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Vom 12. bis 20. September 2026 findet das Festival „Gutes Leben Leipzig“zum zweiten Mal statt. Was ist das für ein Festival, wann war das erste und was erwartet die Leipzigerinnen und Leipziger dort? Diese Fragen stellen sich wohl für viele Menschen, die das erste Festival im Jahr 2025 nicht mitbekommen haben.
Das Festival steht unter dem Motto „Was bedeutet gutes Leben in Leipzig – heute und in Zukunft?“ und ist eine Kooperation des Gemeinwohl-Ökonomie Mitteldeutschland e.V. und des Forums Nachhaltiges Leipzig.
Wir wollten das genauer wissen, der Blick auf die Webseite genügte uns nicht, also fragten wir bei der Projektmanagerin des Festivals, Viktoriya Machulskaya, nach einem Termin für ein Gespräch an. Das hat auch geklappt und wir trafen uns am 19. August mit Viktoriya Machulskaya und Anna Heil zum Gespräch. Anna Heil ist Mitarbeiterin beim Forum Nachhaltiges Leipzig und hat schon das 2025er-Festival mitgestaltet. Wir haben für das Gespräch die Anrede mit „Du“ vereinbart.

Viktoriya und Anna schön, dass es heute geklappt hat. Das Festival „Gutes Leben Leipzig“, was ist der Hintergrund und was motiviert Euch?
Viktoriya: Ich gebe die Frage gleich weiter an Anna. Sie ist die Person, die das Festival letztes Jahr schon mitgestaltet hat. Um den Kerngedanken des Festivals kurz zu beschreiben: Wir wollen sichtbar machen, wie vielfältig die Vorstellungen von einem guten Leben in Leipzig sind, was es bereits heute in der Stadt gibt, das dazu beiträgt, und gemeinsam darüber nachdenken, was es für ein gutes Leben in Zukunft braucht. Aber Anna kann dazu noch ein bisschen mehr erzählen, weil sie das Festival bereits im vergangenen Jahr mitgestaltet hat.
Anna: Die Idee ist nicht, dass alle sagen sollen, wie gut es ihnen geht. Die Menschen sollen uns sagen, was brauchen sie zum guten Leben oder was ist für sie gutes Leben? Das kann ja von Person zu Person komplett unterschiedlich sein, das ist ja ein sehr offener, schwammiger Begriff. Das ist es, was wir mit dem Festival herausfinden wollen: Was bewegt die Menschen, was für sie ein gutes Leben? Umgekehrt wollen wir zeigen, was es schon für tolle Sachen in Leipzig gibt, die zu einem guten Leben beitragen.
Dafür macht Ihr auch eine Befragung, was fragt Ihr die Menschen?
Viktoriya: Hauptsächlich befassen wir uns mit den Fragen: Was bedeutet gutes Leben in Leipzig für Dich persönlich? Wie kann gutes Leben aussehen? Was wünschst Du Dir? Könntest Du Dir vorstellen dabei mitzuwirken?
Die Zwischenergebnisse präsentieren wir bei unserer Auftaktveranstaltung am 11. September ab 10:30 Uhr in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs in Form einer Ausstellung. Dort kann man die Ergebnisse entdecken, weiterdiskutieren und natürlich auch selbst noch an der Befragung teilnehmen. Dazu laden wir selbstverständlich alle Leipzigerinnen und Leipziger ein.
Wie lange läuft diese Befragung?
Viktoriya: Die Befragung läuft bereits seit Mitte Juni und läuft auch bis zum Ende des Festivals. Wir haben da auch geplant, dass eine studentische Hilfskraft der Universität Leipzig darüber einen wissenschaftlichen Beitrag schreibt und das Ganze wissenschaftlich auswertet.
Wie läuft das Festival ab?
Viktoriya: Das Festival ist dezentral organisiert und findet an vielen verschiedenen Orten in der ganzen Stadt statt. Leipziger Initiativen, Vereine, Einrichtungen und weitere Akteur:innen gestalten eigene Veranstaltungen und Aktionen, die unter dem gemeinsamen Dach des Festivals zusammenkommen. Das reicht von Workshops und Spaziergängen über Gespräche und Diskussionen bis hin zu Mitmachaktionen, Kulturformaten und Beratungsangeboten. Es gibt jetzt schon die Möglichkeit sich, das Festivalprogramm online anzuschauen und wir sind gerade dabei, das gedruckte Programm fertig zu drucken.
Auch wenn der Name „Gutes Leben Leipzig“ unpolitisch klingt, schließlich verstehen Menschen unter einem guten Leben oft gegensätzliches. Letztes Jahr ging es viel um Ökologie und Nachhaltigkeit. Viele Menschen würden sagen, es wäre ein grünes Festival. Was ist es nun wirklich?
Anna: Das Festival ist ja eine Kooperation vom Gemeinwohl-Ökonomie Mitteldeutschland e.V. und dem Forum Nachhaltiges Leipzig, worüber ich dabei bin. Dadurch hatten wir diese Basis, dass wir da ganz viele Kontakte in Richtung grüne ökologische Akteur:innen hatten, die natürlich direkt am Start waren und mitgemacht haben. Wir wollen aber bewusst das Festival öffnen, dass es eben nicht nur in dieser grünen Blase stattfindet. Gutes Leben ist ja etwas viel Größeres, wie gesagt kann es für jeden etwas anderes sein. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel versucht den Schwerpunkt ein wenig auf Inklusion zu richten. Wir hatten da Workshops angeboten und versucht diese Aktionen inklusiver zu gestalten. Das wollen wir natürlich gerne jedes Jahr auch weiter ausbauen.
Das Festival findet ja erst zu zweiten Mal statt, es muss sich noch etablieren. Zum guten Leben gehören ja auch viele andere Themen, ich denke an Gesundheit, also körperliche und seelische oder mentale. Wollt Ihr das auch auf solche Themen ausbauen und eventuell auch weitere Partner, wie kirchliche, anheuern?
Anna: Mal schauen, ob wir jedes Jahr einen Mini-Schwerpunkt auswählen, das ist noch nicht ganz klar. Wir wollen auf jeden Fall jedes Jahr das was wir gelernt haben im nächsten Jahr anwenden und das Ganze immer weiter ausbauen.
Die Auftaktveranstaltung ist wieder im Hauptbahnhof, alle weiteren Veranstaltungen sind aber über die ganze Stadt verteilt?
Viktoriya: Das Festival an sich hat einen stadtweiten Aktionsraum, alles ist sehr verteilt. Das, was das Ganze ein bisschen bündeln soll, ist wieder die Auftaktveranstaltung. Da kann man schon einen ersten Einblick erhaschen und schon die ersten Akteur:innen kennenlernen, die dann beim Festival dabei sind.
Anna: Wir haben dort auch einen Markt der Möglichkeiten, wo verschiedene Akteur:innen dabei sein werden. Das heißt, man kann bereits bei der Auftaktveranstaltung mit den Akteur:innen sprechen, gucken, was ihre Veranstaltungen sind, vielleicht auch so die ersten Akteursvorstellungen mitbekommen. Wahrscheinlich wird auch die Europäische Mobilitätswoche mit einem Stand dabei sein. Da sie zur selben Zeit stattfindet, was wir auch ganz gut finden, können wir auch aufeinander aufmerksam machen. Wir sind übrigens während dem Zeitraum des Festivals im Reallabor, das wird so ein bisschen unsere Base sein, falls es Fragen gibt. Dort liegt dann auch unser gedrucktes Programm aus.
Ihr habt auch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, wollt Ihr dazu etwas sagen?
Viktoriya: Genau, diese läuft seit dem 17. August. Mit dem Crowdfunding möchten wir zusätzliche Mittel für das Festival sammeln. Ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei, das Festival und seine Veranstaltungen zugänglicher zu gestalten und Barrieren weiter abzubauen. Dazu gehört etwa, Veranstaltungen hinsichtlich ihrer Zugänglichkeit besser zu kennzeichnen und Akteur:innen dabei zu unterstützen, ihre Angebote möglichst inklusiv zu gestalten. Gleichzeitig hilft uns die Unterstützung dabei, das Festival sichtbarer zu machen und weiterzuentwickeln. Das ist natürlich auch ein finanzieller Aufwand, den wir stemmen müssen.
Anna: Wenn ich noch eine Sache ergänzen darf, wir sind mit dem Festival natürlich noch nicht bei allen Leipziger:innen bekannt, das müssen wir noch aufbauen. Wir wollen auf jeden Fall, dass das Festival als ein Festival für alle, egal welchen Alters, egal welcher Herkunft, offen ist. So soll das wahrgenommen werden und wir freuen uns, wenn das auch so weitergetragen wird.
Nehmen wir das als Schlusswort, ich danke Euch für das Gespräch. Viel Erfolg mit dem Festival, wir sehen uns dann dort.
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