratsanfrage geht die Fraktion auf zahlreiche Widersprüche ein, die der Vorschlag zur Rodung mit sich bringt. Zur Ratsversammlung am 2. September 2026 wird die Antwort erwartet. Ebenso steht dort eine Petition auf der Tagesordnung, die die Ablehnung der Vorlage mit den Verkaufs- und Rodungsplänen fordert. Laut Vorschlag des Petitionsausschusses soll sie als Abwägungsmaterial an die Vorlage gehangen werden.

Die bündnisgrüne Fraktion hat dazu einen Änderungsantrag eingereicht, der den Oberbürgermeister bereits jetzt auffordert, die Verkaufsabsicht des Capa-Walds zurückzuziehen und sich für eine erneute Flächensuche für die Kleinmesse einzusetzen.

„Dass die Verwaltung in sich geht und die Vorlage überarbeiten will, ist ein gutes Zeichen“, findet Tobias Peter, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

„Um Kleinmesse, RB und Capawald unter einen Hut zu bekommen, müssen alle Optionen auf einen Tisch. Wir halten den aktuellen Standort und Umfang der Kleinmesse nicht für alternativlos. Die Kleinmesse beansprucht schon heute nicht mehr die gesamte Fläche des bestehenden Festplatzes. Sie kann schon am bestehenden Standort problemlos verkleinert werden. Wir halten auch die Alte Messe mit gut angeschlossenen und bereits versiegelten Flächen in einer Größenordnung von 15 bis 20.000 m² für potenziell geeignet. Die Stadt muss hier noch mal eingehend prüfen und ihre Maßstäbe überdenken. Auch eine Nutzung der bereits im Umfeld vorhandenen Sportflächen für RB muss intensiv geprüft werden. Der Walderhalt muss dabei an vorderster Stelle stehen!“

Demonstration der Umweltverbände gegen den Verkauf und die Abholzung des Capa-Wäldchens (Capi) Leipzig, 25.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Die Rodungspläne widersprechen allen Klimazielen der Stadt

Und dazu werden die Grünen in ihrem Änderungsantrag auch recht deutlich: „Aus dieser bislang erfolglosen Suche nach einer Alternativfläche kann aber keinesfalls die Konsequenz erwachsen, dass wir 2026 ernsthaft in Betracht ziehen, 6 Hektar Wald zu roden! Zahlreiche Beschlüsse der Stadt sprechen dagegen: das INSEK-Ziel zur Stärkung des Grünverbunds zwischen nördlichem und südlichem Auwald, der Klimanotstand, Maßnahmen zur Klimawandelanpassung, das Biotopverbundkonzept, das Ziel der Waldmehrung, der Netto-Null-Versiegelung, das Schwammstadtprinzip…

Der erneute Hitzesommer führt uns einmal mehr vor Augen, wie sehr wir städtisches Grün benötigen. Und zwar mehr davon, nicht weniger. Dazu kommt, dass der Wald an der Wespentaille des Auwalds liegt. Genau dort, wo es nur noch eine sehr schmale terrestrische begrünte Verbindung gibt. Sie bietet einen Wanderkorridor für viele Tiere, z. B. die Wildkatze. Für Vögel ist das Waldstück ein wichtiger Lebensraum: 38 Vogelarten wurden dort gefunden, darunter 23 Brutvogelarten.

Leipzig kämpft mit dem Klimawandel und großer Hitze im Sommer. Wir ringen um jeden Baum, jeden Schatten, jede Entsiegelung, jede Abkühlung. Wir mühen uns um den Erhalt und die Wiedervernässung des Leipziger Auwalds. Die Rodung des Capa-Walds muss ein Tabu sein für alle Verantwortungsträger in dieser Stadt. Eine Unterschutzstellung als Tabufläche ist dringend angezeigt!“

Wäldchen-Begehung. Demonstration der Umweltverbände gegen den Verkauf und die Abholzung des Capa-Wäldchens (Capi) Leipzig, 25.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Auf Höhenfeuerwerke kann man verzichten

„Auch die Lärmthematik muss grundlegend überdacht werden“, ergänzt Anne Vollerthun, Grünen-Sprecherin für Tierschutz und Ordnung sowie Stadträtin im Wahlkreis Alt-West.

„Wenn man zum Beispiel auf die Höhenfeuerwerke zum Abschluss der Kleinmesse verzichtet, leisere Fahrgeschäfte mit moderner Schalltechnik einsetzen würde oder die Öffnungszeiten leicht anpasst, kann man Lärm für umgebende Wohnbebauung reduzieren. Die Frage muss doch lauten: Wie kann die Kleinmesse an einem anderen Ort möglich sein? Wir brauchen den Wald aus vielerlei Gründen – zumal der Capi genau an der schmalsten Stelle des Auwalds liegt, wo der Biotopverbund ohnehin sehr geschwächt ist. Der Auwald braucht unseren Schutz mehr denn je – allein nur der Gedanke einer Rodung ist völlig absurd!“

Nachdem zunächst von vielen Fraktionen Zustimmung zu den Plänen der Verwaltung bestand, hört man bei einigen inzwischen einen etwas anderen Zungenschlag, interpretieren die Grünen die aktuelle Diskussion im Stadtrat. Das zeige, dass der Protest bereits jetzt Spuren hinterlassen habe und lasse hoffen, dass das Blatt noch zu wenden ist!

Das Capa-Wäldchen

Die Waldfläche, inzwischen häufig als Capawald oder Capi bezeichnet, ist ab 1998 aufgeforstet worden und war eine Kompensationsmaßnahme für die B-Pläne Nr. 238 und E‑224. In Anlage 1 der Vorlage steht: „Die Fläche hat heute, wie ursprünglich vorgesehen, Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz erlangt.“

Im Biotopverbundkonzept der Stadt Leipzig ist dargestellt, dass der von Rodung bedrohte Bereich genau an der Grenze der Unterbrechung der Kernflächenkomplexe des Biotopverbunds zwischen nördlichem und südlichem Auwald liegt (siehe Anlage 3 im Biotopverbundkonzept). Es erschließt sich daher nicht, wie man vor diesem Hintergrund eine Rodung vorschlagen kann. Auch die Vereinbarkeit mit vielen weiteren Beschlusslagen der Stadt Leipzig muss bezweifelt werden.

Aus der Vorlage VIII-DS-02491 und ihrer Anlage 1 geht hervor, dass ein ortsnaher Ausgleich einer Rodung nicht möglich ist, da eine Neuaufforstung in Höhe von mind. 7,5 bis 12,5 Hektar nötig würde. Gleichzeitig ist die Rede davon, dass ein terrestrischer Wanderkorridor am Westufer des Elsterbeckens „sofern nicht bereits vorhanden – von herausragendem Nutzen” für den Biotopverbund sein könnte. Der Platz dafür scheint aber gar nicht vorhanden zu sein.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar