August, vielleicht auch September: Die Vorlage des Liegenschaftsamtes zum möglichen Verkauf des Wäldchens an der Capastraße an RB Leipzig wurde von der Tagesordnung der Ratsversammlung am 1. Juli vorerst vertagt. Zeit für die Verwaltung, über diesen seltsamen Deal noch einmal nachzudenken. Die künftige Gestaltung des Geländes am Cottaweg wird in der Leipziger Stadtgesellschaft seit Wochen heiß diskutiert. Nachdem von verschiedenen Seiten Kritik an den von der Verwaltung vorgelegten Plänen laut geworden war, gehen die Verhandlungen in eine neue Runde.

Es ist auch eine Gelegenheit für die Ratsfraktionen, Änderungsanträge zu formulieren. Auch die Fraktion Die Linke hat nun einen Änderungsantrag zur Vorlage eingereicht. Sie würde dem Vorhaben – unter Bedingungen – sogar zustimmen.

„Wo so viele Akteure gleichzeitig agieren, sind Nutzungskonflikte vorprogrammiert – das war bereits klar, als vor Jahren der Entschluss für ein Stadion in der Innenstadt gefasst wurde. Die aktuelle Debatte um den Verkauf der Flächen an der Capastraße an RB Leipzig darf allerdings kein Freibrief für den Verein sein. Vielmehr sollten wir die aktuelle Situation als Hebel nutzen, um langfristige Ziele der Stadtentwicklung und des Naturschutzes konsequent durchzusetzen“, formuliert Franziska Riekewald, Vorsitzende der Linksfraktion, die Ansprüche ihrer Fraktion zum Vorgehen am Kleinmessegelände.

„Für uns steht fest: Wenn das Waldstück – übrigens auch eine ehemalige Ausgleichsmaßnahme – gerodet wird, muss RB Leipzig in direkter Nähe kompensieren. Besonders die artenschutzrechtlich wertvolle terrestrische Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Auwald – insbesondere im Bereich des Elsterbeckens und unter den Brücken – ist für uns Bedingung. Ein Ausbau des RB-Campus ist nur denkbar, wenn diese grünen Korridore dauerhaft gesichert und ökologisch aufgewertet werden.“

Wo aber kann kompensiert werden?

Genau da wird es freilich schwierig. Auch die Vorlage des Liegenschaftsamtes wird dazu nicht wirklich konkret. In der Vorlage heißt es dazu nur: „Der heutige Gehölzbestand müsste ganz oder teilweise im Zuge einer Umnutzung gerodet und durch Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle ersetzt werden. In den Verhandlungen mit RB ist herauszuarbeiten, ob Teile der Waldfläche im Zuge der Bebauung erhalten werden können. Die Ausgleichsmaßnahmen sollen nach Möglichkeit ortsnah erfolgen und sind von der Oberen Forstbehörde zu genehmigen. Ein Schwerpunkt kann die Stärkung des Gewässerrandstreifens entlang des Elsterbeckens haben. Grundsätzlich soll die Kompensation vorzugsweise auf Flächen stattfinden, die für den Verbund der grün-blauen Infrastruktur in Leipzig von Bedeutung sind.“

Demonstration der Umweltverbände gegen den Verkauf und die Abholzung des Capa-Wäldchens (Capi) Leipzig, 25.06.2026. Foto: Jan Kaefer

Eigentlich dürfte über einen Verkauf gar nicht debattiert werden, ohne diese grundlegendsten Fragen überhaupt geklärt zu haben. Genau deshalb hat die Grünen-Fraktion schon einen Änderungsantrag eingereicht, der das Verkaufsanliegen unterbinden soll.

Der Linken ist in dieser Diskussion auf jeden Fall der Erhalt des Kleinmessegeländes wichtig. Franziska Riekewald: „Als Linke setzen wir uns außerdem seit jeher dafür ein, dass die Kleinmesse nach 90-jähriger Tradition auf dem Festplatz weiter bestehen kann. Für uns stand immer fest, dass die Flächen nur dann anders genutzt werden können, wenn ein Alternativstandort gefunden wird. Da die Suche nach der Prüfung von 27 Standorten aufgrund von Lärmschutz und fehlender Anbindung scheiterte, ist der Verbleib der Kleinmesse am Cottaweg die einzige Konsequenz. Wir hoffen, dass der Oberbürgermeister die sitzungsfreie Zeit für weitere Verhandlungen nutzt.“

 SPD-Fraktion bezweifelt Bebaubarkeit des Waldgrundstücks

Mit einem umfassenden Änderungsantrag positioniert sich auch die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat zur aktuellen Debatte rund um das Waldstück an der Capastraße, die Kleinmesse und eine mögliche Erweiterung von RB Leipzig.

„Zunächst wollen wir das Verfahren in die richtige Reihenfolge bringen“, skizziert die SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Feichtinger das Anliegen des Änderungsantrags. „Bevor der Stadtrat über einen Grundstücksverkauf entscheiden kann, müssen alle Fakten auf den Tisch. Ob eine Bebauung des Waldstücks an der Capastraße überhaupt naturschutzrechtlich möglich wäre, ist noch gar nicht entschieden und darf zu Recht bezweifelt werden. Ein entsprechendes Bebauungsplanverfahren mit allen Gutachten dürfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.“

Demonstration der Umweltverbände gegen den Verkauf und die Abholzung des Capa-Wäldchens (Capi) Leipzig, 25.06.2026. Foto: Jan Kaefer

„Außerdem möchten wir nochmals intensiv den Standort Alte Messe als Alternativstandort prüfen lassen“, schlägt Marius Wittwer, Sprecher für Stadtentwicklung der SPD-Fraktion, vor. „Das Gelände ist für Ausstellungen gebaut worden und könnte die Kleinmesse zweimal im Jahr aufnehmen. Die Alte Messe hat aus unserer Sicht großes Potenzial, aber es bedarf auch einer zeitgemäßen und ortsgerechten Anpassung des Kleinmesse-Konzeptes hin zu einer ‚Festmeile‘ und zu einer Reduktion der Lärmemission.“

Mit Blick auf das Waldstück an der Capastraße und seine Funktion im ökologischen Verbund fügt Anja Feichtinger, die auch umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion ist, noch hinzu: „Die Preisgabe von wertvoller Waldfläche für kommerzielle Interessen kann nur die absolute ultima ratio sein. Sie ist nur in der Gesamtabwägung im Zusammenhang mit dem Erhalt der Kleinmesse vertretbar, wenn alle anderen Optionen abschließend geprüft wurden.

Sollte es wirklich dazu kommen, dann fordern wir deutlich mehr Ausgleichsmaßnahmen als das gesetzliche Minimum. Damit sollen sowohl das Elsterflutbecken im Nord-Süd-Verbund renaturiert als auch deutlich mehr Straßenbäume in Leipzig gepflanzt werden. Die Rodung von Wald muss einen Preis haben, der seiner ganzheitlichen Bedeutung gerecht wird.“

NuKLA: Das Wäldchen ist unersetzlich für den Biotopverbund

Die beiden Flurstücke an der Kleinmesse haben eine Größe von circa 57.000 Quadratmetern. Dabei handelt es sich größtenteils um einen ca. 30-jährigen strukturreichen Wald, in dem sich Stieleiche, Esche, Bergahorn, sowie Schwarzerle, Linde und Baumweiden angesiedelt haben. In der artenreichen Strauchschicht findet man u.a. Weißdorn, Schwarzer Holunder und Roter Hartriegel.

Demonstration der Umweltverbände gegen den Verkauf und die Abholzung des Capa-Wäldchens (Capi) Leipzig, 25.06.2026. Foto: Jan Kaefer

„Der Wald ist eine ehemalige naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme der Stadt Leipzig und befindet sich an einer der engsten Stellen eines noch in Teilen vorhandenen Grünzuges zwischen der Leipziger Süd- und Nordaue. Die Rodung des Waldes würde den Grünzug von 200 m Breite auf nur 70 m reduzieren“, stellt Dr. Gunnar Busse vom Nukla e. V. fest. „Als Teil eines geplanten Biotopverbunds passt er in seiner Artenzusammensetzung ausgezeichnet zum FFH-Schutzgebiet ‚Leipziger Auensystem‘.“

NuKLA fordert von den Verantwortlichen der Stadt Leipzig:

  • den Flächenverbrauch auf den natürlich erhaltenen Gebieten der Leipziger Aue zu stoppen und damit den Wald an der Kleinmesse zu erhalten,
  • gemeinsam mit Red Bull eine Lösung für die Erweiterung des Trainingsgeländes und des Parkhauses auf dem östlichen Gelände des Elsterbeckens zu finden,
  • eine nahezu vollständige Renaturierung des Grünzugs zwischen kleiner Luppe und Elsterbecken im Rahmen der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur zu prüfen und den Wald an der Kleinmesse als Teil eines Biotopverbunds in das FFH-Schutzgebiet „Leipziger Auensystem“ zu integrieren.

Und der Nukla e. V. denkt auch schon einmal an die OBM-Wahl im nächsten Jahr und wünscht sich bei der nächsten Bürgermeisterwahl eine strategische Neuausrichtung Leipzigs mit dem Fokus auf der Umsetzung der ⁠Wasserrahmenrichtlinie und dem Ziel eines geschlossenen Naturschutzgebiets „Leipziger Auensystem“.

Denn eigentlich hat die Stärkung des Biotopverbunds am Elsterbecken absolute Priorität, um das Auensystem überhaupt wieder zu stärken. Schon deshalb hätte es ein deutliches „Nein“ zum Verkauf aus dem Umweltdezernat geben müssen.

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Es gibt 6 Kommentare

Zwar finde ich die Geräuschkulisse eines Rummelplatzes im Grunde schön, und wer in die Nähe der Villa Beyer und des Capa-Hauses zieht, darf schon wegen der Straßenbahnen, die dort zudem über mehrere Weichen donnern, nicht vor Gerumpel und Geräusch zurückschrecken. Aber ja, das Wäldchen dämpft auch den Schall der Kleinmesse in Richtung Lindenau nicht unmaßgeblich! Das Problem beim Schallargument ist, daß dies für die Suche eines vernünftigen Ersatzstandortes der Kleinmesse oft das entscheidende jeweilige Gegenargument war. Man wird aber nahezu sicher nichts Unabgelegenes finden, wenn man auch noch den Schall in den Mittelpunkt rückt. Ich kenne Städte, in denen wochenlang Karussels nahezu die Balkone von Wohnhäuser touchieren. Hier bei uns soll ein halber Kilometer Abstand gehalten werden. Wieso eigentlich?

Ich war bei der Demo und war ziemlich froh, dass so viele Menschen bei der Hitze sich für den Wald stark gemacht haben. Wir müssen dran bleiben, die Fraktionen und die Stadtverwaltung weiter unter Druck setzen andere Lösungen zu finden.
Ein anderer Aspekt, der mir noch gar nicht bewusst war: Der Wald scheint auch ein Lärmfresser für die Anwohner der Kleinmesse zu sein. Sollte dies nicht mehr gewährleistet sein, dann wird es laut im Viertel. Man könne dagegen klagen. Das wird der Kleinmesse sicher nicht gefallen.

@mathias malok: ihr Vorschlag ist aber kein wirklich ökologisch wertiger – und das Vorhaben der Renaturierung des Elsterbeckens ist kein räumlich funktionaler im Sinne des BNatSchG als CEF Maßnahme. Wald ist mit Wald auszugleichen, das ist am Elsterbecken nicht realisierbar. Solarmodule und co trägt dazu bei, dass fossile Stoffe nicht verbraucht und damit CO2 gespart wird, bringt aber im Wald lebenden Arten nichts. Deswegen Walderhalt und Renaturierung des Elsterbeckens, Natur- und Klimaschutz funktioniert nicht mit Kuhhandel von Flächen, Wald wegnehmen um damit legitimieren zu wollen endlich Mal das seit über einem Jahrzehnt zu renaturierende Elsterbecken herzustellen ist so als nähme man einem das Schlafzimmer um das Bad neu zu sanieren.

Für den Erhalt des Wäldchen ist aber zunächst nicht von Belang, sich die ökologische Aufwertung benachbarter versiegelter Areale vorzunehmen.

Philipp Torsten bringt es auf den Punkt – und er hat recht. Die Debatte wird seit Wochen falsch geführt. Nicht die Natur muss sich rechtfertigen, sondern die Versiegelung.
Genau deshalb habe ich OBM Jung und der Red Bull Betriebsanlagen GmbH einen konkreten Vorschlag vorgelegt, der diesen Gedanken operationalisiert: Das bestehende RB-Gelände – Parkplätze, Trainingsränder, versiegelte Bereiche – bietet bereits heute erhebliche Flächen für messbare ökologische Aufwertung. Zwei modulare C2C-Systemvarianten machen das möglich:
V1 – mit Solarenergieerzeugung: ökologische Aufwertung Faktor +2,3× gegenüber versiegeltem Ist-Zustand, 165 kWp, ~44.550 €/a Energieerlös für RB Leipzig.
V2 – mit horizontaler und vertikaler Begrünung: Faktor +2,7× Aufwertung, terrestrischer Biotopverbund-Beitrag am Elsterbecken – genau der Korridor, den Linksfraktion, SPD und NuKLA fordern.
Beide Varianten sind vollständig reversibel, C2C-zertifiziert und nach dem Leipziger Modell der ökologischen Wertpunkte quantifizierbar. Das Amt für Umweltschutz Leipzig hat die grundsätzliche Anerkennungsfähigkeit im Juni 2026 bestätigt.
Die Frage ist nicht: Natur oder Fußball. Die Frage ist: Warum werden versiegelte kommerzielle Flächen nicht zuerst ökologisch aufgewertet, bevor auch nur ein Baum fällt?
BI RGG NPO · Leipzig

Anja Feichtinger, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion hat das Problem immer noch nicht kapiert, wenn Sie sagt: „Die Preisgabe von wertvoller Waldfläche für kommerzielle Interessen kann nur die absolute ultima ratio sein.“
Richtig rum heißt es: „Rückbau, Entsiegelung und Re-Naturierung kommerzieller Flächen, wie z.B. der Redbull-Arena, der RB-Park und -Traininsplätze sollte im Kampf für eine lebenswerte Stadt nur die absolute ultima ratio sein.“

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