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Die älteren Menschen unter uns, auch der Autor, erinnern sich noch an die Stromausfälle im Winter 1978/79, es gab damals verschiedene Ursachen. Eine davon war, dass beispielsweise in Leipzig die Versorgung der Kraftwerke mit Kohle zusammenbrach. Die Menschen die in Altbauten wohnten hatten Glück, es gab Stadtgas zum Kochen und die Ofenheizung funktionierte.
Der Blackout in Berlin im Januar 2026, der durch einen Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz ausgelöst wurde, machte uns aus die heutige totale Abhängigkeit der Gesellschaft von der Stromversorgung aufmerksam.
Wir sind total abhängig von einer funktionierenden Stromversorgung, ohne diese kein Licht, keine Wärme, keine Kommunikation und vieles andere mehr. Allerdings ist Deutschland nicht nur abhängig von der reibungslosen Belieferung mit fossilen Energieträgern. Auch „Wind und Sonne gibt es immer kostenlos“ trifft nicht wirklich zu.
Auf dem Ostdeutschen Energieforum in Leipzig sprach Dr. Frank Umbach, der Forschungsleiter des Europäischen Cluster für Klima-, Energie- und Ressourcensicherheit (EUCERS) an der Universität Bonn, zum Thema „Der Energiemix der Zukunft – Sicherheit in unsicheren Zeiten“.

Es gib kein Zurück zum Status quo ante!
Dr. Umbach kommt ursprünglich aus der Sowjetunion- bzw Russlandforschung, er weiß also, wovon er spricht, wenn er sagt:
„Wir haben es mit einer grundlegenden Veränderung der globalen, geopolitischen, aber geoökonomischen Rahmenbedingungen zu tun. Also der Glaube bei uns »business as usual«, wenn der Ukraine-Krieg vorbei ist, wenn der Iran-Krieg vorbei ist, gehen wir einfach zurück zu dem Status quo ante, wird nicht funktionieren. Ich sage das mit aller Deutlichkeit, weil wir in den politischen Diskussionen, egal ob das hier in Ostdeutschland ist, genauso in Westdeutschland, immer noch davon sozusagen ausgehen, dass das alles in der Welt da irgendwie so eine Art Betriebsunfall ist, dass das singulär ist und dass wir dann zurückkehren können zu dem Status quo ante.“
Es wurde auch gewarnt, so Dr. Umbach: „Ich kann nur sagen, nicht nur als jemand der sehr früh davor gewarnt hat, heute gibt es eine ganze Reihe von Kollegen, die dazu Studien gemacht haben: Ab etwa dem Jahre 2012 gab es kein billiges russisches Gas mehr. Das ist ein Mythos, egal wie oft das in den politisch-ökonomischen Diskussionen wiederholt wird, es ist empirisch, es ist faktisch falsch und es wird nicht dadurch wahrer, dass es umso mehr entsprechend wiederholt wird.“
Dr. Umbach warnte aber nicht nur von der Abhängigkeit bei fossilen Energieträgern, auch wenn Wind und Sonne kostenlos verfügbar sind, zur Energieerzeugung benötigen wir Rohstoffe, die wir importieren müssen. Außerdem ist der Schutz der kritischen Infrastruktur ein „Megathema“ geworden, wie wir Anfang 2026 sehen konnten.
„Alle kritischen Infrastrukturen sind abhängig von zwei Dingen: Von einer stabilen Stromversorgung und einem stabilen Zugang zum Internet. Ist beides nicht gegeben, fallen alle kritischen Infrastrukturen aus. Wenn wir noch stärker in Richtung Elektrifizierung, Digitalisierung etc. gehen, dann werden wir, ob wir wollen oder nicht, noch abhängiger von einer stabilen Stromversorgungssicherheit. Und wenn diese kritischen Infrastrukturen nicht mehr funktionieren, das hat eine Studie von 2011 des Deutschen Bundestages schon gezeigt, hört ungefähr nach vier, fünf Tagen alles staatliche Leben, welches Sie kennen, faktisch auf. Es wird ein völliges Chaos geben.“
Die gesamte Keynote wird voraussichtlich auf dem YouTube-Kanal des ODEF bereitgestellt.
Wie schlimm ist es wirklich? Wir haben Dr. Umbach im Anschluss an seine Keynote gefragt. Nachfolgend haben wir das Gespräch verschriftlicht, gern können Sie es sich auch im Video anschauen.
Das Gespräch
Herr Dr. Umbach, Sie haben sehr viele Sachen angesprochen in Ihrer Keynote. Erstmal die Frage: Lohnt es sich eigentlich heute für Bürger und Politiker, wieder mal „Blackout“ von Mark Elsberg zu lesen?
Ja, definitiv. Und dieses Buch Blackout basiert tatsächlich, also er hat sich das nicht selber ausgedacht, sondern es basiert tatsächlich auf dieser Studie eines Instituts für Technikfolgenabschätzungen des Deutschen Bundestages, welche im Jahre 2011 herauskam. In dieser haben sich die Autoren zwei Jahre lang mit den sogenannten kaskadenartigen Auswirkungen von Stromausfällen beschäftigt. Und das ist mehr denn je aktuell und deswegen lohnt es sich auf jeden Fall, dieses Buch entsprechend auch zu lesen.

Ich spreche das jetzt aus einem Grund an. Wir reden ganz viel über erneuerbare Energien, Kernfusion etc., der Strom wird für uns immer bedeutender. Ich denke an den Stromausfall 78/79 im Januar. Da hatten wir noch Gas hier, da hatten wir noch Kohleöfen. Da war das nicht so dramatisch. Heute wäre es komplett dramatisch. Andere Frage: Wir reden ja heute nicht mehr nur über einen Mangel an Energieträgern, sondern über einen Mangel an Materialien für die Energieversorgung, um diese Energieträger zu verwenden. Das ist das, was bei Solar und Wind öfter übersehen wird. Wie kann man das lösen, gerade bei seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen?
2005 begannen die Debatten mit dem Bundesverband der deutschen Industrie, die damals schon gesehen haben, dass der Rohstoffimport Deutschlands zunehmend Probleme bereitet. Und der Grund dafür hatte sehr viel mit China bereits zu tun. Ich habe 2010 angefangen, in meinen Publikationen zur Energiesicherheit immer diesen Faktor Rohstoffversorgungssicherheit in zukünftige Energiesicherheitskonzepte zu integrieren. Bis dato war das immer der Fall, dass die Rohstoffexperten wenig Ahnung von Energiesicherheit hatten, die Experten für Energiesicherheit keine Ahnung von Rohstoffen.
Inzwischen ist das Gott sei Dank anders geworden. Es gibt seit 2017 eine Studie der Weltbank, die das entsprechend aufgelistet hat. Und heute arbeiten daran auch internationale Energieorganisationen wie die IEA, die Internationalen Energieagenturen Paris. Die machen selber Studien zur Rohstoffversorgungssicherheit als Faktor der Transformation und der Dekarbonisierungsprozesse. Also insoweit hat auch die internationale Energiewelt das, glaube ich, mittlerweile verstanden. Wir müssen das aber noch stärker, glaube ich, integrieren, weil wir hier auch das Problem haben, dass von der Planung bis zur Eröffnung einer internationalen Rohstoffmine global sieben bis acht Jahre vergehen, in westlichen Staaten oft zehn bis 15 Jahre.
Also auch hier haben wir das Problem von bürokratischen Prozessen, die viel zu lang dauern. Und wenn sie heute, wie ich das an dem Beispiel deutlich machen kann, ein Investor sind und sie wollen in eine Rohstoffmine investieren und tun das zum Beispiel für Lithium, den wichtigsten Batterierohstoff, und dann in zehn, fünfzehn Jahren stehen Sie plötzlich vor der Situation, dass sich eine neue Batteriegeneration entwickelt hat, die gar kein Lithium mehr braucht, sondern völlig andere Rohstoffe. Da bestehen natürlich riesige Unsicherheiten, die dazu führen können, dass nicht genügend investiert wird, wegen dieser Unsicherheiten in dieser sehr dynamischen Technologieentwicklung.
Das fordert dann immer weiter die Abhängigkeit von denen, die jetzt schon fördern?
Genau, und das müssen wir rechtzeitig adressieren und da sozusagen ein sehr holistisches Gesamtverständnis von unserem künftigen Energiesystem entwickeln. Dazu gehört ganz bestimmt das Thema Rohstoffversorgungssicherheit, da haben wir ohnehin auch viel zu viel Zeit verloren. Auch da spielt die Abstützung auf heimische Rohstoffe, Diversifizierung und vieles andere eine wichtige Rolle, auch da haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern eher ein Umsetzungsproblem.
Ich war gestern bei einer anderen Veranstaltung, der Eröffnung der Final Assembly Line der Deutschen Aircraft. Dort tauchten immer wieder die Begriffe Resilienz und Souveränität auf. Was bedeutet das in Bezug auf Energieversorgung und Rohstoffsicherheit?
Resilienz heißt ja, wenn ich das mal faktisch übersetze, Widerstandsfähigkeit. Kommt übrigens aus den Cyber-Sicherheitsdiskursen von vor 20 Jahren und hat mittlerweile so einen gewissen inflationären Aspekt bekommen, was ich nicht immer so mag. Aber dahinter steht der Faktor Widerstandsfähigkeit. Und das heißt die Stärkung eben der Versorgungssicherheit.
Also was müssen wir tun, um weniger von China abhängig zu sein, weniger oder besser auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Da gibt es eine ganze Reihe von Konzepten, auch auf EU-Seite. Aber wir haben das teils national nicht umgesetzt. Die EU hat auch in den Fragen bei der Europäischen Kommission nicht dieselben Souveränitäten, zum Beispiel wie bei Fragen der Gasversorgungssicherheit, wo wir Souveränitäten an die Kommission, von Seiten der nationalen Mitgliedstaaten abgegeben haben. Also auch da werden viele Konzepte zwar entwickelt, aber die können wir teilweise auch nur auf EU-Ebene entsprechend umsetzen.
Herr Dr. Umbach, ich bedanke mich für das Gespräch.
Versorgungssicherheit war nicht nur in der Keynote von Dr. Umbach ein wichtiges Thema. Auch andere Aspekte wurden beim ODEF beleuchtet, wir haben mit weiteren Wissenschaftlern, Vertretern der Energiewirtschaft, der Politik und von Unternehmen gesprochen. Dazu später.
Fazit: Auch für die Erzeugung der erneuerbaren Energien brauchen wir verschiedene Rohstoffe, bei denen wir auf Importe angewiesen sind. Wie in späteren Artikeln behandelt wird, gilt das auch für Komponenten, wie Wechselrichter und Solarpaneele, die größtenteils importiert werden. Hier resilienter zu werden ist eine Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Momentan arbeitet die Politik auf Bundesebene aber dagegen.
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