Die drohende Rodung des Capa-Wäldchens schlägt dieser Tage Wellen. Am 1. Juli soll der Leipziger Stadtrat über dessen Wohl und Wehe entscheiden. Oder auch nicht. Ökofeten-Organisator Ökolöwe hat Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) anlässlich seines traditionellen Rundgangs am Sonntag mit einer kleinen Protestaktion empfangen und ihm eindringliche Worte mit auf den Weg gegeben.
„Die Stadt Leipzig will ein fünf Hektar großes Waldstück an der Kleinmesse an RB Leipzig verkaufen, damit sie ihr Trainingszentrum dorthin bauen können und dafür den Wald komplett roden“, erklärt Ökolöwe-Geschäftsführer Tino Supplies gegenüber der LZ.
„Wir haben dem Umweltbürgermeister heute deutlich gemacht, dass wir es als Ökolöwe für eine katastrophale Entscheidung halten, dass die Stadt in Zeiten der Klimakrise diesen Wald einfach zur Rodung freizugeben will. Wir haben dem Umweltbürgermeister Rosenthal deshalb eine Protestnote übergeben und haben ihm klar gemacht, dass wir diese Entscheidung nicht akzeptieren. Wir erwarten, dass die Verwaltungsspitze diese Vorlage zurücknimmt, sodass sie nicht am 1. Juli im Stadtrat beschlossen werden soll.“
Dass diese Thematik gerade im Rahmen einer großen Umweltmesse deutlich angesprochen werden würde, hatte Heiko Rosenthal schon irgendwie geahnt. „Mir ist bewusst, dass das Thema sehr intensiv und natürlich auch emotional diskutiert wird. Dadurch, dass wir schon im Juli den Ratsbeschluss dazu herbeiführen, ist ja auch nicht so viel Zeit, einen fachlichen Input zu geben. Deshalb bin ich auch nicht verwundert, dass mir der Ökolöwe heute eine solche Note übergibt“, sagte der Umweltbürgermeister zu dieser Aktion.
Zudem erklärte er, wie nun das weitere formelle Vorgehen zum Thema Capa-Wäldchen aussieht: „Die Stadtverwaltung hat einen Vorschlag vorgelegt und hat auch auf die umweltrechtlichen Fragestellungen hingewiesen. Wenn sich der Stadtrat jetzt positiv zu der Verwaltungsvorlage verhält, dann gilt es, sehr schnell mit der Planung anzufangen und auch mit dem Partner RB Leipzig das Ganze so projekthaft aufzustellen, dass man dann auch weiß: Wie sind die Rahmenbedingungen? Gibt es Eingriffe und wenn ja, wie sehen die aus? Ist es rechtlich überhaupt möglich, dass der Eingriff zulässigerweise erfolgt? Wie sehen zukünftige Ausgleiche aus? Das wird dann der zweite Schritt sein nach der Debatte im Stadtrat.“ Nach einer wohlmöglichen Rücknahme der Vorlage klingt das eher nicht.
Eine inhaltliche Stellungnahme zur überreichten Protestnote hatte Ökolöwe Supplies im Rahmen der Ökofete vom Umweltbürgermeister nicht erhalten. Dennoch zählt der Verein noch auf eine entsprechende Reaktion: „Wir erwarten schon, dass respektiert wird, dass diese fünf Hektar Wald, die mitten im Biotop-Verbund zwischen nördlichem und südlichem Auwald liegen, für diesen essentiell sind. Und wir erwarten, dass diese Vorlage zurückgezogen wird!“
Das drohende Ende des Capa-Wäldchens ist jedoch nicht die einzige Umweltsünde, gegen die der Ökolöwe aktuell ankämpft. So widmeten sich die Umweltschützer an ihrem Ökofete-Stand auch der Thematik Motorboote auf dem Cospudener See. „Wir als Ökolöwe sind da gerade im Widerspruch. Der Freistaat Sachsen wollte schon im Februar unbegrenzt Motorboote auf den Cospudener See schicken. Unser Widerspruch verhindert das derzeit“, beschreibt Tino Supplies des Stand der Dinge. „Wir informieren hier die Leute darüber, dass wir sehr wahrscheinlich den Klageweg beschreiten müssen. Dafür bekommen wir hier am Stand große Unterstützung. Bisher habe ich hier noch keinen erlebt, der sagt: Juhu, Motorboote auf dem Cossi sind eine gute Idee. Von daher sind wir guten Mutes und nehmen aus der Ökofete eine Menge Schwung mit.“
Es war die inzwischen 37. Leipziger Ökofete, die am 14. Juni mit ihren über 140 Ständen wieder um die 15.000 Menschen in den Clara-Zetkin-Park lockte. Aufgrund von andauernden Bauarbeiten am großen Bassin, das von der Anton-Bruckner-Allee, eingefasst wird, konnte diese allerdings nicht am angestammten Platz stattfinden.

„Zum Glück haben wir das schon frühzeitig kommen sehen“, war Projektleiterin Maria Schwan vorbereitet. „Wir haben langfristig mit dem Ausweichen auf die Max-Reger-Allee geplant. Das ist eine wunderschöne Ausweichfläche: Du hast einen Blick aufs Elsterflutbett, stehst unter wunderschönen großem, Schatten spendenden Bäumen, die Leute schlendern hier durch. Das ist etwas, das man vielleicht so beibehalten könnte.“ Ob es tatsächlich so kommt? Darüber wird eine Evaluation der diesjährigen Veranstaltung Aufschluss geben.
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