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„So, und ehrlich gesagt, diese ewige Nörgelei, diese ewige Nölerei, dieses Schlechtreden, dieses Kaputtreden unseres Landes. Ich darf mir das bei solchen Gelegenheiten auch mal erlauben. Ich bin es einfach leid.“ So Friedrich Merz im Sommerinterview mit Diana Zimmermann vom ZDF. Da ging um seinen Ausbruch auf dem CDU-Landesparteitag in Düsseldorf, welcher von Frau Zimmermann in den Raum geworfen wurde: „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker wegtreten“.

Ja, da spricht der Kanzler der meint: „kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen. Ich beschwere mich nicht darüber, aber so ist es.“ endlich Klartext: Schluss mit der Nölerei!

Und er bringt auch gleich ein positives Beispiel: „Wir haben so viele Möglichkeiten. Wir sehen eine Zahl von Unternehmensgründungen durch junge Menschen in nie gekannter Zahl. Schon im ersten Halbjahr 2026 sind fast so viele neue Unternehmen gegründet worden wie im Jahr 2025.“ Dann sagt er: „Ich bin es einfach leid, dass nur schlecht geredet wird über Deutschland.“

Irgendwie hat er da viele Menschen vergessen, die unspektakulär täglich Leistungen erbringen. Spektakulärer war es in der Hitzewelle, da sind Millionen von Menschen an ihre nicht klimatisierten Arbeitsplätze gegangen und haben das Land am Laufen gehalten. Viele Freiwillige haben, beispielsweise in Leipzig, die Hitzeschäden zumindest vorläufig beseitigt. Wir haben in Deutschland immer noch eine hohe Anzahl von unbezahlten Überstunden, 2024 waren es 637,5 Millionen, und essenzielle Leistungen für die Gesellschaft erbringen Menschen im Ehrenamt. Friedrich Merz ist aber der Meinung, dass zu wenig gearbeitet wird – wenn das mal keine Nörgelei am Volk ist.

Überstunden 2024 und I/2025. Screenshot: LZ

Darauf angesprochen reagiert er im Sommerinterview dünnhäutig: „Und es gehört zur Wahrheit dazu, Frau Zimmermann, dass viele Menschen in Deutschland gesagt haben, genau so ist es, wie der Friedrich Merz das da gesagt hat. Nur die kommen in ihrer Berichterstattung kaum vor.“ Abgesehen von Unternehmern, längst nicht allen, und Wirtschafts-Lobbyisten, die dem öffentlich zustimmen, wo sind denn diese „ich bekomme sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung für das, was ich zu diesen Sachverhalten sage“?

Friedrich Merz stellt hier die Berichterstattung in ZDF und anderen Medien als eine einseitige und gegen ihn gerichtete dar. Den Beweis für die große Zustimmung bleibt er schuldig, diese Menschen melden sich auch nicht bei den Medien, nicht einmal im Social Media.

Warum vergleicht der Bundeskanzler diesmal eigentlich die Arbeitszeiten von Deutschland und der Schweiz? „Ich habe nur gesagt, dass die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland im Augenblick zu niedrig ist. Die Schweizer arbeiten 200 Stunden mehr als die Deutschen.“ Schaut man in die Statistik von 2025, dann liegt die Schweiz, ebenso wie Deutschland, unter dem EU-Durchschnitt.

Tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit im internationalen Vergleich (EU und EFTA) – 2025 Diagramm. Screenshot: LZ

Ja, der Vergleich ist bewusst gewählt. Nähme Merz nämlich die Spitzenreiter Griechenland und Bulgarien, könnte er nicht sagen: „unsere Produktivität ist zu gering, unsere wirtschaftliche Leistung ist zu gering und da müssen wir was dran tun“. Produktivität und Leistung haben eben nichts mit der puren Anzahl von Arbeitsstunden zu tun, das ist hier statistisch nachweisbar.

Da hilft es auch nicht weiter, wenn er später sagt: „Ich weiß, wie viel Menschen leisten und arbeiten. Ich sehe das in den Krankenhäusern, ich sehe es in den Pflegeheimen, ich sehe es an vielen anderen Stellen.“ Er drückt gegenüber diesen Menschen keine Wertschätzung aus. Für ihn ist das normal und verbesserungswürdig. Denn gleich danach kommt: „Ich sage aber auch, insgesamt müssen wir in diesem Land einfach eine höhere Leistung erbringen.“

Fazit: Friedrich Merz nörgelt an seinem Volk herum, findet aber keine für alle akzeptable Lösung. Nach dem Sommerinterview kommt die Sommerpause, da muss Spahn ersetzt und eventuell die Regierung umgebildet werden. Außerdem will Friedrich Merz, zumindest sagte er das in der Sommerpressekonferenz, seine Kommunikation verbessern.

Ob das hilft? Auf die Frage ob Politik oft nur schlecht kommuniziert wird, erhielten wir von einem Kommunikationswissenschaftler, im Jahr 2024, folgende Antwort:

„Die Politik hat die Neigung, politische Probleme als Kommunikationsprobleme auszulegen. Es ist bequem zu sagen: Wir haben unsere Politik einfach nicht gut genug kommuniziert, aber die Politik selbst war richtig. Das scheint mir auch eine populäre Reaktion auf die jüngste Europawahl gewesen zu sein. Das verkennt aber, dass manchmal die Probleme nicht auf der Ebene der Kommunikation liegen, sondern tatsächlich auf der Ebene substanzieller Politik, auf der Policy-Ebene.“

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