Gleich zwei Fußball-Mannschaften aus der 2. Bundesliga waren an diesem Wochenende zu Gast in Leipzig. Hier absolvierten sie Testspiele gegen die Leipziger Regionalliga-Vertreter. Trotz letztendlicher Niederlagen lieferten der 1. FC Lok gegen Hertha BSC und die BSG Chemie gegen den 1. FC Magdeburg couragierte Leistungen ab.
BSG Chemie Leipzig vs. 1. FC Magdeburg 1:4 (1:1)
Wie bereits bei jedem Chemie-Heimspiel der vergangenen Saison, war auch das heutige Testspiel gegen den 1. FC Magdeburg restlos ausverkauft. Insgesamt 4.999 Zuschauer füllten somit die Ränge des Alfred-Kunze-Sportparks, darunter auch etwa 800 Magdeburger. Die Partie gegen den Zweitligisten war für die Leutzscher das sportliche Highlight der an diesem Sonntag stattfindenden Saisoneröffnungsfeier.
Nach den drei Siegen und einem Unentschieden aus den bisherigen Vorbereitungsspielen – ausschließlich gegen Teams anderer Regionalligen – stand nun mit den Magdeburgern ein echter sportlicher Brocken auf der Matte. Ein besonderer Gradmesser für das völlig neu zusammengestellte Team von Trainer Alexander Schmidt, das inzwischen schon 15 Abgänge vermelden musste. Dem gegenüber stehen aktuell 11 Neuverpflichtungen, zudem lief heute mit dem Schweizer Timon Näpfer ein Probespieler auf. Laut Freie Presse wird der Mittelfeldspieler voraussichtlich aber auch noch beim FSV Zwickau vorspielen.
Das Team des 1. FC Magdeburg reiste übrigens direkt aus seinem einwöchigen Trainingslager bei Amberg an. Und damit die Beine auch darüber hinaus ordentlich ins Laufen kommen, wurden das Chemie-Testspiel kurzerhand als „Maxi-Version“ ausgetragen. Bedeutet: Statt der üblichen zwei mal 45 Minuten ging diese Partie vier mal 30 Minuten lang. Auch für die Leutzscher war das eine Herausforderung, da es in den Tagen zuvor bei mehreren Spielern einige kleinere Wehwehchen gegeben hatte.
Das erste Tor erzielte standesgemäß der Favorit. Richmond Tachie brachte den 1. FC Magdeburg in der 16. Minute in Führung. Chemie war aber engagiert dabei, nahm die Challenge mutig an und erarbeitete sich Chancen. Der Lohn war der Ausgleich in der 40. Minute, erzielt von Neuzugang Elias Kratzer, der vom Bonner SC ins Leutzscher Holz gewechselt war. Mit diesem 1:1 ging es dann nach einer Stunde auch in die Halbzeitpause.
Dort erholten sich die Männer aus der Elbestadt offenbar ganz gut, denn in der 64. und 76. Minute legten sie zwei Treffer nach und eroberten sich somit die Führung zurück. Der Torschütze hieß beide Male Pierre Nadjombe – übrigens der jüngere Bruder von Jean-Marie Nadjombe, der letzte Saison für die BSG Chemie auf dem Platz gestanden hatte. Den Schlusspunkt setzte dann in der 101. Minute Moritz-Broni Kwarteng mit seinem Elfmeter-Tor zum 4:1 für Magdeburg.
Unterm Strich trotz erwartbarer Niederlage ein ordentlicher Auftritt der Grün-Weißen, die am kommenden Samstag noch einen Testspiel-Höhepunkt auf dem Programm haben. Es geht nach Österreich zum dortigen Drittligisten FC Wacker Innsbruck. Es ist sozusagen ein Rückspiel, denn vor drei Jahren war das Tiroler Team bereits zu Gast in Leutzsch gewesen. Damals trennte man sich mit 1:1-Unentschieden.
1. FC Lok Leipzig vs. Hertha BSC 1:3 (1:2)
Bereits am gestrigen Samstag hatte Lokalrivale 1. FC Lok seinen Zweitliga-Moment. Vor 3.784 Zuschauern, darunter rund 1.000 Gästefans, lief mit Hertha BSC der Vorjahres-Siebente der 2. Bundesliga auf den Rasen des Bruno-Plache-Stadions. Im Gegensatz zum 1. FC Magdeburg, haben diese ihr Trainingslager erst noch vor sich. In Führung gingen sie gegen Lok aber auch. Es dauerte gegen die ebenfalls sehr engagierte Loksche aber über eine halbe Stunde, ehe Sebastian Grönning per Kopf das 1:0 für die Hertha erzielen konnte.
Nur drei Minuten später, in der 35. Minute, wurde es laut in Probstheida. Denn Lok-Knipser Ayodele Adetula nutzte seine erste große Chance zum 1:1-Ausgleich. Allzulange hielt die Freude allerdings nicht, denn nur weitere zwei Minuten später lagen die Berliner wieder vorn. Soufian Gouram zirkelte den Ball aus der Distanz sehenswert in den Torwinkel – keine Abwehrchance für Lok-Keeper Andreas Naumann. Mit dem Zwischenstand von 1:2 ging es in die Kabinen.
Hertha wechselte komplett durch, durfte nach Wiederanpfiff aber schnell erneut jubeln, da Marten Winkler im Strafraum eine scharfe Eingabe von rechts treffsicher zum 1:3 (53.) verwertete. Dabei blieb es schließlich. Für Lok geht es also mit frischen Erkenntnissen im Gepäck am morgigen Montag ins Trainingslager nach Wesendorf in Niedersachsen.
Neben der rein sportlichen Komponente hatte der Fußballnachmittag in Probstheida aber auch noch ein paar emotionale Momente zu bieten. So war bereits vor dem Anpfiff Kapitän Djamal Ziane für 350 Spiele im Lok-Trikot geehrt worden. Zwölf Jahre hält er den Blau-Gelben inzwischen die Treue.
In der Halbzeitpause der Partie trat dann der Mann auf den Rasen, der die Lok in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils zur Regionalliga-Meisterschaft geführt hatte: Jochen Seitz. Nach der erneut gescheiterten Relegation um den Aufstieg in die 3. Liga war der 49-jährige Cheftrainer Anfang Juni von seinem Amt zurückgetreten. An seiner ehemaligen Wirkungsstätte wurde er – gemeinsam mit seinem Co-Trainer Nico Wegmann – nun gebührend verabschiedet und von den Fans lautstark gefeiert.
„Es hat tierisch viel Spaß gemacht, mit der Mannschaft zusammenzuarbeiten und euch glücklich zu machen“, sagte Seitz am Stadionmikrofon in Richtung der Zuschauer und versprach: „Ich werde Lok immer im Herzen behalten, weil es wirklich eine herausragende Zeit war“. Er rief alle Blau-Gelben dazu auf, weiterhin in guten wie in schlechten Zeiten zusammenzuhalten – und drückt der Lok auch aus der Ferne weiterhin die Daumen. Lang anhaltender Applaus begleitete seine Worte.
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