Es ist der 10. Juni 2026, der Sommer hat noch nicht richtig begonnen, aber es ist weiter zu trocken in Leipzig und bei der nächsten Hitzewelle drohen den Leipzigerinnen und Leipzigern gesundheitliche Probleme. Als wäre das nicht genug, erreichen uns schlechte Nachrichten. Beide betreffen den Leipziger Baumbestand, der essenziell wichtig für das Stadtklima ist.

Die erste Nachricht kommt von der Deutschen Umwelthilfe. Unter dem Titel „Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe: Fast eine Million Bäume aus deutschen Städten verschwunden“ ist zu lesen, dass Leipzig zwischen 2018 und 2025, trotz aller Maßnahmen zur Neuanpflanzung und zum Erhalt der Bäume, 15.732 Bäume verloren hat. Damit liegt Leipzig im vorderen Feld, leider in dem der Städte mit dem höchsten Verlust an Bäumen.

Auszug DUH Hitze-Check Städte Deutschland Übersicht 2026. Screenshot LZ

Eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung

Die zweite Nachricht ist, dass die Beschlussvorlage – VIII-DS-02491, „Sportinfrastruktur von RB Leipzig stärken und Kleinmesse erhalten, Grundsatzbeschluss: Verkauf einer Fläche an der Capastraße“ ins Stadtratsverfahren gegeben wurde. Das ist eine schlechte Nachricht, weil unter Beschreibung des Abwägungsprozesses geschrieben wird: „Die beabsichtigte Nutzung erfordert eine Aufgabe der gegenwärtigen Waldfläche. Ausführlich wird dieser Aspekt unter Punkt 2.2 b dargestellt.“

Dort finden wir folgende Beschreibung: „Das Areal ist aus der Auflösung einer Kleingartenanlage vor rund 30 Jahren hervorgegangen. Das Gelände wurde beräumt und entsiegelt und dient in Teilen als Kompensationsmaßnahme für den Bebauungsplan Nr. 238. Da der Zielbiotoptyp ‚Wald‘ auf der Maßnahmenfläche erreicht wurde, handelt es sich nunmehr um Wald gemäß § 2 SächsWaldG.“

Lassen wir das ganze behördliche Kauderwelsch und die nachfolgende Beschreibung der historischen Nutzung weg, dann bleibt übrig: Es ist ein Wald!

Was soll mit dem Wald geschehen?

Einfach gesagt, soll dieser Wald gerodet werden. Im Beschluss-Deutsch klingt das fast niedlich: „Der heutige Gehölzbestand müsste ganz oder teilweise im Zuge einer Umnutzung gerodet und durch Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle ersetzt werden.“

Es soll also eine nach 30 Jahren gerade in den Status Wald versetzte Kompensationsmaßnahme, man könnte auch sagen Ausgleichsfläche, gerodet und dafür eine andere Ausgleichsfläche, die wieder 30 Jahre brauchen wird um diesen Stand zu erreichen, aufgeforstet werden. Das muss an sich auf der Zunge zergehen lassen.

Das Ganze geschieht in einer Zeit, in der Leipzig nicht in der Lage war die seit 2018 verlorenen 15.732 Bäume zu ersetzen. Natürlich wird es da eine Statistik über Ausgleichsflächen geben, diese befinden sich aber oft nicht im Stadtgebiet und sind somit für das Stadtklima irrelevant.

Das alles läuft unter dem Label: Bündelung der Trainings- und Wettkampfstätten an einem Standort. Selbstverständlich ist das für RB Leipzig wünschenswert, kann man das aber gegen das Stadtklima aufwiegen?

Die Verwaltung benennt Vorteile für die Stadt

  • keine Verlagerung des etablierten Festplatzes nötig
  • Absicherung eines kontinuierlichen Betriebs der Kleinmesse
  • keine Ankaufs- und Entwicklungskosten von mehr als 17 Millionen Euro
  • keine Projekt- und Baurisiken für einen neuen Festplatzstandort
  • keine zusätzlichen zeitlichen Zwänge bei der Errichtung des Parkhauses im Stadionumfeld
  • Sicherung des Trainings- und Wettkampfbetriebs von RB Leipzig
  • weitere Entwicklung des Frauenfußballes am Vereinscampus möglich

Die Punkte 1 bis 4 beziehen sich dabei auf die Verlagerung des Festplatzes und somit der Kleinmesse, im Falle des alten Beschlusses. Punkt 5 bedeutet, dass das Parkhaus gebaut wird aber mit etwas weniger zeitlichem Druck. Die Punkte 6 und 7 sind Vorteile für RB, die die Stadt nur marginal betreffen.

Was sind die Alternativen?

Unter dem Punkt Alternativen zum Verkauf schreibt die Verwaltung:

„Im Gegensatz zum Erbbaurecht kann die Stadt Leipzig durch einen Verkauf kurzfristig dringend benötigte Einnahmen realisieren.“

Dieser Punkt bedeutet, dass die Verkaufserlöse benötigt werden, um Löcher in städtischen Haushalt zu stopfen. Die Flurstücke sind dann weg und das Geld auch.

Zu verhandelnde Eckpunkte des Kaufvertrages. Screenshot LZ

Schaut man in die zu verhandelnde Eckpunkte des Kaufvertrages, unter Punkt 8 ist zu lesen: „Ersatzpflanzung: Der Käufer übernimmt die Kosten der Ersatzpflanzungen, die Stadt stellt die Ausgleichsflächen soweit vorhanden zur Verfügung“. Was heißt „soweit vorhanden“? Sollte man das nicht vorher prüfen?

Es gäbe noch viel zu schreiben, wir werden später weiter dazu berichten, allerdings ist selbstverständlich wichtig, dass mit diesem Beschluss auch das, von RB nicht gewollte, Erbbaurecht vom Tisch wäre.

Fazit: Schaut man im Hitze-Check der DUH auf den Baumverlust der letzten sieben Jahre in Leipzig, dann beinhaltet dieser Beschlussvorschlag eine weitere Verschlechterung für das Stadtklima. Da es aber um Fußball geht, ist zu erwarten, dass die Vorlage mit kleineren kosmetischen Veränderungen den Stadtrat passiert. Es gibt bereits eine Petition gegen den Beschluss, auch der Ökolöwe stellt sich gegen die Rodung und ruft zur Teilnahme an einem Appell an den Stadtrat und die Verwaltung auf. Wir werden mit einigen Akteuren sprechen und weiter berichten.

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