Kinder haben Rechte, von den UN festgelegt. Wie es um sie bestellt ist, beschäftigt bis Sonntag Leipzigs erste Kinderkathedrale in der Lutherkirche. Wie umgehen mit der Architektur der 1989 untergegangenen DDR? Das fragt eine Runde in der Stadtbibliothek. Die Bahn baut – und malerisch-mystisch wird’s am Dittrichring in der Galerie Koenitz.

Hübsch oder hässlich – Expertenrunde zur DDR-Architektur

Um Erhalt und weitere Nutzung von Architektur aus DDR-Zeiten geht es heute bei einer Veranstaltung in der Leipziger Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz. Unter dem Titel „Engagement durch Erinnerung: Ehrenamtliche Denkmalpflege für den Erhalt der Ostmoderne“ laden die Leipziger Denkmalstiftung und das Denkmalnetz Sachsen im Rahmen der Gesprächsreihe des Netzwerks Baukultur Leipzig zu Vorträgen und einer Diskussion ein. Beginn ist um 18:00 Uhr im Oberlichtsaal. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Nora Gitter, Koordinatorin für Baukultur der Stadt Leipzig, und Josy Pechstädt vom Denkmalnetz Sachsen eröffnen die Veranstaltung. Ab 18:20 Uhr berichtet Stefan Dähne über die Reaktivierung des Kulturhauses „Neues Leben“ in Borstendorf. Um 18:45 Uhr stellt Heimatforscher Daniel Fischer am Beispiel der POS „Juri Gagarin“ beziehungsweise 49. Grundschule „Bernhard von Lindenau“ in Dresden-Plauen ehrenamtliche Denkmalforschung vor.

Johanna Knigge präsentiert ab 19:15 Uhr unter dem Titel „Unfold: Geschichte und Potenziale der VT-Falte“ einen interaktiven Atlas. Die VT-Falte ist ein in der DDR entwickelter, vorgefertigter Spannbetonträger mit trapezförmigem Querschnitt, der vor allem für Hallendächer eingesetzt wurde. Aneinandergereiht ermöglichten die Bauteile große, weitgehend stützenfreie Räume und prägten zahlreiche Sport-, Mehrzweck- und Industriebauten. Der Atlas listet alle erhaltenen Gebäude auf, deren Dächer in dieser Form errichtet wurden.

Ein Schwerlasttransporter fährt Elemente der VT-Falte durch die DDR. Quelle: Vtfalte/Wikimedia Commons

Um 19:40 Uhr beginnt eine Podiumsdiskussion, an der neben den Vortragenden auch Leipzigs Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau, Thomas Dienberg, teilnimmt. Zu den markanten, in Leipzig erhaltenen Beispielen gehören das Gewandhaus am Augustusplatz, das City-Hochhaus („Uni-Riese“), das Wintergarten-Hochhaus, das ehemalige Interhotel Merkur, heute The Westin Leipzig, sowie die Wohnbebauung in Grünau.

Doch nicht alle Bauten dieser Zeit haben überdauert: Das 1969 errichtete und von Rudolf Skoda und Ulrich Quester entworfene Robotron-Schulungszentrum wurde 2012 abgerissen. Nach Angaben der Leipziger Denkmalstiftung wurden 2024 vier Leipziger Schulgebäude aus dieser Epoche unter Denkmalschutz gestellt.

Das einstige Hotel Merkur (li.) und das Wintergartenhochhaus (re.) sind Bauten aus der DDR-Zeit. Dazwischen tummeln sich neue Häuser, die den alten gar nicht so unähnlich sind. Foto: Michael FReitag

Bahn-Bau zwischen Leipzig und Saalfeld

Arbeiten an Leit- und Sicherungstechnik wirbeln heute den Bahnfahrplan auf der Strecke Leipzig–Saalfeld durcheinander. Fahrgäste müssen auf dieser Verbindung mit späteren Ankunftszeiten rechnen, weil in Pößneck oberer Bahnhof zwischen 7:20 und 15:40 Uhr nur ein Gleis zur Verfügung steht.

Die Strecke bleibt befahrbar, ein Schienenersatzverkehr ist für diese Maßnahme nicht vorgesehen. Betroffen sind jedoch einzelne Fahrten der Linien RE 12/RB 22 zwischen Gera und Saalfeld; zwischen Leipzig und Gera verkehren die Züge unverändert. Nach dem von der Erfurter Bahn am 24.08.2026 veröffentlichten Sonderfahrplan „RB 22 Saalfeld – Gera, gültig am 17.09.2026“ ändern sich insbesondere die Zeiten der Züge RB 80841, RB 80845 und RB 80849.

RB 80841 startet weiterhin um 9:02 Uhr in Gera Hbf, erreicht Pößneck heute jedoch um 10:15 Uhr statt regulär um 9:53 Uhr und Saalfeld um 10:33 Uhr statt um 10:21 Uhr. RB 80845 fährt um 11:02 Uhr in Gera ab und erreicht Pößneck um 12:15 Uhr statt um 11:53 Uhr sowie Saalfeld um 12:33 Uhr statt um 12:21 Uhr. RB 80849 startet unverändert um 13:02 Uhr in Gera und kommt um 14:15 Uhr statt um 13:53 Uhr in Pößneck sowie um 14:33 Uhr statt um 14:21 Uhr in Saalfeld an, so zumindest der Plan.

Nach Angaben der Erfurter Bahn sind alle anderen Züge des Unternehmens von dieser Baumaßnahme nicht betroffen.

Wer heute mit der Bahn ins schöne Saalfeld reisen möchte, kommt ganz sicher später an, als geplant. Foto: KRiPPS_Medien/Pixabay

Martin Voigts Mystik in der Galerie Koenitz

Die Galerie Koenitz eröffnet heute um 19 Uhr die Ausstellung „Der Garten“ mit Arbeiten von Martin Voigt. Zur Vernissage hält Prof. Dr. Andreas Schüle die Laudatio. Die Schau ist bis zum 26.11.2026 in der Leipziger Galerie zu sehen.

Voigt setzt sich in seinen Arbeiten mit Natur- und Landschaftsräumen auseinander. Dichte Wald- und Urlandschaften, Totholz, wucherndes Grün und stille Gewässer prägen die Bildwelten. In jüngeren Werken treten zudem wieder Figuren und Motive aus mythologischen Erzählungen hinzu. Als Beispiel für die aktuelle Werkgruppe wird „Verrottende Bäume am Ufer“ aus dem Jahr 2026 gezeigt, eine Temperaarbeit auf Leinwand im Format 110 × 110 cm.

Voigts Zusammenarbeit mit der Galerie Koenitz reicht über die aktuelle Ausstellung hinaus. Dort waren bereits die Ausstellung „HYPERBOREA“ sowie die gemeinsam mit Soojie Kang präsentierte Schau „FERNE GEFILDE“ zu sehen. Zu „HYPERBOREA“ erschien zudem ein 200-seitiger Katalog, an dem unter anderem Andreas Schüle als Autor beteiligt war.

Martin Voigt wurde 1990 in Leipzig geboren und wuchs in Delitzsch auf. Von 2006 bis 2013 absolvierte er eine Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer und arbeitete in diesem Beruf in Leipzig, Merseburg, Balduinstein an der Lahn und Trebsen. Anschließend studierte er von 2013 bis 2018 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig in der Fachklasse für Malerei und Grafik bei Professor Annette Schröter und schloss das Studium mit dem Diplom ab. 2018 wurde Voigt mit dem Berlin Hyp-Preis ausgezeichnet.

Ab morgen kann die Ausstellung dann bis zum 26.11.2026, Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, besucht werden. Die Galerie befindet sich am Dittrichring 16, schräg hinter dem bekannten Märchenbrunnen.

Martin Voigt, Flucht IV. Mischtechnik auf Leinwand, 100×130

Kinderrechte unterm Kirchendach

In der Lutherkirche am Johannapark beginnt heute die erste sogenannte Kinderkathedrale Leipzigs. Die Eröffnungsfeier startet um 16:30 Uhr direkt in der Kirche (Ferdinand-Lasalle-Str. 25) und steht unter dem Titel „Kinder haben Rechte“. Im Anschluss können Kinder und Familien die eigens eingerichteten Erlebnisinseln erkunden. Um 18 Uhr schließt sich ein Abendsegen unterm Sternenhimmel des Altarraums an.

Das Projekt läuft bis 20. September 2026 und soll Kinderrechte ebenso erfahrbar machen wie Beteiligung, Bildung, Gemeinschaft, Spiel, Freizeit und kulturelle Teilhabe. Thematisiert werden unter anderem das Recht von Kindern, ihre Meinung zu äußern und gehört zu werden. Auf den Erlebnisinseln können die jungen Besucher beispielsweise musizieren, Fensterbilder gestalten, Buttons herstellen und eine Orgel bauen.

Der Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig beschreibt das Konzept als „Projekt offener Kirche auf Zeit“. Die Angebote sind kindgerecht, inklusiv, kreativ, musikalisch und religionssensibel gestaltet und leben durch die Beteiligung von Kindern und Familien. Mit der Veranstaltung betritt Leipzig Neuland: Nach Angaben der überregionalen Kinderkathedrale ist die Lutherkirche Schauplatz des Auftakts für eine künftig jährlich stattfindende Kinderkathedrale in unterschiedlichen Leipziger Kirchen.

Bereits heute Vormittag läuft von 8 bis 12 Uhr eine Entdeckerzeit für angemeldete Kita- und Schulgruppen. Der freizugängliche, öffentliche Teil folgt dann um 16:30 Uhr. Am Freitag, 18. September, steht von 8 bis 12 Uhr erneut das Gruppenprogramm auf dem Plan. Zwischen 14 und 18 Uhr lädt die Kinderkathedrale anschließend zur öffentlichen Familienzeit, bevor um 18 Uhr eine Geschichte und der Abendsegen folgen.

Am Samstag, 19. September, kann die Kinderkathedrale von 14 bis 18 Uhr besucht werden. Ab 15 Uhr gibt es ein Familiencafé, um 18 Uhr wiederum eine Geschichte und den Abendsegen sowie um 19 Uhr den „Brausepulver-Abend“. Der Schlusstag am Sonntag, 20. September, beginnt um 10 Uhr mit einem Familienbrunch samt Mitbring-Buffet. Von 11:30 bis 15 Uhr steht die Kinderkathedrale nochmals offen, ehe um 15:30 Uhr die Abschlussfeier beginnt. Der Besuch ist an allen Tagen kostenfrei. Das gesamte Programm der Kinderkathedrale gibts HIER ONLINE als Übersicht.

Apostel Paulus vorm Eingangsportal der Lutherkirche. Foto: Ralf Julke
Paulus lädt ab heute in die Lutherkirche ein, in der sich bis Sonntag alles um Kinderrechte dreht. Foto: Ralf Julke

Lizenzhinweis: Das Foto vom Transport der Dachelemente „VT-Falte“ stammt von Vtfalte/Wikimedia und ist unter DIESEM LINK zur Nutzung freigegeben. Es wurde für die Verwendung auf dieser Seite beschnitten, ansonsten jedoch in keiner Weise verändert.

 

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