Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Wochenende in Leipzig gegen die Ansiedlung des US-amerikanischen Rüstungskonzerns Covenant. Derweil wurde bekannt, dass ein weiteres Unternehmen der Rüstungsindustrie in Leipzig wachsen möchte. Außerdem: Das Wahlkreisbüro der GRÜNEN-Abgeordneten Paula Piechotta wurde erneut Ziel eines Anschlags und in Frankreich gingen Hunderttausende gegen Sozialkürzungen auf die Straße. Die LZ fasst zusammen, was am Wochenende, dem 24. und 25. Oktober 2026, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus passiert ist.
Sachbeschädigung an Grünen-Wahlkreisbüro
In der Nacht von Freitag auf Samstag zerstörten bisher unbekannte Täter*innen die Scheiben des Wahlkreisbüros der Bundestagsabgeordneten Paula Piechotta (BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN) auf der Karl-Liebknecht-Straße. Wie die Polizei mitteilte, hatten die Täter*innen Gegenstände gegen die Scheiben geworfen.
Die Höhe des Sachschadens konnte bisher nicht beziffert werden. Geprüft wird laut Polizei auch eine politische Motivation für die Tat. Gemeldet wurde der Fall gegen 0.45 Uhr.
Auf Instagram kommentierte Piechotta den Vorfall in ihrer Story: „Solche Angriffe sollen einschüchtern und vertreiben. Aber liebe Idioten: Wenn Jens Spahn das nicht schafft, schafft ihr das erst recht nicht.“
Demo gegen Raketenfabrik
Am Samstagnachmittag demonstrierten hunderte Menschen unter dem Titel „Keine Raketenfabrik in Leipzig“ gegen die Ansiedlung des US-Rüstungsunternehmens Covenant im Leipziger Norden. Erst vor wenigen Wochen waren die Informationen über derartige Pläne öffentlich geworden, bereits kurze Zeit später feierte das Unternehmen eine Art Richtfest. Unter anderem war Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei dem Termin vor Ort.
Ab 2027 sollen in der Produktionshalle Marschflugkörper hergestellt werden. In der Stadtgesellschaft wird das Thema kontrovers diskutiert. Mehrere Fraktionen des Leipziger Stadtrates hatten sowohl Anfrage als auch Anträge ins Verfahren gebracht, die Transparenz sowie den Stopp der Pläne forderten.
Mehr zum Thema zu lesen gibt es hier und hier.
Weitere Ansiedlung von Rüstungsindustrie in Leipzig?
Offenbar plant ein weiteres Unternehmen, sich in Leipzig zu vergrößern. Das im vergangenen Jahr gegründete Düsseldorfer Rüstungs-Start-up Falk Defence, welches auf Raketen spezialisiert ist, hat bereits im Frühjahr ein Büro in der Stadt eröffnet und sucht derzeit Personal für die Forschung und Entwicklung neuer Raketensysteme.
Protest am Schkeuditzer Flughafen
Ebenfalls protestiert wurde am Flughafen Leipzig/Halle (Saale). Dort versammelten sich etwa 400 Personen zur Demonstration gegen die Abschiebungspolitik nach Afghanistan. Die Aktion richtete sich vor allem gegen die türkische Airline „Freebird“. Mit dieser werden Charter-Abschiebungen umgesetzt.
Dass sich eine Airline an dieser Praxis bereichern könne, sei skandalös, hieß es vonseiten der Organisator*innen. Ausgerechnet die deutsche Regierung trete das Recht auf Asyl mit Füßen und arbeite zudem bei den Abschiebungen mit den Taliban zusammen bzw. führe Gespräche mit diesen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte in den vergangenen Monaten veranlasst, die Hürden für Abschiebungen nach Afghanistan zu senken. Inzwischen werden auch nicht straffällig gewordene Afghanen in ihr Heimatland abgeschoben.
Auch in anderen deutschen Städten fanden am Samstag derartige Proteste an Flughäfen statt. Die LZ hat hier ausführlich über den Protest in Leipzig berichtet.
Provokante Gemälde, Freiheit für alle Beatfans und sichere Radwege in der Arthur-Hoffmann-Straße
Worüber die LZ am Wochenende berichtet hat:
Die Gemälde von Hans Bote: Aufregend und provokant bei akanthus im Westwerk
Fernwärmeausbau im Waldstraßenviertel ab 2027: Stadtbezirksbeirat beantragt mehr Grün fürs Quartier
Premiere für „Wolf“ am 30. Oktober: Wenn das Ferienlager zum Schauplatz von Mobbing wird
Nach tödlichem Verkehrsunfall: Ökolöwe e.V. fordert sichere Radwege in der Arthur-Hoffmann-Straße
Am 31. Oktober wieder: Hörspaziergang „Freiheit für alle Beatfans!“ zur Leipziger Beatdemo von 1965
Tod von Henry Aulich, Proteste in Frankreich
Was am Wochenende außerdem wichtig war: Der ehemalige Aufsichtsrat und Mitglied des Vorstandes der BSG Chemie Leipzig, Henry Aulich, ist am Wochenende im Alter von 38 Jahren verstorben. Aulich habe „sich um Chemie sehr verdient gemacht und die positive Entwicklung des Vereins maßgeblich mitgestaltet“, so der Verein, welcher sein Beileid ausdrückte. Der 38-Jährige war einer von hunderten Betroffenen im Umfeld des Vereins, die jahrelang ergebnislos vom sächsischen LKA überwacht und abgehört wurden.
Am Samstagabend fand in der Leipziger Oper zum 31. Mal der Leipziger Opernball statt. Das nicht unumstrittene Event wird unter anderem dafür genutzt, um Spenden für Projekte für Kinder und Jugendliche in Leipzig und Umgebung zu sammeln.
Das ganze Wochenende über zeigten 140 internationale Gestalter*innen und Designer*innen ihre aktuellen Arbeiten wie Schmuck, Keramik, Möbel, Spielzeug, Textilien und Modeaccessoires sowie Glas, Metall und Papier bei der Grassimesse.
Informationen des französischen Innenministeriums zufolge haben am Samstag rund 410.000 Menschen an Protesten im ganzen Land teilgenommen. 110.000 davon demonstrierten in der Hauptstadt Paris. Am Abend kam es, nachdem der Beginn der Proteste friedlich verlaufen sei, zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, fast 1.000 Menschen wurden festgenommen. Auch in anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Albanien, Portugal und Spanien, fanden Proteste statt.
RB Leipzig hat am Samstag den Aufsteiger SV Elversberg mit 4:0 im heimischen Stadion besiegt. Unser Redakteur Jan Kaefer war vor Ort und hat die Partie mit der Kamera verfolgt.
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