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Die Rolle von Stromnetzen und Stromspeichern beim vermehrten Einsatz von Wind- und Solaranlagen ist wohl unumstritten. Erstere braucht man um den Strom von Ort seiner Erzeugung zu den Verbrauchern zu transportieren und die zweiten müssen den überschüssig erzeugten Strom speichern, bis er benötigt wird. Das ist einfach ausgedrückt, Spezialisten würden wahrscheinlich mehr und andere Worte dafür finden, aber belassen wir es dabei.

Wo liegt das Problem?

Bereits bei der Pressekonferenz zum Ostdeutschen Energieforum (ODEF) führte Prof. Dr. Jens Schneider von der HTWK dazu aus: „Aus meiner Sicht ist das Wichtigste aktuell, das adressieren wir auch beim Ostdeutschen Energieforum, dass die Netzbetreiber und die Speicher- und Flexibilitätsbetreiber nicht gegeneinander arbeiten, sondern ein Miteinander finden. Ich formuliere es gerne so, wir müssen einen Weg finden, da kommt die Politik mit ins Spiel, dass die Netzbetreiber, den, ich sage es mal kurz Speicherbetreibern, meine aber alle Flexibilitätsbetreiber, vertrauen, dass die nicht das Falsche tun.“

Am Tag eins des ODEF fand das Panel „Netze vs. Speicher: Gegenspieler in der Energiewende oder strategische Verbündete?“ statt. Dieses war mit Barbie Kornelia Haller (Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur), Georg Gallmetzer (Geschäftsführer der ECO STOR GmbH), Bastien Gierull (Geschäftsführer von Octopus Energy Germany) und Dr. Stephan Lowis (Vorsitzender des Vorstandes der envia Mitteldeutsche Energie AG) hochkarätig besetzt und wurde von Andrea Thilo moderiert.

Poster der Teilnemenden am Panel. Foto: Thomas Köhler

Der Netzbetreiber

Das von Prof. Schneider auf der Pressekonferenz benannte Problem wurde schnell deutlich, als Dr. Stephan Lowis für die Netzbetreiber ausführte, dass diese in Netzanschlussanfragen ertrinken. Einige dieser wären „Goldgräber“, die diese teurer weiterverkaufen würden. Er sagte: „Alle Netzanschlüsse würden bei uns komplett von Batteriespeichern aufgebraucht. Kein Rechenzentrum, kein lokaler Bezugskunde, kein erneuerbar, nichts dürfte sich mehr anschließen. Und das regeln wir gerade selber.“

Entscheidend für die Vergabe wäre die Netzdienlichkeit oder Systemdienlichkeit. Weiter so Dr. Lowis: „Von den 10.000 Anschlussnehmern, die gerade Batteriespeicher sind, sprechen 9.900 davon, dass sie netzdienlich, systemdienlich oder was auch immer sind, was absoluter Quatsch ist. Wirklich absoluter Quatsch. Ich habe mir viele Speicherer bei uns angeguckt, die speichern aus wenn wir zu viel Strom im Netz haben. Mittags um 12 ballern die raus. Und speichern auch nicht ein, sondern die sagen: Der Preis ist dort, wo er ist. Ich knall den Strom raus so schnell es geht, weil ich damit meine Marge mache. Das gehört zur Wahrheit dazu und das müssen wir gerade regeln. Und da ist die Politik und die Bundesnetzagentur ganz offen nicht hilfreich im Moment, weil es gibt, weil wir dort die Regeln selber definieren müssen.“

Gesetzlich ist geregelt, wie die Netzanschlüsse vergeben werden, das ist aber überholt so Dr. Lowis: „Wir haben mit der Bundesnetzagentur, mit der Politik gesagt, das Windhundprinzip, was wir heute haben, also First come, First serve ans Netz, der, der zuerst da ist, kriegt den Netzabschluss. Das funktioniert nicht.“

Die Bundesnetzagentur

Barbie Kornelia Haller lässt das so nicht gelten: „Aber Sie hätten auch schon früher, und es gibt viele Netzbetreiber, die das gemacht haben, sich vom Windhundprinzip lösen können und Regeln aufstellen können. Sie hätten auch zu uns kommen können und sagen, ist das diskriminierend, können wir das machen, können wir das nicht machen? Machen wir ja auch jetzt. Der E.ON-Konzern kommt ja jetzt auch zur Bundesnetzagentur und sagt, wir haben unser System umgestellt.“

Der Gesetzgeber arbeitet gerade an einem Netzanschlusspaket, mit dem Grundregeln festgelegt werden. Frau Haller hofft, dass dieses schnell kommt, damit die Bundesnetzagentur die Folgeregeln erarbeiten kann. Aber auch die Netzbetreiber sind ihrer Meinung nach nicht ganz schuldlos: „Es gibt drittens gute und schlechte Netzbetreiber und es gibt viertens manchmal ein bisschen Prügelei auf der Party. Insofern, ja, man muss es ordnen.“

Der Batteriespeicherbetreiber

Georg Gallmetzer war es, der bereits einleitend den, später von allen benutzten, Party-Begriff in die Diskussion einbrachte. Er sagte: „Die Batteriespeicher sind auf die Party gekommen und der Gastgeber, der die Netzanschlüsse hat, hat sie gar nicht eingeladen. Im übrigen, die Regierung und die Bundesnetzagentur auch nicht.“ Die Speicherbetreiber hätten diese angeschlossen und dann hätten die Netzbetreiber Regeln gefordert. Es hätte auch Unfälle gegeben, so wären die Akteure oft Gegenspieler geworden. So die Kurzfassung, die Langfassung entnehmen Sie dem oben verlinkten Video.

In Erwiderung auf Frau Haller spricht er von einer Marktgröße für den Batteriespeichermarkt von 50.000 Megawatt. „Mehr wird es nicht geben, weil die Investitionsentscheidungen, und darauf kommt es an, man kann Regeln machen wie man will. Der Finanzmarkt denkt nach Investitionsentscheidungen, ist es noch ein Business Case? Und der Grenz-Business-Case endet nach 50.000 Megawatt. Da lege ich mich fest.“

Herr Gallmetzer meint, es gäbe aber Anfragen für 500.000 Megawatt und bereits Zusagen für 80.000 Megawatt. Die Frage wäre: Wie wird man die anderen 30.000 los? Das Reifegradverfahren kommt, seiner Meinung nach, Jahre zu spät.

Nicht immer ist sich das Publikum bei Umfragen einig, grün – pro, orange – contra. Foto: Thomas Köhler

Der Energieanbieter

Bastien Gierull stellte gleich zu Anfang eine wichtige Frage: „Wer zahlt denn die Party? Das sind am Ende die Verbraucherinnen und Verbraucher da draußen. Die müssen dafür bezahlen, wenn wir das Netz weiter ausbauen müssen, ja, und warum müssen wir das machen? Naja, wir haben, die Frage ist nämlich nicht, ist es Batterien gegen Netze oder Netzanschlüsse, sondern die Frage ist vielmehr, warum haben wir eins der teuersten Netze in Europa und betreiben das im Blindflug?“

Unter anderem läge dieser Blindflug und die, durch den Netzausbau steigenden Netzentgelte daran, dass wir mit V2G (Vehicle-to-Grid) und Smart Metern nicht vorwärtskommen.

Dem folgt erwartbar Widerspruch, hier von Dr. Lowis. Allerdings stimmt dieser zu, dass die Ortsnetze nicht durch digitalisiert sind, weil „bis dato gab es kein Erfordernis.“ Den Smart Meter Rollout hat, so Dr. Lowis, „hat Deutschland verkackt“, das sei aber die Schuld der Politik. Weil sie „Hürden gelegt hat, die so hoch waren, dass der Smart Meter eine höhere Sicherheitsanforderung hat als ihr privates Banking-Account.“

Einigkeit besteht weitgehend darin, dass es mehr Digitalisierung der Netze und Beschleunigung des Smart Meter Rollouts bedarf.

Die Diskussion

Diese war lebhaft, wenn auch nicht um mit Bastien Gierull im Party-Bild zu bleiben „Wie jeder weiß, nur Partys, bei denen die Polizei kommt, waren wirklich die guten Partys.“ Alle behandelten Themen hier darzustellen würde jeden vernünftigen Rahmen eines Artikels sprengen. Auf einen Punkt muss man allerdings eingehen, einen für Deutschland typischen Punkt.

Andrea Thilo stellte die Frage: „Ist es nicht absurd sorry, wenn ich das jetzt frage, dass wir immer noch so viele Verteilernetze haben, dass wir 800 bis 850 davon haben? Entschuldigung, das ist ein bisschen wie im 19. Jahrhundert, jeder hat sein kleines Herzogtum. Ich finde, im Sinne der Gemeinschaftsaufgabe, die wir hier seit heute Morgen um 11 Uhr adressieren, müssen wir da nicht dringend ran.“ Wir haben hier eine Karte der Bundesnetzagentur eingefügt, dort sind die Verteilernetze zu sehen.

Bundesnetzagentur – Deutschlandkarte zur Versorgungsqualität der Verteilernetzbetreiber. Screenshot: LZ

Konkret sind es wohl 866 Verteilernetze, darunter auch die der Stadtwerke. Auf diese konzentrierte sich die Antwort von Georg Gallmetzer, der ihnen nicht die Existenzberechtigung absprechen wollte. Allerdings meint er: „Das Geschäftsmodell Stadtwerk ist durch die Akzeptanz für die Transformation unerlässlich. Das, was das Stadtwerk aber am Ende macht, ist aus meiner Sicht nicht der Full Wrap einer Netzführung, sondern erklären von Energiewende vor Ort, ein Geschäftsmodell mit Contracting, vielleicht ein bisschen Wärme und Stromhandel und lasst dann bitte sehr die Netzführung die Profis machen.“

Bastien Gierull meint, dass es ineffizient ist, wenn 866-mal die Transformation und Digitalisierung durchgeführt werden muss.

Fazit: Es kamen in den etwa 45 Minuten so viele Themen auf den Tisch, man kann diese hier nicht ausführlich behandeln. Die großen Fragen waren unter anderem: Sind Netzbetreiber und Speicherbetreiber jetzt schon Partner, oder arbeiten sie gegeneinander? Braucht es Leitlinien, wenn ja welche? Wie können die Verbraucher, nicht nur die Großverbraucher, beteiligt werden und partizipieren? Braucht es in Deutschland 866 Verteilernetze, beziehungsweise wie kann man diese „synchronisieren“?

Diese und andere Fragen konnten nicht vollständig beantwortet werden, die potenziellen Partner sind aber alle an Lösungen interessiert. Wir haben am Folgetag, unter anderem zu diesem Thema, mit Hartwig Kalhöfer von den Stadtwerken Leipzig, Christoph Eger von enviaM und Jörg Kranzfelder von FlexHome.Energy gesprochen. Letzterer hat uns ein neues interessantes Projekt vorgestellt. Dazu mehr im nächsten Artikel.

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