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Mehr Obst, Nüsse und Gemüse, weniger Fleisch und weniger Zucker: Genau das entspricht den Empfehlungen aller Ernährungsberater. Mit dem, was oft die Deutschen im Durchschnitt derzeitig essen, hat das wenig zu tun. Inzwischen fehlen in den letzten Jahren in Mitteldeutschland die Niederschlagsmengen von über einem Jahr, also mehr als 600 mm Niederschlag. In Deutschland fehlt die Wassermenge des Bodensees.
Durch die geringeren Niederschläge kann im Sommer kaum noch Wasser versickern, um die Wasserreserven im Grundwasser aufzufüllen. Da es auch im Winter kaum Schnee gibt und zu wenig regnet, kommt es kaum noch zur Grundwasserneubildung.
Das Problem ist folgendes: Je tiefer der Boden ausgetrocknet ist, desto schlechter kann Wasser nachsickern, denn es muss den ausgetrockneten Boden erst einmal allmählich auffüllen. Und je tiefer das Wasser sickern muss, desto langsamer sickert es auch nach, natürlich je nach Durchlässigkeit der entsprechenden Bodenschichten.
Zudem entnehmen wir für unsere Wasserversorgung in manchen Gegenden mehr Grundwasser, als Wasser nachsickern kann. Für Leipzig entnehmen wir das Trinkwasser zum großen Teil aus dem Grundwasser, das in den eiszeitlichen Urstromtälern vom Erzgebirge in Richtung Ostsee fließt (Trinkwasserwerke bei Torgau und Naunhof). Auch die Tagebaurestlöcher im Süden und Norden von Leipzig schneiden diese Grundwasserleiter an, weshalb die Restlöcher sich auf einen bestimmten Wasserspiegel eingepegelt haben.
Durch die extremen Hitzetemperaturen im Sommer verdunstet auf den großen Wasserflächen immer mehr Wasser, was im Gesamtwasserdargebot für die Trinkwasser- und Brauchwasserentnahme und für die Flüsse und natürlichen Seen fehlt.
Wir sollten also nur so viel Wasser dem Boden entnehmen, wie es auch wieder übers Jahr nachsickern kann. Das betrifft auch insbesondere die Entnahme von Grundwasser für die Landwirtschaft für Beregnung von Flächen, die Wasserentnahme durch die Wirtschaft für technologische Prozesse und zur Kühlung und die Wasserentnahme zu Verkaufszwecken für Getränke jeder Art.
Ein Geschenk für Großkonzerne
Nach Information der Heinrich Böll Stiftung vom 7.1.2026: „Große multinationale Konzerne pumpen weiterhin große Mengen Grundwasser ab. In vielen Regionen gerät diese privatwirtschaftliche Nutzung in Konflikt mit dem öffentlichen Interesse. Im fränkischen Treuchtlingen bohrt Aldi Nord lokale Brunnen, während die Bevölkerung ihr Trinkwasser aus über 100 Kilometer Entfernung beziehen muss – mit entsprechend hohen Kosten.
In der Brandenburger Stadt Baruth haben im Jahr 2023 die beiden Großkonzerne Red Bull und Rauch die Mineralwasserfabrik Brandenburger Urstromquelle übernommen, samt umfangreicher Grundwasserrechte.
Erlaubt wird Red Bull und Rauch die Nutzung von 2,5 Millionen Kubikmetern: mehr, als im Durchschnitt alle Menschen in einer deutschen Stadt mit 50.000 Einwohner*innen zusammen verbrauchen. Den beiden Konzernen stehen in Baruth rund 92 Prozent der gesamten jährlichen Entnahmemenge zu. Für die Bevölkerung bleiben lediglich noch 8 Prozent übrig. Aktuell plant Red Bull, seine Produktion in Baruth mit einem neuen Logistikzentrum auszuweiten. Der Wasserverbrauch des Konzerns dürfte dadurch weiter steigen. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass sich die Grundwasserneubildung in Brandenburg bis 2050 um bis zu 40 Prozent verringern könnte.“
Eine neue Wasserpolitik
Eine gerechte Wasserpolitik in diesem Sinne erfordert neue, klare politische Maßnahmen. Leider hört man von der derzeitigen Bundesregierung und vom Freistaat Sachsen dazu – einfach nichts. Erforderliche Maßnahmen wären:
– in der Industrie eine Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft, also das Wasser, das entnommen wurde, möglichst vielfach im Kreislauf wieder aufzubereiten und zu verwenden.
– Es braucht in der Öffentlichkeit mehr Transparenz über den Wasserverbrauch von Konzernen. Die Wasserentnahmepreise müssen je nach Entnahmemenge gestaffelt angesetzt und öffentlich gemacht werden,
– es muss die Grundwasserentnahme deutlich stärker reguliert und besser an die natürliche Neubildung angepasst werden – insbesondere in Regionen mit Wasserstress,
– und es müssen Konzerne zum Beispiel durch einen angepassten Wasserpreis stärker dazu verpflichtet werden, ihre Produktion wasserschonender zu gestalten. Denn nur ein umfassender und konsequent durchgesetzter Schutz und die schonende Nutzung unserer Grundwasserreserven können den natürlichen Wasserkreislauf langfristig sichern.
Was kostet Trinkwasser?
Der Frischwasserpreis für 2026 in Leipzig liegt bei rund 2,62 Euro/m³. Die jährliche Grundgebühr für den Wasserzähler beträgt etwa 124,65 €.
Zur Berücksichtigung: Ein Kubikmeter beinhaltet 1.000 Liter. Der Preis im Supermarkt oder Discounter für 1 Liter Mineralwasser beträgt ab 0,20 Cent/Liter (die 1,5-Liter-Flasche kostet inzwischen ab 0,29 € die preiswerteste Abfüllung), 0,20 Cent/L mal 1.000 Liter gleich 200 Euro!
Der Wasserpreis für Getränkehersteller im Freistaat Sachsen ist schwer zu ermitteln. Nach Erfassung vom BUND vom Januar 2019 zu Wasserentgelten liegt der Kubikmeterpreis für Grundwasser für die Öffentliche Wasserversorgung mit 1,5 Cent/m³ bis zu „Sonstige Zwecke“ mit 7,6 Cent/m³. Wohlgemerkt in Cent pro Kubikmeter Grundwasser! Der Verbraucher bezahlt in Euro pro Kubikmeter!
Die Industrie verbraucht in Deutschland enorm viel Wasser. Etwa die Hälfte der gesamten Wasserentnahme erfolgt durch die Wirtschaft. Unternehmen wie RWE und BASF nutzen große Mengen Trinkwasser, während die Getränkekonzerne zusätzlich Brunnen aufkaufen. Diese Entwicklung führt zu Konflikten in der Wasserwirtschaft, zwischen der öffentlichen Wasserversorgung, der Landwirtschaft und der Industrie. Momentan erheben 14 der 16 Bundesländer eine Abgabe für die Entnahme von Wasser, einen sogenannten „Wassercent“.
Die Bundesländer entscheiden dabei selbst über die Höhe der Entgelte. Zwar unterscheiden sich die Kosten in den einzelnen Bundesländern – doch sie sind überall sehr niedrig. In den Bereichen Wasserkraft, Landwirtschaft, Bergbau, Kühlung und Trinkwasser variieren die Preise pro Kubikmeter Wasser zwischen 0,5 und 31 Cent (das entspricht 0,0005 bis 0,031 Cent pro Liter).
In Hessen und Thüringen können Unternehmen das Wasser sogar kostenlos entnehmen. Der Braunkohlekonzern RWE etwa verbraucht für seinen Tagebaubetrieb fast 500 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Das entspricht 500 Milliarden Litern – etwa so viel, wie 10 Millionen Bürger im Jahr verbrauchen. Hierfür zahlt RWE maximal 5 Cent pro Kubikmeter.
Die amtierende Bundesregierung hat zwar in einer Nationalen Wasserstrategie viele Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers und der Wasserversorgung vorgeschlagen. Diese Wasserstrategie datiert vom Juli 2025 und ist auf den Zeitraum bis 2050 ausgelegt. Doch es fehlen noch immer gesetzliche Vorschriften, die die öffentliche Wasserversorgung priorisieren. Unternehmen erhalten oft langfristige Entnahmerechte, die die Klimakrise und die damit einhergehende zunehmende Wasserknappheit kaum berücksichtigen.
Teil 1 „Tropennächte und Hitzeschutzpläne“
Teil 2 „Trockenheit in Binnenschifffahrt und Landwirtschaft“
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