Erst ein bisschen Lesen, dann die Handschellen klicken lassen. Polizeipräsident René Demmler hatte zum 13. Lesefest in leichter Sprache berufstypisches Anschauungsmaterial in die Stadtbibliothek mitgebracht. Wer ist Leipzigs schlimmster Vermieter? Die Interventionistische Linke hat auf dem Augustusplatz ihre Antwort darauf präsentiert. Und: Lok-Meistertrainer Jochen Seitz hat sich acht Tage nach seinem Abschied erstmals zu Wort gemeldet. Die LZ fasst zusammen, was am Mittwoch, dem 10. Juni 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.

Stadtbibliothek: Polizei-Chef Demmler lässt Handschellen klicken

Zum inzwischen 13. Mal stieg heute in der Leipziger Stadtbibliothek das Lesefest in leichter Sprache. Rund 200 Kinder und Jugendliche aus Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und Lernen waren eingeladen, den Geschichten zum Thema Berufe zu lauschen. Vorgelesen wurden diese von bekannten Leipziger Persönlichkeiten. Polizeipräsident René Demmler zum Beispiel, der schon seit fünf Jahren regelmäßig dabei ist.

Er hatte natürlich zwei Polizeigeschichten mitgebracht: In der ersten fasst die Fahrradstaffel einen gemeinen Fahrrad-Diebstahl, in der zweiten löst die Reiterstaffel einen Fall. Und danach klickten auch in der Stadtbibliothek die Handschellen. Die hatte der Polizei-Chef genauso mitgebracht wie eine Schutzweste. Beides wurde von den Kindern natürlich gern einmal anprobiert.

Polizeipräsident René Demmler zeigt die Handschellen. 13. Lesefest in leichter Sprache in der Stadtbibliothek Leipzig, 10.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Um „Fußball, Tore, Meisterträume“ ging es derweil in einem anderem Raum der Bibliothek. Hier trug der ehemalige RB Leipzig-Profi Ingo Hertzsch drei Episoden vor, die sich – natürlich – um das runde Leder drehten. Assistiert wurde Hertzsch dabei vom Club-Maskottchen „Bulli“, das die passenden Illustrationen zur Geschichte zeigte und anschließend von begeisterten jungen Autogrammjägern umlagert war.

So waren, über zwei Stunden verteilt, in sechs Räumen zu den Themen Polizei, Sport, Tiere, Feuerwehr, Berufswunsch und Alltagshelden interessante Dinge zu erfahren. Einige der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer waren im Vorfeld der Veranstaltung sogar selbst zu Geschichtenschreibern geworden und hatten am Schreibwettbewerb teilgenommen. Die schönsten Beiträge wurden dann im Rahmen der Eröffnung des Lesefestes in großer Runde ausgezeichnet.

Maskottchen „Bulli“ (RB Leipzig) mit Ex-Spieler Ingo Hertzsch. 13. Lesefest in leichter Sprache in der Stadtbibliothek Leipzig, 10.06.2026. Foto: Jan Kaefer

„Gefräßigster Miethai“ gekürt

Am frühen Mittwochabend erlebte der Leipziger Augustusplatz eine Siegerehrung der speziellen Art. Die Gruppe Interventionistische Linke (IL) kürte auf einer Kundgebung den „gefräßigsten Miethai“ der Stadt. Mit dieser Aktion machen wir öffentlich, wer in Leipzig besonders rücksichtslos mit Mieterinnen umgeht: Vermieter/-innen und Investoren, die durch Mieterhöhungen, Schikanen, Zwangsräumungen und Zweckentfremdung von Wohnraum Profit maximieren. Wir wollen konkrete Fälle aufzeigen, Betroffenen Raum geben, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen, und Druck gegen diese Praktiken erzeugen“, teilte die Gruppe mit.

Die Interventionistische Linke (IL) kürt auf dem Augustusplatz den “gefräßigsten Miethai” Leipzigs, 10.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Über einen Online-Fragebogen hatten rund 700 Menschen ihre negativen Erfahrungen mit den jeweiligen Vermietern mitgeteilt. Etwa 40 verschiedene Vermieter wurden dabei insgesamt benannt. Als „Sieger“ aus dieser Erfassung gingen dabei Schwarzat und Rader hervor, die mit ihrem Unternehmen United Capital auch schon in Jan Böhmermanns „ZDF Magazins Royale“ Thema waren. In der Umfrage brachten sie es auf 130 Negativ-Erfahrungen. Im vergangenen Jahr zog vor allem der Fall der unwürdigen 14-Mini-Zimmer-WG in der Demmeringstraße mediale Kreise.

Dass die Vermieter durch diese Preisverleihung ihr Verhalten ändern, glaubt Alex von der IL nicht. „Es soll vor allem für ein Impuls für die Stadtgesellschaft sein, damit Mieter wissen, dass sich andere gegen diese Praktiken zur Wehr setzen, man das also nicht stumm hinnehmen muss. Und es soll natürlich auch ein Impuls für die Stadtpolitik sein, dagegen vorzugehen“.

Der 1. Platz ging symbolisch an Schwarzat/ Rader. Die Interventionistische Linke (IL) kürt auf dem Augustusplatz den “gefräßigsten Miethai” Leipzigs, 10.06.2026. Foto: Jan Kaefer

1. FC Lok: Jochen Seitz meldet sich nach Rücktritt zu Wort

Vor acht Tagen war Jochen Seitz beim 1. FC Lok Leipzig überraschend als Trainer zurückgetreten. Über die Gründe herrschte bisher Rätselraten. Heute wendete sich der 49-Jährige mit einer fast fünfminütigen Videobotschaft an die „liebe Lok-Familie“. „Es tut immer noch richtig weh, nicht aufgestiegen zu sein“, beginnt der Meistertrainer sein Statement. Und: „Die Entscheidung, euch zu verlassen, ist bisher die schwierigste in meiner Trainerkarriere.“

Kurz umreißt er die vergangenen beiden Jahre seiner erfolgreichen – Trainerkarriere in Probstheida, die zwei Regionalliga-Meistertitel sowie einen Sachsenpokal-Sieg zu verbuchen hatte. Doch: „Dann kam wieder das beschissene Relegationsspiel. Das Endergebnis kennt ihr, und auch da waren wir wieder alle sehr, sehr niedergeschlagen. Ganz ehrlich: Man findet auch keine Worte mehr dafür.“ Und dann folgt der entscheidende Satz: „Nach zwei Meisterschaften ohne Belohnung hatte ich leider keine Energie mehr, den dritten Anlauf zu nehmen.“

So wird er seinen bereits im Februar unterschriebenen neuen Zwei-Jahres-Vertrag bei Lok nicht wahrnehmen. „Es hat wirklich Spaß gemacht, bei euch im Verein tätig gewesen zu sein. Es war mir wirklich eine riesengroße Ehre“, sagte Seitz, nach dem er allen Beteiligten im und um den Verein ausdrücklich gedankt hatte. Er versprach, den Weg von Lok Leipzig weiterhin zu verfolgen und hier und da vielleicht auch mal wieder im Bruno-Plache-Stadion verbeizuschauen.

Lok Leipzigs Meistertrainer Jochen Seitz hat seinen überraschenden Rücktritt nun in einer Videobotschaft erklärt. Foto (Archiv): Jan Kaefer

Worüber die LZ heute berichtet hat:

Leipzig, Deine Bäume: Hitzeschutz und Klimaschutz zählen nicht, wenn es um Fußball geht

Hallo Leipzig: So startet Mittwoch, der 10. Juni 2026

Die Tiefe des Eingriffs: Der irre Glaube daran, wir könnten unsere zerstörte Welt einfach wieder reparieren

Demokratie-Monitor: Demokratie in Leipzig bleibt stark, Warnsignale nehmen zu

Was heute sonst noch wichtig war:

Ende letzten Jahres wurden an 19,1 Millionen Bundesbürger Altersrenten gezahlt. So viele waren es noch nie. Dabei flossen rund 301 Milliarden Euro.

In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es zu schweren Krawallen gekommen. Anlass war ein Messerangriff bei dem es am Montag einen Schwerverletzten gegeben hatte. Da der mutmaßliche Täter aus dem Sudan stammen soll, demonstrierten Hunderte gegen Einwanderung. Dabei steckte sie Fahrzeuge und Gebäude in Brand.

Trotz aller politischen und populistischen Diskussionen, werden in Deutschland immer mehr Neubauten hautsächlich mit Wärmepumpen beheizt. Im vergangenen Jahr betraf das, laut Statistischem Bundesamt, 73,6 Prozent der neu fertiggestellten Häuser.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Jan Kaefer über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar