Genau genommen ist dieser Freitag der Start in ein Wochenende des Jubilierens. Die Jüdische Gemeinde begeht den 25. Jahrestag der Gründung ihres Begegnungszentrums. Das Stadtfest beginnt, wenngleich mit dem bitteren Beigeschmack der Sicherheitsfrage. Und die weltberühmten Thomaner singen heute den neuen Stadthafen in eine hoffentlich sichere Zukunft. Ahoi Leipzig! Das kann ein schönes Wochenende werden.

Thomaner singen zur Hafeneinweihung

Ein bisschen vorgepaddelt wurde ja schon. Doch ab heute geht er offiziell in Betrieb: der Stadthafen Leipzig! Mit dem ersten Spatenstich der Hauptbauarbeiten am 6. September 2023 begann die Schaffung des Hafenbeckens sowie der umliegenden Infrastruktur. Und die Umsetzung eines Traums…

Dirk Thärichen, neben Jan Benzien Mitbegründer des Hafenprojekts, erinnert sich in LZ: „Mein Vater war Lehrer bei den Thomanern… 100 Meter vom heutigen Hafen entfernt. Als Kind besuchte ich ihn oft, wir gingen ins Schreberbad. Dass dort an diesem Wasserweg durch die Stadt ein Hafen in Betrieb geht, kann er leider nicht mehr miterleben. Um so schöner ist es, dass die Thomaner am Nachmittag zum Einweihungsfest singen.“

Im November 2025 wurde das Becken erstmals geflutet. Dass Leipzig eine Wasserstadt ist, war über viele Jahrzehnte aus dem Blickfeld geraten.  300 Kilometer große und kleine Flussläufe gehören zum Stadtgebiet. Die einst für Wirtschaft und Handwerk wichtigen Mühl- und Floßgräben wurden im 20. Jahrhundert in Tunnel verlegt. Eine schrittweise Öffnung erfolgte ab den 90er Jahren. Seit seiner provisorischen Inbetriebnahme im Jahr 2014 mit Bootsverleih, Beachvolleyballfeld und Fahrradverleih hat sich der Stadthafen in das wiederbelebte Gewässernetz eingefügt.

Das Gesamtareal des Stadthafens umfasst rund 13.800 Quadratmeter. Das Hafenbecken nimmt davon etwa 4.025 Quadratmeter ein. Erbaut wurde die Anlage nach Auskunft der Stadt zu 90 Prozent aus Fördermitteln. Zur offiziellen Eröffnung des Stadthafens sind ab 14 Uhr alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.

400 Meter vom Rathaus und 100 Meter von den Thomanern entfernt – der Stadthafen bekommt zur Einweihung ein prominentes Ständchen. Foto: ringophotoz / Stadthafen Leipzig

Stadtfest im Schatten von Pollern

Start für das 33. Stadtfest Leipzigs. Zwischen Markt, Augustusplatz, Burgplatz, Nikolaikirchhof und Wilhelm-Leuschner-Platz erwartet die Besucher ein vielseitiges Programm, das von Rock’n’Roll und Dancefloor-Klängen bis hin zu klassischer Musik reicht. Insgesamt stehen mehr als 150 Stunden Musik, Kultur und Unterhaltung auf dem Programm.

Eröffnet wird die Bürgersause am heutigen Abend auf dem Markt. Dort treten unter anderem Véloclub, Levent Geiger sowie Steffen Lukas mit dem Plattenbauorchester auf. Parallel dazu wird der Augustusplatz zur Partyzone für Fans von Rap, House und elektronischer Musik. Auf der Bühne stehen dort HeXer, Habykey und Emi Flemming. Eine deutlich ruhigere Alternative bietet das Irische Dorf am Nikolaikirchhof mit Livemusik und traditioneller Pub-Atmosphäre.

Der Samstag gilt traditionell als besucherstärkster Tag des Stadtfestes. Entlang der Festmeile laden zahlreiche Angebote zum Verweilen ein, während auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz diverse Fahrgeschäfte geöffnet sind. Tanzschulen, Vereine und verschiedene Live-Acts gestalten das Tagesprogramm. Besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf dem integriert stattfindenden Landesjugendfeuerwehrtag. Auf dem Augustusplatz präsentieren sich die Nachwuchsfeuerwehren Sachsens mit Vorführungen und Mitmachangeboten. Als Höhepunkt ist ein Weltrekordversuch bei einer Höhenrettung vom Uni-Riesen angekündigt.

Am Samstagabend gibt’s Musik von OASIS (allerdings von einer Tribute-Band vorgetragen, dafür bei freiem Eintritt). Neben anderen verabschieden die Leipziger Vorzeige-Rock´n`Roller der „Firebirds“ am Sonntagabend die Stadtfestgäste in die heimischen Kissen.

Nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt am 4. Mai wurde das Sicherheitskonzept für das Stadtfest überarbeitet. Ein 33-jähriger Autofahrer fuhr vom Bereich Augustusplatz in die Fußgängerzone der Grimmaischen Straße ein und legte dort mehrere hundert Meter zurück, bevor das Fahrzeug gestoppt wurde. Dabei wurden zwei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. (LZ berichtete). Verschiedenste Sicherungsmaßnahmen sollen ein ähnliches Eindringen in Veranstaltungsorte verhindern.

Keine Angst vor großen Tieren. Hanna Rautzenberg supportete Bryan Adams und rockt beim Stadtfest den Leipziger Markt. Foto: Julia Tiemann

Eine Feier für die Rückkehr jüdischen Lebens

Die Geschichte Leipzigs ist ohne jüdisches Leben nicht vorstellbar. Aber eben auch nicht ohne den Versuch, dieses Leben auszulöschen. Und auch nicht ohne den Willen vieler, ob Juden oder nicht, wieder Raum zu schaffen, Freiheit und Wiederbelebung nach der Shoah. Die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig und das Ariowitsch-Haus feiern am Sonntag das 25-jährige Bestehen des „Fördervereins Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig“.

Vereinsvorsitzende   Giesela Kallenbach betont in ihrer Einladung zum Geburtstagsfest: „Es muss ausgeschlossen sein, dass nochmals jemand in meiner Stadt sagt: ,Ich will keine jüdischen Nachbarn haben.‘ Der Bedarf ist immer noch da, den Mund aufzumachen und gegen jede Ausgrenzung einzustehen. Ich wünsche mir, dass Jüdinnen und Juden in unserer Stadt selbstverständlich angstfrei und würdevoll leben können.“

Zu den Unterstützern des Vereins zählen unter anderem Pfarrer LZ-Kolumnist Christian Wolff, Susanne Kucharski-Huniat und Bernd-Lutz Lange. Heute hat der Förderverein 55 Mitglieder und unterstützt auch die Pläne der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, im Ariowitsch-Haus eine Außenstelle eines Bildungszentrums einzurichten (LZ berichtete).

Der „Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum“ sammelt Spenden für das Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus sowie für die jüdische Gemeinde. Foto: Kultur- und
Begegnungszentrum
»Ariowitsch-Haus« e.V.

Das Jubiläum wird am Sonntag mit rund 100 geladenen Gästen begangen. Erwartet werden unter anderem Sozialbürgermeisterin Martina Münch, die Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta und Sabine Freifrau von Schorlemmer. Die Festrede hält Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Trio Rozhinkes.

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