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Die Pressekonferenz des Unternehmerverbandes Sachsen, am 22. September in Leipzig, erweckte richtig die Lust an der 15. Ostdeutschen Energiekonferenz teilzunehmen. Am 30. September und 1. Oktober veranstalten ostdeutschen Unternehmerverbände dieses Forum und haben dazu außer ihren Mitgliedern auch eine Vielzahl von Experten aus Energiewirtschaft, Wissenschaft und Politik eingeladen. Es sind spannende Panels und Diskussionen zu erwarten.
„Ostdeutschland ist Vorreiter bei der Energiewende“
Nach den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, bei denen ja die Propaganda besonders gegen Windkraftanlagen eine nicht unerhebliche Rolle spielte, war diese Aussage des Geschäftsführers des Unternehmerverbandes Sachsen e.V., auf der Pressekonferenz zum 15. Ostdeutschen Energieforum, nicht zu erwarten. Konkret sagte er, gefragt nach der Konzentration auf Ostdeutschland: „Wir haben nun mal eine gewisse Vorreiterrolle was auch die Energiewende anbetrifft. Wir sind Exporteur von erneuerbarer Energie und wir haben auch Chancen. Wir haben Flächen, wir können das alles nutzen und deswegen legen wir den Fokus auf Ostdeutschland. Wobei wir wissen, und das hatte ich ja auch in meinem letzten Statement in der Leipziger Internetzeitung gesagt, wir haben auch immer den Gedanken, dass Energiepolitik eigentlich eine europäische Aufgabe ist.“
Auch die Zusammenarbeit mit osteuropäischen Partnern, wie Bulgarien als großem Speicherstandort und Ungarn bei der Solarenergie, wird ein Thema beim Forum.
Das eigentliche Problem liegt weniger in der Wirtschaft als in der Politik, das kann man daraus schließen, wenn er ausführt: „Ich glaube, dass diese politischen Wechsel und die verschiedenen Interessen, die wir immer wieder versuchen auszutarieren, machen es extrem schwierig einen kontinuierlichen Weg zu gehen. Die Vorreiterrolle, die wir tatsächlich hatten, ist durch politische Entscheidungen oder andere Rahmenbedingungen, die wir nicht immer in der Hand haben beschnitten worden. Andere Länder sind vorbeigezogen, wenn man auf China im Automobilbau schaut, da spürt man die Auswirkungen auch in Zwickau.“
Wozu das Forum dienen soll, führte Lars Schaller so aus: „Wir versuchen, Vertretern aus Politik, Verwaltung, Energiewirtschaft, Wissenschaft, den kleinen KMUs, also unserem Kernklientel, eine Stimme zu geben, um das Thema Energiewende und wie können wir diese erfolgreich umsetzen, zu diskutieren. Es hat eine hohe Relevanz auch für unsere kleinen mittelständischen Unternehmen, aber auch für die Gesamtwirtschaft und deswegen ist es aus unserer Sicht extrem wichtig, dass wir darüber diskutieren, wie wir es schaffen diese Energiewende erfolgreich umzusetzen und die Rahmenbedingungen, besonders für unsere kleinen mittelständischen Unternehmen, so zu gestalten, dass diese in Deutschland, in Europa und in der Welt wettbewerbsfähig sind.“
Zumindest von Seiten des Unternehmerverbandes Sachsen e.V. steht nicht die Frage, ob es eine Energiewende geben muss, nur danach wie sie gestaltet werden soll. Lars Schaller sagt dazu: „Wie können wir dort eine Einigung erzielen, um einen Weg gemeinsam zu gehen und wie bekommt man bei dem Thema Populismus und Pragmatismus überein?“
Die Technikwissenschaftliche Perspektive
Diese lieferte Prof. Dr. Jens Schneider von der HTWK Leipzig, von dem auch das „Zielviereck der Energiepolitik“ in der Artikelüberschrift stammt. Er führte aus, dass die Erneuerbaren bereits etwa 60 Prozent bei der Stromversorgung leisten, die anderen Sektoren wie Mobilität und Gebäude aber hinterherhinken.
Wie man das ändern kann, dazu sagte er: „Die Chance besteht darin, dass wir diese verschiedenen Energiesektoren miteinander vernetzen, dass wir in den anderen Sektoren mit Elektromobilität, mit Wärmepumpen relativ viel elektrifizieren, und in der Industrie mit Elektrolyse und Wasserstoff Wege finden, wie wir das günstige Energieangebot von Wind- und Solarenergie nutzen können, um in den anderen Sektoren auch CO₂-arme, umweltfreundliche Energie zu kostengünstigen Preisen zur Verfügung zu stellen und rückwirkend auf den Stromsektor das schwankende Angebot aus Wind und Solar dann nicht abregeln müssen, sondern intelligent nutzen können.“
Dazu bedarf es des verstärkten Einsatzes von Speichertechnologien, besonders aber der Zusammenarbeit von Speicher- und Netzbetreibern. Er führt dazu aus: „Aus meiner Sicht ist das Wichtigste aktuell, das adressieren wir auch beim Ostdeutschen Energieforum, dass die Netzbetreiber und die Speicher- und Flexibilitätsbetreiber nicht gegeneinander arbeiten, sondern ein Miteinander finden. Ich formuliere es gerne so, wir müssen einen Weg finden, da kommt die Politik mit ins Spiel, dass die Netzbetreiber, den, ich sage es mal kurz Speicherbetreibern, meine aber alle Flexibilitätsbetreiber, vertrauen, dass die nicht das Falsche tun.“
Was ist das Falsche? Die Netzbetreiber müssen das Netz ganzjährig unterbrechungsfrei am Laufen halten, dabei könnten Batteriespeicher helfen. „Bei den Batteriespeichern ist es aber so, die sind sehr flexibel, die können Energie abgeben oder aufnehmen und können eigentlich dem Netz helfen. Aktuell wissen sie aber gar nicht, was das Netz braucht. Und wenn sie es nicht wissen, können sie es nicht machen. Sondern die richten sich eher nach dem gesamtdeutschen Strompreis und die lokale Netzauslastung ist egal. Und das bedeutet dann eben, dass die tatsächlich, das ist messbar, ein paar Mal im Jahr genau das Falsche machen. Das Netz ist überlastet, es ist schon zu viel Energie im Netz und die Speicher speisen noch zusätzlich Energie lokal ein. Das ist tatsächlich messbar, das tritt bei den Netzbetreibern auf und darauf müssen die dann reagieren und können eben sagen: Das Netz müssen wir erst ausbauen auf diese Momente, bevor so ein Speicher ans Netz kann.“
Da gibt es Forschende an der HTWK und anderswo, die an der Thematik arbeiten. Die Herausforderungen durch die „Dunkelflaute“ scheint, nach seinen Ausführungen, relativ problemlos lösbar zu sein. Worauf es ankommt, ist der Umgang mit dem überschüssigen Strom in der „Hellbrise“. Dort sind intelligente Speicherlösungen gefragt.

Was sagt die Politikwissenschaft?
Lars Schaller sprach im Zusammenhang mit der Energiewende von Populismus und Pragmatismus und diese spielte bei den letzten Landtagswahlen eine erhebliche Rolle. So war es folgerichtig mit Prof. Dr. Wolfgang Muno von der Uni Rostock auch einen Politikwissenschaftler mit ins Boot zu holen.
Prof. Muno, der per Videochat zugeschaltet war, ging in seinen Ausführungen, neben anderen Themen, auch auf das von politischen Akteuren oft propagierte Comeback der Kernenergie ein. „Wir sehen in Wahlprogrammen, etwa der AfD aber auch der CDU, die Forderung nach Wiedereinstieg in die Kernenergie. Und meines Wissens wird aktuell in Europa gerade ein Kernkraftwerk gebaut. Das ist Hinkley Point C in Großbritannien. Das ist noch lange nicht fertiggestellt, da liegen die aktuellen Kosten bei 55 Milliarden Euro. Und das soll eine günstige Energieversorgung werden? Das muss mir erst einmal jemand erklären.“
Prof. Muno wird beim Energieforum mit Paul Ronzheimer über das Thema „Energiepolitik zwischen Pragmatismus und Populismus“ eine politische Grundsatzdebatte führen. Wir dürfen gespannt sein.
Fazit: Für eine Pressekonferenz waren es schon sehr viele und ausführliche Ausführungen zu den Themen, wir haben das schon sehr stark gerafft. Ein Fazit ist, dass auch die Unternehmen zum überwiegenden Teil die Energiewende und die erneuerbaren Energien nicht infrage stellen. Was aber alle fordern ist eine langfristige und zuverlässige Energiepolitik. Diese muss auch zu vertretbaren Energiepreisen führen.
Wir werden darüber berichten, was auf dem Ostdeutschen Energieforum geschieht. Die Pressekonferenz wurde auch im Livestream übertragen, die Aufzeichnung ist hier zu finden.
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