Warum bleiben Stellen unbesetzt, obwohl die Wirtschaft schwächelt? Und was können Arbeitgeber in Leipzig und Umgebung anders machen, um passende Mitarbeiter zu finden? Der Personalberater DIEPA, betreibt insgesamt 15 Standorte in ganz Deutschland. Für seinen Arbeitsmarktindex Ost, wurden alle Standorte in Ostdeutschland, wie zum Beispiel die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, befragt. In unserem Interview, erklärt uns der Geschäftsführer Tobias Dietze, was die Besetzung offener Stellen in Leipzig und Umgebung teilweise unnötig erschwert, welche Rolle Gehalt und Arbeitszeiten spielen und wo Arbeitgeber ihre Anforderungen an Bewerber vielleicht überdenken sollten.

Herr Dietze, die Wirtschaft, nicht nur im Osten, schwächelt gerade merklich, die Beschäftigung liegt teils unter der des Vorjahres und trotzdem melden drei Viertel Ihrer Standorte, dass ihnen geeignete Bewerber fehlen. Wie passt das zusammen, und was bedeutet das konkret für unsere Unternehmen in Leipzig und Umgebung?

Herr Dietze: Eine höhere Arbeitslosigkeit bedeutet nicht automatisch, dass sich jede offene Stelle dadurch zwangsläufig leichter besetzen lässt. Qualifikation, Erreichbarkeit und Arbeitszeiten müssen zusammenpassen. Deshalb lohnt sich auch der Blick darauf, welche Kenntnisse Bewerber durch Einarbeitung oder Weiterbildung erwerben können. Dazu kommt, dass viele erfahrene Fachleute in den nächsten Jahren in Rente gehen werden.

Der altersbedingte Ersatzbedarf bleibt auch bei schwacher Konjunktur bestehen. Für Unternehmen in Leipzig und Umgebung heißt das, dass diese sich nicht darauf verlassen können, dass die schwächere Wirtschaft den Bewerbermarkt entspannt. Wer jetzt sucht, muss genauer wissen, wen er wirklich braucht, und zügig entscheiden, wenn ein passender Bewerber gefunden scheint.

Schweißer, Elektro- und Pflegefachkräfte sowie Erzieher sind, laut Ihrem Index, am schwersten zu finden. Was erleben Ihre Vermittler, zum Beispiel in Wurzen, wenn sie dort Stellen besetzen werden sollen? Und wo stoßen ihre Personaldienstleister an Grenzen?

Tobias Dietze: Bei diesen Berufen ist der Kreis, verfügbarer Bewerber, aus unserer Erfahrung, sehr überschaubar. Bei der Suche kommt es deshalb darauf an, neben Arbeitsuchenden, auch Beschäftigte zu erreichen, die für einen Wechsel offen sind. Dafür sind persönliche Gespräche wichtig. Neben der Vergütung, entscheiden häufig ganz praktische Bedingungen darüber, ob eine Stelle infrage kommt. Die Schicht passt nicht zur Kita, der Weg ist ohne Auto nicht zu schaffen, etc.. In der Pflege und bei Erziehern kommen klare gesetzliche Vorgaben zur Qualifikation hinzu.

Die jeweils erforderlichen Abschlüsse lassen sich nicht durch eine Einarbeitung ersetzen. Auch wir stoßen an Grenzen, wenn für eine Stelle keine ausreichend qualifizierten Bewerber verfügbar sind. Wir können Betrieb und Bewerber aber bei der Suche nach einer passenden Lösung unterstützen, etwa indem wir gemeinsam klären, welche Arbeitszeiten möglich sind und welche Kenntnisse sich, allein schon durch die Einarbeitung, zusätzlich erwerben lassen.

Tobias Dietze. Foto: DIEPA

An allen befragten Standorten sind die Löhne, in etwa 50% der Unternehmen, um 5 bis 10 Prozent gestiegen und trotzdem ist die Wechselbereitschaft eher verhalten. Warum lockt mehr Geld allein offenbar kaum noch jemanden und was zählt für Arbeitssuchende stattdessen?

Tobias Dietze: Eine bessere Vergütung kann ein wichtiger Wechselgrund sein. Zwei Drittel unserer Standorte nennen das Gehalt, nach wie vor, als wichtigstes Wechselkriterium. Beschäftigte wägen aber das Gesamtangebot ab, wie beispielsweise der Punkt, wie sicher erscheint die neue Stelle, wie verlässlich sind die Arbeitszeiten und wie gut lässt sie sich vom jetzigen Wohnort erreichen? Hinzu kommen neue Kollegen und eine Probezeit. Das kann die Entscheidung für einen Wechsel, gerade in unsicheren Zeiten, zusätzlich erschweren. Aus Sicht unserer befragten Teams, spielt neben dem Gehalt, die Vereinbarkeit mit dem Alltag, der Interessenten, eine wichtige Rolle.

Drei Viertel unserer Standorte nennen bessere oder flexiblere Arbeitszeiten als wichtiges Kriterium, die Hälfte einen kurzen Arbeitsweg. Auch der Wunsch, nach weniger Schichtarbeit, wird von den Standorten benannt. Für manche Beschäftigte kann ein kürzerer Arbeitsweg, bei der Entscheidungsfindung, ebenso wichtig sein, wie eine höhere Vergütung.

Ein Drittel Ihrer Standorte sagt, dass zu hohe Anforderungen der Unternehmen, ebenfalls Stellen unbesetzt lassen. Verbauen sich damit Betriebe selbst den Weg zu Fachkräften? Was raten Sie einem mittelständischen Arbeitgeber, hier in Sachsen, der seit Monaten vergeblich auf der Suche ist?

Tobias Dietze: Oft steht in deren Stellenanzeigen alles, was der Vorgänger, in der nun unbesetzten Stelle, wohlgemerkt nach zwanzig Jahren im Betrieb, alles konnte. Dann werden oft als Kriterium mindestens drei Jahre Berufserfahrung verlangt, wo eine gute Einarbeitung reichen würde, oder ein Führerschein, den man für die Aufgabe heute meist gar nicht mehr braucht, um diese Aufgaben zu erledigen. So schließt man Bewerber mit unnötigen Kriterien von vorn herein aus, bevor überhaupt das erste Gespräch stattgefunden hat.

Mein Rat an einen Mittelständler, der langsam schon an der Mitarbeitersuche verzweifelt: Trennen Sie ehrlich, was Pflicht und was Kür ist. Die Kür steht in dem Fall dafür, was jemand durch eine strukturierte Einarbeitung erlernen kann. Schauen Sie auf Ihre Arbeitszeiten und ob auch ein späterer Schichtbeginn möglich wäre, oder lassen sich Dienste verlässlicher planen? Überlegen Sie, ob Sie jemanden einarbeiten können, statt auf einen Bewerber zu warten, der bereits alle Anforderungen erfüllt.

Sicherheit und fachliche Standards stehen dabei nicht zur Verhandlung. Vieles andere aber schon. Reden Sie mit Leuten, die den Markt vor Ort kennen. Genau dafür sind beispielsweise auch Personalvermittler, wie wir da.

Ihr Index beruht auf der Einschätzung von zwölf eigenen Standorten und ist nicht repräsentativ. Sollte man ihn trotzdem ernst nehmen? Und was erwarten Sie für die kommenden sechs Monate, auf dem Arbeitsmarkt, in Mitteldeutschland?

Tobias Dietze: Unser Index bündelt, einfach gesagt, die Erfahrungen unserer zwölf befragten Standorte. Er zeigt, wie unsere Teams die Personalsuche in den von ihnen betreuten Unternehmen einschätzen. Unsere Kollegen sprechen dort täglich mit den Personalern in den Betrieben und natürlich mit den Bewerbern. Unser Index ist die Quintessenz aller Einschätzungen der zwölf Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber keine repräsentative Umfrage. Er ersetzt nicht die Zahlen der Arbeitsagenturen, er ergänzt sie vielleicht, um den praxisnahen Blick und wir werden ihn auch weiterhin regelmäßig aktualisieren. Dann sieht man auch, wohin sich die Lage entwickelt.

Für die kommenden sechs Monate erwarten 42 Prozent unserer Standorte eine steigende oder eine gleichbleibende Nachfrage nach Mitarbeitern. Eine breite Entspannung, bei der Suche nach passenden Fachkräften, lässt sich daraus, aus meiner Sicht, nicht ableiten. Die Stellenbesetzung dürfte aber gerade im Handwerk, in der Industrie und in der Pflege schwierig bleiben. Wer Vergütung, Arbeitszeiten und Entwicklungsmöglichkeiten bestmöglich auf die gesuchten Bewerber abstimmt, kann seine Chancen, bei der Stellenbesetzung, deutlich verbessern.

Vielen Dank, unserem Interviewpartner: Tobias Dietze

Herr Dietze ist Geschäftsführer der DIEPA Personal GmbH und seit knapp 20 Jahren in der Personalberatungsbranche tätig. Bei DIEPA begann er in der Kommunikationsabteilung, bevor er in die Geschäftsführung berufen wurde. Er verfügt damit über langjährige Erfahrungen in der Entwicklung individueller Personalstrategien für mittelständige Unternehmen und Industrie. Sein Fokus liegt auf den Herausforderungen des Fachkräftemarktes und der Frage, wie Unternehmen geeignete Mitarbeiter gewinnen und auch langfristig binden können.

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