Ungestraft Schwarzfahren? Der Landtagsausschuß für Verfassung, Recht und Europa befasst sich heute mit einem entsprechenden Antrag. Auf dem Augustusplatz gibts eine ungeliebte, aber ernst gemeinte Preisverleihung: Auszeichnung für den „Schlimmsten Miethai Leipzigs“! Ehrenvoller wirds beim BMW Photo Award am Abend im Museum der bildenden Künste. LZ hat einen der Preisträger kürzlich vorgestellt.
Ehre für einen großen Stadtchronisten
Gerade rückte das 50-Jährige Grünau-Jubiläum sein fotografisches Lebenswerk ins Blickfeld (LZ berichtete), heute Abend gibt es dafür eine verdiente Auszeichnung: der Fotograf Harald Kirschner. Im Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) wird heute der BMW Photo Award Leipzig verliehen. Die Auszeichnung wird erst zum zweiten Mal vergeben und würdigt Künstlerinnen und Künstler, die entweder biografisch mit Leipzig und der Region verbunden sind oder sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit der Stadt und ihrem Umfeld auseinandersetzen.
Harald Kirschner (*1944 Reichenberg, heute Liberec) wuchs in Altentreptow auf, absolvierte von 1963 bis 1965 eine Fotografenlehre und studierte von 1968 bis 1973 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Zwischen 1973 und 1981 war er dort Aspirant und Lehrer, seit 1981 arbeitet er freischaffend. Kirschner lebt und arbeitet in Leipzig, zählt mit seinen über Jahrzehnte entstandenen Dokumentationen des städtischen Wandels zu den bekanntesten Fotografen der Stadt.

Ebenfalls ausgezeichnet werden Viktoria Binschtok und Jay Ritchie. Binschtok (*1972 Moskau), wuchs in Minden/Westfalen auf, studierte von 1995 bis 2002 Fotografie an der HGB. Von 2002 bis 2005 absolvierte sie dort ihr Meisterschülerinnenstudium. 2021 leitete Binschtok die Klasse für Fotografie an der Akademie der Künste Nürnberg, 2025 lehrte sie an der Hochschule für Gestaltung Offenbach.
Jay Ritchie (*1992 Hannover) studierte von 2013 bis 2016 an der Ostkreuzschule für Fotografie und Gestaltung in Berlin und setzte seine Ausbildung von 2018 bis 2020 ebenfalls an der HGB. Von 2020 bis 2022 absolvierte er dort sein Meisterschülerstudium bei Tina Bara. Ritchie lebt und arbeitet in Berlin.
Die Ehrung findet um 18 Uhr im Rahmen der Ausstellungseröffnung statt, die bis zum 13. September Arbeiten der drei Preisträger zeigt. Der BMW Photo Award ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.
Und dem Haifisch zeigt man Zähne
Eine weitere Auszeichnung wird kurz vor dem MdbK-Festakt vergeben. Nur dürfte sich dieser Gewinner wenig darüber freuen. Unter dem Titel „Leipzig sucht den schlimmsten Vermieter“ lädt die Arbeitsgemeinschaft „Recht auf Stadt“ um 17 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Augustusplatz ein.
Die angekündigte Aktion ist als öffentliche „Preisverleihung“ angelegt und soll nach Angaben der Veranstalter Mietkonflikte sichtbar machen und Betroffene miteinander vernetzen. Im Zuge der Protestaktion gegen steigende Wohnkosten soll der „Schlimmste Miethai Leipzigs“ ausgezeichnet werden. Es ist davon auszugehen, dass er den Pokal nicht persönlich entgegennehmen wird.
Hintergrund der Aktion ist die angespannte Lage auf dem Leipziger Wohnungsmarkt. Laut der kommunalen Studie „Leben in Leipzig 2025“ gibt jeder fünfte Haushalt rund 42 Prozent seines Einkommens für Miete aus, im Durchschnitt liegt die Mietbelastung bei 29 Prozent.
Schwarzfahren mit Weißer Weste
Mit der Strafbarkeit des Fahrens ohne Fahrschein befasst sich der Sächsische Landtag heute seit 10 Uhr in einer öffentlichen Anhörung. Der Ausschuss für Verfassung, Recht und Europa berät im Plenarsaal über den Antrag „Fahren ohne Fahrschein nicht länger doppelt bestrafen! Polizei und Justiz entlasten.“ (Drs. 8/5942).
Die Initiative greift eine seit Jahren bundesweit geführte Debatte auf. Wer ohne gültigen Fahrschein unterwegs ist, kann bislang wegen § 265a StGB („Erschleichen von Leistungen“) strafrechtlich verfolgt werden. Zusätzlich verlangen Verkehrsunternehmen ein erhöhtes Beförderungsentgelt. Die den Antrag einbringende Linksfraktion spricht deshalb von einer doppelten Bestrafung und setzt sich für eine Änderung der Rechtslage ein. Nach ihren Angaben wurden 2025 in Sachsen 1106 Menschen wegen dieses Straftatbestandes verurteilt. Darunter waren 20 Freiheitsstrafen, 1015 Geldstrafen und 33 Ersatzfreiheitsstrafen.
Befürworter einer Entkriminalisierung verweisen auf mögliche Entlastungen von Polizei, Justiz und Strafvollzug sowie auf soziale Folgen für Menschen mit geringem Einkommen. Kritiker warnen hingegen vor negativen Auswirkungen auf die Zahlungsmoral im öffentlichen Nahverkehr.

Schneller ans Geld
Ebenfalls ab 10 Uhr steht im Haushalts- und Finanzausschuss eine weitere Anhörung auf dem Programm. Sachverständige befraten über das „Gesetz zur Beschleunigung der Entscheidungen über Anträge auf Zuwendungen im Freistaat Sachsen – Sächsisches Zuwendungsbeschleunigungsgesetz“ (Drs. 8/5553). Ziel des Vorhabens ist, langwierige Förderverfahren zu verkürzen.
Seit Jahren kritisieren Kommunen, Vereine, Kulturträger und soziale Projekte die Zeit zwischen Antragstellung und. Die Anhörung soll klären, ob gesetzliche Fristen oder veränderte Verwaltungsabläufe zu schnelleren Entscheidungen führen könnten.
Beide Anhörungen (Schwarzfahren und Fördergeld) sind öffentlich und werden per Livestream übertragen:
Schwarzfahren / Drs. 8/5942: https://www.landtag.sachsen.de/de/aktuelles/sitzungskalender/sitzung/2652
Fördermittel / Drs. 8/5553: https://www.landtag.sachsen.de/de/aktuelles/sitzungskalender/sitzung/2603
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