Wir haben Dana László da Costa beim Treffen mit Wolfram Günther im Gallo Negro kennengelernt. Eine junge Frau aus Brasilien, die seit Jahren in Leipzig lebt und hier ein Atelier hat. Als sie sich vorstellte, klang es nach einer Geschichte, die man erzählen kann. Wir haben einen Termin vereinbart und uns in ihrem Atelier in der Alten Handelsschule in Leipzig-Kleinzschocher getroffen. Für das Gespräch haben wir die Anrede mit Du vereinbart.
Dana, wir haben uns bei Alan kennengelernt, wenn ich mich
richtig erinnere bist Du seit zwölf Jahren in Deutschland.
Es sind tatsächlich schon fast vierzehn, genauer dreizehn und ein halbes Jahre her, als ich als Aupair nach Deutschland kam.

Du bist als Aupair gekommen, hast dann an der Burg Giebichenstein studiert, wie ging es dann weiter?
Ich habe 2022 meinen Diplomstudiengang abgeschlossen und habe direkt im Anschluss die Einladung bekommen, eine Meisterschule bei der Professorin für Kunstgeschichte Nike Bätzner zu machen. Dann habe ich zwei Jahre Meisterschule gemacht und als ich 2024 damit fertig war habe ich direkt im Anschluss ein Stipendium von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt bekommen. Da habe ich in Halle für ein Jahr gewohnt und dort dieses Stipendium durchgeführt.
Jetzt bist Du hier in Leipzig und hast Dein eigenes Atelier in der Alten Handelsschule. Du machst Textilkunst, was kann man sich darunter vorstellen?
Genau, seit einem Jahr bin ich hier in Leipzig. Ich arbeite mit Naturmaterialien und Naturfarben. Ich bekomme die Wolle roh, also weiße Wolle und färbe ich sie mit so verschiedenen Extrakten. Zum Beispiel mit Brasilienholz, von einem Baum der aus Brasilien kommt. Es ist auch total spannend, Brasilien heißt Brasilien wegen dieses Baumes. Ich benutze unterschiedliche Rezepte und unterschiedliche Farbstoffe um diese Wolle zu färben. Das Ganze mache ich auf der Kochplatte und hier habe ich dann auch die Töpfe.

Das sind also keine Suppentöpfe. Wenn die Wolle gefärbt ist, was machst Du damit weiter?
Das Färben der Wolle nimmt sehr viel Zeit im Anspruch, danach wird dann ein Leinenstoff über den Rahmen gespannt ich arbeite dann mit der Tufting-Technik, das ist eine Technik um Teppiche herzustellen.
Ist das Knüpfen?
Es sieht ähnlich wie Knüpfen aus, aber es ist eine andere Technik.
Wo verkaufst Du dann diese Teppiche?
Es gibt beispielsweise ein Projekt in Frankfurt am Main, mit dem ich zusammenarbeite, beziehungsweise wir sind jetzt nach Lissabon umgezogen. Mit „THE ORI HOUSE“ arbeite ich seit ein paar Jahren. Jetzt bin ich bei einer Ausstellung in Prag dabei, in der Werke von mir zu sehen sind.
Du machst also, wenn ich es richtig verstehe, Wohnraumtextilien, also Wandteppiche mit selbst designten Mustern. Oder sind das auch traditionelle Muster?
Ich mache hauptsächlich Wandteppiche, Teppiche für den Boden mache ich nur, wenn ich für Projekte. Ein solches hatte ich mit einem Architekten aus Italien, da habe ich mit ihm etwas Gezieltes gemacht.
Die Muster entwerfe ich selbst und suche oft die Inspiration in der Natur vor allem. Es sind auf jeden Fall sehr freie Formen und diese stellen nicht etwas Konkretes dar, in den großen Arbeiten steckt aber immer etwas Wesenhaftes.

Wir hatten an dem Abend bei Alan auch über Probleme mit Ämtern, besonders mit der Ausländerbehörde gesprochen. Man sollte meinen, Du bist fast vierzehn Jahre in Deutschland, hast hier studiert, warst Meisterschülerin und hast jetzt ein eigenes Atelier, da sollte es ja keine Probleme mehr geben. Das ist aber nicht so, oder?
Das ist keinesfalls problemlos, ich hatte am Anfang dieses Jahr sehr große Schwierigkeit mit meinem Visum bekommen. Ich hatte einen Brief bekommen, dass eine Verlängerung abgelehnt wurde. Nach 14 Jahren hier, habe ich das nie erwartet, weil ich mich hier sehr wohlfühle. Aber ich sehe, dass es nicht so ist und dass ich, obwohl ich so lange hier bin immer noch nicht dazu gehöre.
Vierzehn Jahre in Deutschland, das heißt, Du hast fast die Hälfte Deines Lebens hier gelebt.
Genau, ich bin gerade als ich 19 wurde hierhergekommen.
Also, Du hast fast die Hälfte oder ein Drittel Deines Lebens hier verbracht und irgendwann kann es wieder passieren, dass jemand sagt: Jetzt ist Schluss!
Ja, es ist so ich finde das sehr schwierig, wenn man das so darüber nachdenkt, aber am Anfang des Jahres habe ich das erlebt. Jetzt habe ich ein Visum für ein Jahr bekommen, eigentlich ein bisschen weniger. Anfang Februar nächstes Jahr läuft mein Visum aus.
Du musst also jetzt erneut ein Visum beantragen, das ist nicht schön.
Genau, Ende des Jahres muss ich das wieder beantragen, das ist tatsächlich nicht schön.

Auch wenn Du, als Nicht-EU-Bürgerin, den Oberbürgermeister nicht mit wählen darfst, was wäre für Dich wichtig? Was sollte der oder die Neue in Leipzig machen?
Ich finde, dass es sehr wichtig ist nicht nur, weil ich Kunst studiert habe und künstlerisch tätig bin, dass Kunst und Kultur total wichtig für alle ist. Kunst und Kultur sollten nach wie vor noch mehr gefordert und unterstützt werden. Ich glaube, das ist etwas, was ich mir wünsche, dass man die Wichtigkeit der Kunst und allgemein der Kultur für die Gesellschaft ganz oben auf der Agenda sieht. Vielleicht ist das jetzt nicht so konkret, vielleicht sind andere Dinge wichtiger, aber man sollte auf keinen Fall denken, dass Kunst und Kultur unwichtig sind.
Wie geht es bei Dir jetzt weiter, Du machst weiter Deine Kunst, Deine Ausstellungen, willst Du in Leipzig bleiben?
Ja, ich will hier in Leipzig bleiben. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Stadt und schätze sehr die Kulturszene hier. Die finde ich total spannend. Ich werde mich noch mehr hier auseinandersetzen und mich integrieren. Auf jeden Fall bin ich sehr dankbar, dass ich hier so ein gutes Atelier habe und will weiter hier als Künstlerin tätig sein.
Dana ich danke Dir für das Gespräch und wünsche weiter viel Erfolg.
Es ist eine dieser Geschichten über Menschen die nach Deutschland kommen, hier eine Ausbildung oder ein Studium machen und dann hier arbeiten. Für die Ämter, nicht nur für diese, gehören sie auch nach vierzehn Jahren nicht wirklich zu uns. Das sollte sich dringend ändern.
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