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Wie erhöht man die Resilienz der Energieversorgung Deutschlands, wie machen wir uns unabhängig von Importen? Welche Rolle kommt dem Netzausbau zu und was können Batteriespeicher beitragen? Diese und andere Fragen wurden auf dem 15. Ostdeutschen Energieforum diskutiert. Die Diskussionen waren oft kontrovers, das ist aber gut so, schließlich sollen Lösungen gefunden und keine Nabelschau betrieben werden.
Am ersten Tag gab es unter dem Thema „Der Energiemix der Zukunft – Sicherheit in unsicheren Zeiten“ zuerst die Keynote von Dr. Frank Umbach, wir haben mit ihm darüber gesprochen. Es folgte Karsten Rogall von den Leipziger Stadtwerken, auf dessen Ausführungen wir später eingehen und schließlich ein Panel mit Dr. Gunter Erfurt, László Módos und Dr. Frank Umbach.
Es wäre vermessen den Versuch zu unternehmen sämtliche Themen, die auf dem Panel angesprochen wurden hier aufzunehmen, Interessierte können es sich auf dem YouTube-Kanal des ODEF in voller Länge anschauen. Wir möchten uns auf einen Teil der Ausführungen von Dr. Erfurt konzentrieren, der für unser nachfolgendes Gespräch ausschlaggebend war.
Für diejenigen denen Dr. Gunter Erfurt kein Begriff ist, übernehmen wir hier die Vorstellung durch die Moderatorin Andrea Thilo auf dem Panel: „Er hat den Solarmodulhersteller Meyer-Burger, von 2020 bis 2024 geleitet, er war Aufsichtsratsvorsitzender der Next2Sun AG und der Swift Solar Germany GmbH, die NextSun befindet sich gerade in der Insolvenz. Er gibt aber nicht auf, er war das Aushängeschild der deutschen Solarenergie, er will sogar wieder in Sachsen produzieren.“

Auf dem Panel
Gleich zu Anfang räumt er mit einem Mythos auf, der immer wieder auftaucht: „Wir tun oftmals so, dass die Probleme in unserem Land, dass die nur Deutschland betreffen. Nur wir sind so doof und bauen Solarenergie aus. Im letzten Jahr war Solar mit Abstand der führende neue Energieträger weltweit mit über 500 Gigawatt Installation, gefolgt vom Wind mit 160, Kohle knapp 100, dann kam das Gas mit 60, Wasserkraft ausgeschöpft mit 18 und laut IRENA-Report von 2025 3 Gigawatt Kernkraft.“ Dieser weltweite Zubau von Kernkraft, er scheint wirklich ein Mythos zu sein.
Auch zur Kernfusion positioniert er sich: „Ich bin selbst Physiker, ich kann Ihnen voraussagen, dass das niemals industriell funktionieren wird. Das ist eine reine Illusion, der wir hinterherrennen. Es wird nicht funktionieren, selbst wenn es funktionieren würde, wir hören ja seit den 80er Jahren, dass es in 20 Jahren soweit ist. Ich habe sogar noch ein altes Energiebuch aus DDR-Zeiten, da stand das auch schon drin. Das ist nie passiert. Und selbst wenn es funktionieren würde, wir brauchen ja jetzt die Lösungen. Deswegen, es gibt Wind und Solar und damit wird es funktionieren müssen, weil wir sonst auf dem Weg zur Elektrifizierung gar nicht vorankommen.“ Ein klares Statement.
Die Ausführungen zum Handelsdefizit mit China, zum US-Markt, den safeguard measures zu Elektrostahl und der deutschen Verzögerungspolitik sind hochinteressant, im oben verlinkten Video sind diese ab Minute 4 zu hören.
Ziemlich am Ende des Panels kommt die Moderatorin Andrea Thilo auf das Vorgespräch mit Dr. Erfurt zu sprechen und zitiert ihn: „Das bewusste verschleppte Ausrollen der Smart Meter mit 5,9 Prozent. Messstellenbetreiber sind verantwortlich, das Problem ist, dass da VK-Business-Modelle zersägt werden würden, wenn wir die Smart Meter an den Start lassen.“ Diese Business-Modelle bezogen sich dort besonders auf die Stadtwerke. Wir haben das im Gespräch thematisiert und dazu später auch mit einem Vertreter der Stadtwerke Leipzig gesprochen.
Im Anschluss an das Panel war Dr. Erfurt so freundlich und stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.
Das Gespräch
Herr Dr. Erfurt, ja, wenn man Sie und Herrn Dr. Umbach nacheinander gesehen und gehört hat, hätte man denken können Sie hätten miteinander riesengroße Probleme. Wenn man aber die Aussagen vergleicht, ist das Problem gar nicht so groß. Es sind vielleicht manchmal andere Anschauungen. Sie sprachen vorhin davon, die Leute kaufen immer das Billigste. Was hat das Ihrer Meinung nach für Auswirkungen, wenn man davon ausgeht, wir wollen jetzt nicht chinesische Solarpaneele qualitativ schlechtreden, aber was hat das wirklich für Auswirkungen?
Zum einen glaube ich, waren die Thesen von Herrn Umbach und meine Antworten darauf gar nicht so verschieden, aber wir sind uns da in vielen Dingen einig. Ich sehe gar kein Problem darin, dass Unternehmer natürlich kostenoptimiert einkaufen. Das ist dann nicht, die Konsequenzen auch nicht, letztlich auch die Schuld dieser Leute. Was es nur generiert ist, dass wir sukzessive industrielle Wertschöpfung in Europa verlieren. Und das ist ja unser Hauptthema. Und das, was zum Beispiel im Bereich Solarmodule passiert ist in den letzten 10, 15 Jahren, die gleichen Mechanismen, die passieren jetzt im Automobilbereich, im Werkzeugmaschinenbau. Und ich glaube, jetzt ist ein Punkt erreicht, wo wir umdenken müssen als Verbraucher, als Industrie und vor allem natürlich die Politik, die die Rahmenbedingungen schaffen muss, dass sich das ändert. Weil, es ist nicht das Problem der Unternehmer, sondern wir haben ein Problem auf politischer Ebene im Bund, in Deutschland, aber vor allem auch in der Europäischen Union.
Wenn ich davon ausgehe, mal abgesehen vom Altmaier-Knick, unter dem Sie ja selber gelitten haben, wenn alles im Ausland produziert wird bedeutet das ja, dass unser Bruttoinlandsprodukt sinkt. Unsere inländische Kaufkraft, Privat und Unternehmen sinkt und wir haben ein riesen wirtschaftliches Problem. Sehe ich das richtig?
Es ist sicher in vielen Details, es gibt viele Aspekte dazu, aber man kann es schon grob so illustrieren. Mit jedem Euro der Europa verlässt, wird dieses Geld natürlich auch dem hiesigen Wirtschaftskreis entzogen. Und das führt letztlich dazu, dass es zu einer Gesamtabschwächung der Wirtschaft kommt. Das kann man mit Handel alleine, also man könnte sich jetzt auf die These versteifen, wir kaufen einfach alles international ein, immer dort wo es am billigsten ist, dann wird es trotzdem in unserem gesamtwirtschaftlichen System dazu führen, dass wir schwächer werden und dass wahrscheinlich auch der Bedarf an Produkten sinkt. Also es ist in gewisser Weise ein Teufelskreis und aus dem müssen wir unbedingt rauskommen.
Karsten Rogall wird das vorhin nicht gerne gehört haben, was Sie über die Stadtwerke sagen. Aber vielleicht können Sie es nochmal sagen. Was bedeutet das, nach dem Motto jedes Stadtwerk macht seins, für sein Geschäftsmodell aber insgesamt ist es nicht hilfreich. Habe ich Sie da richtig verstanden?

Das Ostdeutsche Energieforum ist ja auch dazu da, dass man immer mal was Provokantes sagt. Also ich habe da jetzt nicht irgendwie gegen die Stadtwerke geledert, um Gottes willen. Die Stadtwerke sind ein ganz wesentlicher Teil der deutschen Energieversorgung und ich wünsche mir auch, dass sie noch ganz, ganz lange da sind, möglichst für immer. Das Problem, was wir in Deutschland haben, auch im europäischen Vergleich und im internationalen Vergleich, ist der dringend benötigte Rollout, also das heißt die Installation von Smart Metern. Das sind kleine Einheiten, mit denen man Strom aus einem Haushalt rauskriegt und auch wieder reinkriegt und das Ganze kann man dann idealerweise im 15-Minuten-Takt steuern. Das brauchen wir dringend, um den Bedarf an Strom und die Erzeugung von Strom, die natürlich durch die erneuerbaren Energien volatiler ist, abzugleichen. Und es ist belegt, dass man dadurch auch die Stromkosten absenken kann.
Die Herausforderung für die Stadtwerke ist, dass in einem liberalen Strommarkt, in dem wir ja leben, in dem Moment, wo Menschen Smart Meter installieren, deren Möglichkeiten von außerhalb des Stadtwerks Strom einzukaufen und am ganzen Handel teilzunehmen, natürlich zunehmen. Das heißt, sie werden ein Stück weit selbst ein kleines bisschen zu einem Wettbewerber des Stadtwerkes. Und es gibt in Deutschland viele Stadtwerke, die eigene Energieerzeugungen haben, kleine Gaskraftwerke, andere Systeme, Wasserkraftwerke auch. Und dann kann es passieren, dass vielleicht diese Geschäftsmodelle weniger wettbewerbsfähig sind im Vergleich zu größeren Spielern, die das ganze Thema virtuelle Kraftwerke, die über Smart Meter gesteuert werden, schon stärker angepasst haben. Heißt im Umkehrschluss, und das ist, glaube ich, auch immer eine positive Seite, dass die Stadtwerke, die es noch nicht gemacht haben, sich auch genau anschauen müssen, wie sich die Märkte entwickeln und sich entsprechend anpassen. Und dann werden auch, glaube ich, wird auch für alle Spieler viel Platz sein im Markt.
Jetzt komme ich zurück zur Ausgangsfrage mit Dr. Umbach, Cybersicherheit. Wir haben virtuelle Netze, wir haben intelligente Netze, oder wollen wir haben, Smart Meter und so weiter, was ja alles bedeutet die kleinste Störung in der Energieversorgung ruft riesengroße Probleme hervor. Ich hatte vorhin das Blackout von Elsberg angesprochen, kennen Sie vielleicht. Wie kann man dem entgegenwirken? Was kann man Ihrer Meinung nach für die Resilienz der Netze tun?
Da gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen, und da komme ich auch wieder zurück zur europäischen Industrieproduktion. Wir können gerade bei diesen sicherheitsrelevanten Komponenten, also Smart Meter, dort läuft das heute auch schon so. Aber gerade bei Wechselrichtern für Solarinstallation ist es so, dass ausländische Lieferanten, also allen voran chinesische, den Markt dominieren. Und jeder der einen Wechselrichter zu Hause hat weiß, dass man mit einer App das schön sehen kann, wie die Erträge sind. Das heißt die Daten fließen irgendwo hin, werden zentral von dem Hersteller gebündelt und wieder zurückgeworfen. Man kriegt eine schöne Auswertung.
Das heißt, die Daten verlassen das Land. Es gibt einen Datenzugriff, und der ist vulnerabel, wie man heute so schön sagt. Das heißt also, wir haben dort auch wieder einen Grund, zu sagen, resiliente Infrastruktur und Cybersecurity geht einher mit hier produzierten Systemen, wo wir selbst die Komponenten steuern, wo wir selbst dafür sorgen, dass das Ganze im sicheren Raum ist. Dann ist natürlich künstliche Intelligenz ein Riesenthema, weil, lesen wir auch in der Zeitung oft, dass diese Systeme von selbst faktisch sich Zugang verschaffen. Dort gibt es aber auch Gegenmaßnahmen. Man muss da einfach immer auf dem Stand der Zeit bleiben.
Und vielleicht letztes Argument wieder für die Erneuerbaren. In Deutschland gibt es mittlerweile 5 Millionen Solaranlagen. Und wenn wir mal 30 Jahre zurückblättern, da gab es wahrscheinlich 20, 30, 40, vielleicht 50 Energieerzeuger. Das waren die ganzen Großkraftwerke. Das heißt, die Angriffsfähigkeit auf unser Energieversorgungssystem ist schon dadurch resilienter, dass wir so viele kleine Erzeuger haben. Das heißt, dass wir in eine Situation kommen, dass mit einem Mal hier ein großer Blackout stattfindet. Die Gefahr, glaube ich, ist in anderen Weltregionen viel, viel größer, wo der Netzausbau noch nicht so weit ist. Da ist nämlich in Europa eigentlich mit einem gekoppelten Netz von dem Atlantik bis in die Ukraine mittlerweile und bis nach Norwegen und Schweden und Finnland hoch deutlich resilienter als zum Beispiel in den USA. In den USA sind ganz viele lokale, konzentrierte Netze und da sind Anfälligkeiten viel, viel größer. Also wir stehen eigentlich gar nicht so schlecht da.
Herr Dr. Erfurt, ich bedanke mich und alles Gute für Sie.
Fazit: Wir brauchen wohl eine umfassende Strategie für die Energieversorgung der Zukunft. Dazu noch einmal aus den Ausführungen von Andrea Thilo aus dem Vorgespräch mit Dr. Erfurt. Er hatte dort folgende Punkte benannt:
- Wir müssen verstehen, dass Forschung und Entwicklung (F und E) nicht an der Fraunhofer-Tür aufhören.
- Wir behandeln Wirtschaft und Deep-Tech wie Geisteswissenschaft.
- Die Stärken, die wir überwiegend haben, die machen wir uns nicht klar.
Das sind nur drei Punkte, wir meinen aber, dass diese schon wichtig sind. Auf dem Forum wurden viele damit zusammenhängende Themen besprochen, wir werden zu ausgewählten berichten.
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