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Über 2.000 Menschen hatten am Donnerstag für den Erhalt des Capa-Wäldchens demonstrierten – dem „Capi“. Mittendrin lief auch der ehemalige Sächsische Umweltminister und stellvertretende Ministerpräsident Wolfram Günther (Grüne) mit. Den gebürtigen Leipziger beschäftigen die Belange des Auwalds schon seit Jahrzehnten. „Das ist wie meine gute Stube“, sagte er im LZ-Interview. „Und wenn es der ans Leder soll, muss ich einfach dabei sein.“
Herr Günther, was macht denn aus Ihrer Sicht das Capa-Wäldchen so besonders erhaltenswert?
Der Leipziger Auwald ist aus ökologischer Hinsicht, aber auch für das Stadtklima, das Wichtigste, das die Stadt Leipzig hat. Es gibt eine nordwestliche Aue und eine südliche – und an der Verbindungsstelle, genau im Bereich des Stadions, ist dieser Verbund von beiden schon extrem angegriffen und dünn. Deswegen muss es dort noch mehr Elemente geben, die das verbinden – und da kann man nicht ein Verbindungsstück an genau dieser hochsensiblen Stelle rausnehmen. Das muss ein absolutes Tabu in der Stadtpolitik sein!
Gegen den Auwald kann man keine Zukunftsfähigkeit schaffen in dieser Stadt. Dieser Auwald als der Bereich, wo sich Luft abkühlt, wo Wasser gespeichert werden kann, wo sich die Arten zurückziehen können, wo die Menschen sich erholen können, das darf man nicht kaputt machen. Deshalb muss man für Interessen von Anderen immer andere Orte und Stellen finden, das muss einfach völlig klar sein in der Stadtpolitik in Leipzig.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, das kleine Waldstück tatsächlich erhalten zu können?
Die Chancen entstehen genau dadurch, dass Menschen so laut auf die Straße gehen. Das ist so ein machtvolles Zeichen – über 2.000 Leute, in einer knappen Woche mobilisiert, bei dieser Hitze. Ich mache ja nun schon sehr lange Umweltrecht, Umweltarbeit mit allen Verbänden, die es gibt, und ich kann mich nicht erinnern, wann es das letzte Mal einen gemeinsamen Aufruf aller Umweltverbände in Leipzig gab. Auch das ist wirklich etwas Besonderes.
Das zeigt, wie wirklich wichtig diese Sache ist. Und dass das gelungen ist, macht mich total hoffnungsvoll, dass man das auch im Stadtrat jetzt endlich klärt. Öffentliches Land ist ja genau dazu da, um öffentlichen Nutzen zu bringen – und dann kann man nicht so eine wertvolle öffentliche Fläche – im Prinzip Eigentum der Stadtgesellschaft – an jemandem privat verkaufen. Das muss einfach tabu sein.

Was, denken Sie, würde passieren, wenn die Proteste nicht erhört werden?
Ich hoffe, dass das nicht eintritt, das würden sich die Leute hier nicht gefallen lassen, denn das wäre ein Agieren gegen die Zukunftsinteressen der Stadt. Man muss sich nur einmal mit dem Auwald und seinen Funktionen beschäftigen, damit einem sonnenklar ist, dass man dort nicht dieses Verbindungsstück rausnehmen kann. Der Auwald ist kein Selbstläufer, der braucht noch ganz viel Unterstützung und Schutz. Da kann man nicht Maßnahmen machen, die genau das Gegenteil bewirken. Wenn das passieren würde, gäbe es an dieser Stelle für lange Zeit einen irreparablen Schaden. Das wollen wir nicht erleben.
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