Wenn die Energiekrisen und Energiekriege der letzten Jahre etwas gezeigt haben, dann die simple Tatsache, wie elementar bezahlbare Energie für die Wirtschaft ist. Im Frühjahr sorgten die Folgen des von Trump und Netanjahu ausgelösten Krieges gegen den Iran dafür, dass auch in Sachsen die Energiepreise wieder rapide stiegen und die gerade sanft anziehende Konjunktur wieder abgewürgt wurde. Und der Effekt machte sich auch in Leipzig bemerkbar. Auch die Leipziger Wirtschaft kommt nur schwer wieder in die Gänge, wie die IHK zu Leipzig mit den Herbstzahlen meldet.

Die konjunkturelle Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft im IHK-Bezirk Leipzig bleibt auch im Herbst 2026 ohne spürbaren Schwung. Die aktuelle Geschäftslage hat sich nach dem energiepreisbedingten Dämpfer im Frühjahr leicht verbessert; von einer nachhaltigen Erholung ist die regionale Wirtschaft aber immer noch weit entfernt, stellt die Industrie- und Handelskammer zu den aktuellen Zahlen fest.

Die Geschäftserwartungen bleiben gedämpft, die Beschäftigungsplanungen verschlechtern sich und die Investitionsbereitschaft verharrt auf niedrigem Niveau.

Der mit der Herbstbefragung ermittelte IHK-Geschäftsklima-Index steigt lediglich um drei auf 101 Punkte und liegt damit weiterhin unter dem Vorjahresstand von 105 Punkten.

Der Geschäftsklimaindex der IHK zu Leipzig. Grafik: IHK zu Leipzig
Der Geschäftsklimaindex der IHK zu Leipzig. Grafik: IHK zu Leipzig

An der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig im Herbst 2026 beteiligten sich 507 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit mehr als 29.000 Beschäftigten.

Geschäftslage leicht verbessert

Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage wieder etwas positiver als im Frühjahr. Der Lagesaldo steigt um fünf auf 15 Punkte und erreicht damit wieder das Niveau vom Jahresbeginn. Von einer nachhaltigen Stabilisierung kann jedoch keine Rede sein, kommentiert das die IHK. Denn die schwache Nachfrage bremst in vielen Branchen die Umsatzentwicklung, während der anhaltend hohe Kostendruck die Ertragslage belastet.

Oder im Klartext: Die durch die teuren Energiepreise ausgelöste Inflation frisst die Lohnsteigerungen der letzten Jahre auf. Gerade niedrige Einkommen verzeichnen sogar einen massiven Kaufkraftverlust. Ergebnis: Es wird weniger konsumiert, während die Waren des täglichen Bedarfs deutlich teurer geworden sind.

Aber anders als die Vorgängerregierung denkt die aktuelle Regierung nicht einmal daran, diesen Kaufkraftverlust irgendwie auszugleichen – abgesehen von der Steuersenkung für Sprit. Stattdessen setzt die aktuelle Energieministerin in ihrem Programm ausgerechnet auf die Energiequellen, die jetzt schon für die rapiden Preissteigerungen verantwortlich sind. Mit den von ihr gehypten neuen Gaskraftwerken wird auch Strom in Deutschland weiterhin teuer bleiben.

Während sich gleichzeitig auch die gewöhnlichen Produktionsprozesse immer mehr verteuern und die Unternehmen noch echte Probleme bei der Preiskalkulation stellen.

Fast 40 Prozent der Unternehmen verzeichnen sinkende Erträge, stellt die IHK fest. Die leichte Verbesserung der Lageeinschätzungen stehe damit auf einer weiterhin fragilen Grundlage.

Ein kleines Strohfeuer

Am deutlichsten fiel der Anstieg in der Lageeinschätzung noch im Baugewerbe aus, das aber eben nur von kurzfristigen Nachholeffekten und einzelnen Projekten aus dem Sondervermögen für Infrastruktur profitierte. Auch das wird wieder abbrechen, da die kommunale Hand – auch Leipzig – ihre Investitionsprogramme in den nächsten Jahren drastisch zusammenstreichen wird. In Leipzig sind es rund 30 Prozent. Das wird vor allem im Baugewerbe spürbar werden.

Auch im Verkehrsgewerbe hat sich die Lage nach dem energiepreisgetriebenen Stimmungseinbruch im Frühjahr wieder deutlich erholt. Dagegen gingen die Lagebewertungen in Handel und Dienstleistungsgewerbe zurück. Genau dort, wo die Konsumzurückhaltung ihre stärksten Folgen zeitigt.

Geschäftserwartungen bleiben verhalten

Die Aussichten für die kommenden Monate haben sich – wenn man auf die Umfragergebnisse schaut – nicht verbessert. Der Erwartungssaldo verharrt bei –11 Punkten. Positive Konjunktursignale bleiben rar, so die IHK. In der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe haben sich die Erwartungen sogar weiter eingetrübt. Auch im Handel überwiegt die Skepsis deutlich.

Und so stellt auch die IHK trocken fest: „Die expansive Finanzpolitik der Bundesregierung und die beschlossenen öffentlichen Investitionsprogramme haben bislang noch keinen breiten, selbsttragenden Aufschwung ausgelöst. Neben den geopolitischen Unsicherheiten bremsen vor allem die schwache Inlandsnachfrage und unzureichende wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen die Entwicklung.“

Die größten Risiken aus Sicht der befragten IHK-Unternehmen. Grafik: IHK zu Leipzig
Die größten Risiken aus Sicht der befragten IHK‑Unternehmen. Grafik: IHK zu Leipzig

Man kann es auch deutlicher formulieren: Die Wirkung des sogenannten „Sondervermögens“ verpufft. Und die Kommunen streichen ihre Investitionsprogramme in Wirklichkeit zusammen. So erzeugt man keinen „selbsttragenden Aufschwung“, sondern Stagnation.

Besonders deutlich zeige sich die Skepsis in der Industrie, deren Geschäftserwartungen auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn 2024 fallen, stellt die IHK fest. Und auch im Baugewerbe ist die aktuell gute Lage kein Indiz für eine konjunkturelle Wende. Im Gegenteil, die Baufirmen senken ihren Ausblick wieder.

Auch im Handel und im Dienstleistungsgewerbe fallen die Prognosen schlechter aus als im Frühjahr. Dagegen sind die Aussichten im Verkehrs- und Tourismusgewerbe zwar besser als zuletzt, jedoch überwiegen in beiden Wirtschaftsbereichen weiterhin die pessimistischen Einschätzungen. Und das hat Folgen.

Personalplanungen auf Talfahrt

Denn die anhaltend schlechten Geschäftsaussichten schlagen zunehmend auf die Personalplanungen der Leipziger Unternehmen durch. Nur 13 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Beschäftigtenzahlen, während 19 Prozent von einem Rückgang ausgehen. Der Beschäftigungssaldo sinkt um fünf auf −6 Punkte und erreicht damit den schlechtesten Wert seit Frühjahr 2020.

Das heißt: Man baut Personal ab.

Mit Ausnahme des Bau- und Verkehrsgewerbes liegen die Beschäftigungssalden in allen Wirtschaftsbereichen im negativen Bereich. Besonders im Handel zeichnet sich ein weiterer Personalabbau ab. Insgesamt sprechen die Personalplanungen für einen weiteren Beschäftigtenrückgang in der gewerblichen Wirtschaft.

Investitionen bleiben schwach

Auch bei den Investitionsplanungen ist keine grundlegende Wende erkennbar. Zwar verbessert sich der Investitionssaldo um vier auf −4 Punkte, er bleibt damit aber im negativen Bereich. Lediglich 17 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionsausgaben erhöhen, während 22 Prozent Kürzungen planen.

Und dann stellt die IHK der aktuellen Bundesregierung in Wirtschaftsfragen ein unübersehbar schlechtes Zeugnis aus: „Der für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung notwendige Investitionsschub bleibt weiterhin aus. Die bislang beschlossenen öffentlichen Investitionsprogramme haben noch keinen spürbaren Stimmungsumschwung bei den privaten Investitionen ausgelöst.“

Können sie ja auch nicht, denn sie lösen nirgendwo zusätzliche Investitionen aus. Und gerade die wichtigsten Konjunkturmotoren fallen auch in Sachsen aus: die Kommunen. Da helfen auch die etwas erhöhten Schlüsselzuweisungen durch den Freistaat nicht.

Arbeitskosten wieder größtes Geschäftsrisiko

Im Risikoradar der Unternehmen stehen die Arbeitskosten mit 63 Prozent der Nennungen wieder an erster Stelle, stellt die IHK fest. Sie lösen damit die im Frühjahr führenden Energiepreise ab, die weiterhin von 62 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt werden. Was ja nur logisch ist. Wenn die Energiepreise alle Produkte verteuern und damit die Umsätze schmälern. Fällt es den Unternehmen immer schwerer, die Personalkosten aufzubringen. Alles hängt voneinander ab.

Und so folgen auf Rang drei die Kraftstoffpreise, die zuletzt häufig neue Höchststände erreichten. „Für jeweils etwa die Hälfte der Unternehmen stellen zudem die schwache Inlandsnachfrage und die unbefriedigenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko für die Geschäftsentwicklung dar“, fasst die IHK zusammen: „Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass neben den geopolitischen Belastungen insbesondere die aktuellen inländischen Kosten- und Standortbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen.“

Das sind keine guten Signale für den Winter. Und auch nicht für den Arbeitsmarkt, denn die Personalplanungen sorgen auch in Leipzig längst wieder für eine sinkende Beschäftigung.

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