Mehr als 200.000 Menschen wurden zwischen 1938 und 1945 aus dem Deutschen Reich deportiert. Viele dieser Verschleppungen wurden fotografisch festgehalten. Die Ausstellung „Festgehalten. Verschleppt aus Deutschland 1938–1945“ im Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus in Leipzig zeigt ab Montag, 17. August, ausgewählte historische Fotografien und stellt damit eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Wie konnte die Verfolgung und Deportation von Menschen öffentlich stattfinden – und wer sah dabei zu?

Von fast siebzig deutschen Städten sind heute Fotografien von Deportationen überliefert. Die Bilder zeigen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sowie Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“. Sie dokumentieren nicht nur die systematische Verfolgung und Verschleppung von Menschen, sondern auch deren öffentliche Dimension: Deportationen fanden am helllichten Tag statt, vor den Augen von Täterinnen, Tätern und Zuschauern.

Die von der Landesarbeitsgemeinschaft „Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ organisierte Ausstellung ist Teil des Forschungsprojekts #LastSeen der Arolsen Archives. Seit 2021 werden im Rahmen des Projekts historische Fotografien von Deportationen gesichert, gesammelt und wissenschaftlich erforscht. In einem digitalen Atlas werden die Bildquellen für Forschung, Bildungsarbeit und Erinnerungskultur zugänglich gemacht. Dabei wird deutlich: Die Fotografien sind nicht nur historische Dokumente. Sie erzählen von Menschen, von Ausgrenzung und Entrechtung – und von einer Gesellschaft, in der diese Verbrechen sichtbar waren.

Nahaufnahme der Deportation der Juden und Jüdinnen aus Halberstadt am 12.04.1942. Foto: Archiv Familie Beverstein
Nahaufnahme der Deportation der Juden und Jüdinnen aus Halberstadt am 12.04.1942. Foto: Archiv Familie Beverstein

Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 17. August, um 18 Uhr im Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus in der Hinrichsenstraße 14. Dr. Ramona Bräu-Herget von den Arolsen Archives gibt in ihrem Vortrag Einblicke in die Arbeit des Projekts #LastSeen und erläutert, welche Bedeutung die Fotografien als historische Quellen haben.

Gerade heute, da die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen zunehmend von zeitlicher Distanz geprägt ist, gewinnen solche Bildquellen besondere Bedeutung. Sie ermöglichen eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und fordern dazu auf, genauer hinzusehen: Was sehen wir auf den Bildern – und was sagt uns das über die Gesellschaft, in der diese Deportationen möglich waren?

Die Ausstellung lädt dazu ein, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und die Geschichte der Verfolgten sichtbar zu halten. Sie richtet sich an alle Interessierten, an Schulen und Bildungseinrichtungen ebenso wie an Besucher*innen, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Erinnerungskultur beschäftigen möchten.

„Festgehalten. Verschleppt aus Deutschland 1938–1945“ ist vom 17. August bis 14. September 2026 im Ariowitsch-Haus zu sehen.

Vernissage: Montag, 17. August, 18 bis 20 Uhr im Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus, Hinrichsenstraße 14, 04105 Leipzig.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 14–18 Uhr bei freier Raumkapazität (Infotelefon: (0341) 22541000). An Sonn- und Feiertagen zu Veranstaltungen geöffnet
Eintritt: frei.

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