Seit einigen Tagen stellt sich die Frage: Sind es nun 13, 14, 15 oder 16 Kandidierende zur OBM-Wahl? Fünf Kandidierende müssen Unterstützungsunterschriften sammeln, in der letzten Woche ist noch ein neuer Kandidat dazu gekommen und es sind erst Unterschriften für die drei Kandidierenden Getu Abraham, Falk Fiebig (Volt) und Fabian Schmidt (PdH) möglich. Für Ralf Kohl und Lars Kulesch kann (noch) nicht unterschrieben werden.

Mit den beiden Letztgenannten haben wir gestern gesprochen, Ralf Kohl hatte einen Fahrradunfall und ist momentan stark gehandicapt. Er will aber auf jeden Fall Unterschriften sammeln. Lars Kulesch tritt nicht zur Wahl an, er hat sich dazu aus verschiedenen persönlichen Gründen entschieden. Es ist aber anzunehmen, dass wir wieder von ihm hören.

Neu dazugekommen ist Jürgen Brenken, wir haben das über stimmzettel-leipzig.de erfahren. Nach dem ersten Kontakt ist abzusehen, dass Sie in der nächsten Woche hier mehr erfahren.

Eröffnung des Volt-Dialogcenters

Falk Fiebig, der OBM-Kandidat für die Partei Volt, hatte für den 7. November zur Eröffnung eines Dialogcenters eingeladen. In der Einladung war zu lesen: „Mir ist wichtig, nicht nur im Wahlkampf über die Menschen zu reden, sondern ihnen regelmäßig zuzuhören.“ Das lässt darauf schließen, dass sich Volt, die im OBM-Wahlkampf die im OBM-Wahlkampf aus einer Außenseiterrolle heraus antritt, bereits für die Wahlen im Jahr 2029 in Stellung bringen will. Anwesend waren, außer dem Kandidaten etwa 20 Personen, Mitglieder von Volt aber auch Unterstützer.

Volt-Dialogcenter in der Leipziger Emilienstraße Foto: Thomas Köhler

Für jemanden der nicht gern vor Publikum redet, stellte Falk Fiebig seine Themen gut strukturiert dar. Worum geht es: „Als ich 1990 ungefähr im Alter von 16 Jahren ins Leben gestartet bin, war es so, dass ich das Gefühl hatte, ich kann die Welt erobern. Für mich war alles möglich. […] Nachdem nun meine Kinder groß und erwachsen sind und ich Unternehmensgründungen hinter mir habe und das Gefühl habe viel erreicht zu haben in meinem Leben, entlasse ich meine Kinder ins Leben. Und da sehe ich, dass die Chancen nicht mehr die sind, die ich hatte. Und das tut mir weh.“

Das Gefühl kennen wir, die Älteren, wohl alle. Was will Falk Fiebig angehen?

Volt hat, das betont er oft, den europäischen Gedanken im Vordergrund, ohne Europa wird das alles nichts. Für den OBM-Wahlkampf ist das sekundär, wenn auch nicht ganz unwichtig. Falk Fiebig hat aber auch Herzensthemen und eines davon ist die Einsamkeit der Menschen. „Gerade unter jungen Menschen erleben wir einen besorgniserregenden Wandel. Psychische Erkrankungen haben um circa 20 Prozent zugenommen, Einsamkeit wird zu einem immer größeren Problem. Wir laufen Gefahr, viele junge Menschen gesellschaftlich zu verlieren. Und statt ihnen Perspektiven zu eröffnen, machen wir sie für Probleme verantwortlich, die sie nicht verursacht haben.“

Selbstverständlich kamen auch Themen wie bezahlbares Wohnen, Mobilität für alle, Wirtschaft, Wissenschaft und Hitzeschutz wurden angesprochen und als Ziel wurde Leipzig als lebenswerte Stadt ausgerufen. Ja, das haben bisher alle Kandidierenden gesagt, mit denen wir sprachen.

Das Interessante ist das Dialogcenter mit festen Sprechzeiten, welcher vorerst bis zur OBM-Wahl in Betrieb ist. Falk Fiebig hob das auch als Alleinstellungsmerkmal hervor und betonte: „Wir haben dieses Dialogcenter, von dem ich denke, das ist eine Chance. Das ist ein einmaliges Projekt, was wir hier aus dem Boden gestampft haben. Ich denke, in der Größenordnung unserer Partei haben wir hier was geschafft, worauf wir stolz sein können, wo wir direkt mit den Dialogen anfangen können. Also nutzt es, kommt vorbei, seid dabei, nutzt die Projekte, die wir hier anschieben, um Demokratie erlebbar zu machen, um Politik wieder fühlbar zu machen, um sich beteiligen zu können. Das Dialogcenter ist nicht nur für den Wahlkampf, das ist nicht nur für uns, sondern es ist für alle da.“

Der Aufruf an die Mitglieder und Unterstützer beim Sammeln der Unterstützungsunterschriften aktiv zu werden, kam da fast ein bisschen kurz.

Wir haben im Anschluss Falk Fiebig noch Fragen gestellt, unter anderem zu einem Thema seiner Ansprache, welches oben nicht erwähnt wurde.

OBM-Kandidat Falk Fiebig (Volt) bei seiner Präsentation Foto Thomas Köhler

Deine Kernthemen, oder Herzensthemen sind Einsamkeit, Wohnen, Mobilität und so weiter, kann man das etwas genauer, auf die Politik von Volt bezogen, darstellen?

Wir konzentrieren uns auf drei große Themen: die Zukunftsstadt Leipzig, „Gemeinsam statt einsam“ und „Europa beginnt vor Ort“. Europa ist auf kommunaler Ebene oft wenig greifbar, und das verstehen wir. Deshalb wollen wir mit dem Leipzig European Independence Forum (LEIF) ein konkretes Projekt aufbauen. Unsere Vision ist, Leipzig zu einem europäischen Treffpunkt zu entwickeln, an dem Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft regelmäßig zusammenkommen, um gemeinsam an Lösungen für Europas Zukunft zu arbeiten. Dabei geht es insbesondere um die wirtschaftliche und technologische Unabhängigkeit Europas, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Frage, wie wir europäische Zusammenarbeit praktisch voranbringen können. Wir wollen dafür bestehende Leipziger Kompetenzen und Netzwerke zusammenführen, europäische Partner gewinnen und daraus ein dauerhaftes Forum entwickeln, das nicht nur diskutiert, sondern konkrete Projekte und Kooperationen anstößt. Leipzig hat die Kraft und die Möglichkeiten, auf diese Weise einen Unterschied für die Entwicklung Europas zu machen. Mit LEIF wollen wir diese Möglichkeiten nutzen.

Was hat dieses Projekt mit der OBM-Wahl und der Kommune zu tun?

Bei LEIF, dem Leipziger European Independence Forum, geht es uns darum, kommunale Strukturen, in Verbindung mit Europa, zu stärken, aber vor allen Dingen diesen gesellschaftlichen Wandel sichtbar zu machen. Das ist auch ein kommunales Thema.

Wo findet man etwas dazu?

Wir wollen mit LEIF etwas schaffen, das weit über diesen Wahlkampf hinausreicht. Leipzig soll zu einem europäischen Treffpunkt für die großen Zukunftsfragen werden. Wie sichern wir unsere Unabhängigkeit, wie gestalten wir den gesellschaftlichen Wandel und wie wachsen wir als Europäer weiter zusammen? Wir arbeiten bereits an den Grundlagen und werden das Projekt im Wahlkampf vorstellen. Vor allem aber wollen wir die Leipzigerinnen und Leipziger von Anfang an mitnehmen.

Hat Volt eine positive Erzählung für die Zukunft?

Ja, unbedingt. Ich glaube, wir brauchen wieder mehr Zuversicht und den Mut, unsere Zukunft selbst zu gestalten. Gerade für unsere Kinder und die kommenden Generationen. Deshalb sagen wir: „Zukunft entsteht durch Handeln“, „Gemeinsam statt einsam“ und „Europa beginnt vor Ort“. Das sind für uns keine bloßen Slogans, sondern drei konkrete Handlungsfelder. Wir wollen Menschen mehr Möglichkeiten geben, selbst etwas zu bewirken – damit sie erleben, dass ihre Ideen, ihre Beteiligung und ihr Handeln tatsächlich etwas verändern können.

Ich bedanke mich für das Gespräch.

Fazit: Alles in allem kann man aus der Veranstaltung schließen, dass es zwar um den OBM-Wahlkampf geht, dahinter aber bereits die Aufstellung für kommende Wahlen im Jahr 2029 vorbereitet wird. Das ist eigentlich ganz schön schlau, oder?

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